E-Pianos·34 Min Lesezeit

E-Piano defekt: 27 von 29 Ursachen sind kein Schaden

Kein Ton, eine klemmende Taste, ein Gerät, das sich von selbst abschaltet: In den Fehlertabellen von Yamaha, Kawai und Roland nennen 27 von 29 Zeilen eine Einstellung, einen Stecker oder ein normales Verhalten. Hier steht die Prüfreihenfolge, was 36 Verkäufer defekter Geräte schreiben, was Werkstätten verlangen und wie lange Händler haften.

Matthias König, Fachredaktion Audio und StudiotechnikVon Matthias KönigFachredaktion Audio und Studiotechnik
Veröffentlicht
Geprüft

Kurz gesagt

Meist ist es kein Defekt. In den Fehlertabellen von Yamaha, Kawai und Roland nennen 27 von 29 Zeilen eine Einstellung, einen Stecker oder ein normales Verhalten als Ursache, am häufigsten einen Kopfhörer oder Adapter in der Buchse, eine Lautstärkebegrenzung oder die automatische Abschaltung. Ein Werksreset löst weitere Fälle. Schweigen Lautsprecher und Kopfhörer zugleich, oder klemmt eine Taste, ist die Werkstatt dran; eine Berliner Werkstatt nennt für die meisten Reparaturen 190 Euro. In den ersten zwei Jahren ist zuerst der Händler zuständig.

Ziehen Sie alles aus der Kopfhörerbuchse, was darin steckt, auch einen Adapterstecker ohne Kabel, und schlagen Sie eine Taste an. Bei einem guten Teil der E-Pianos, die für defekt gehalten werden, ist damit die Ursache gefunden. Yamaha, Kawai und Roland nennen den Stecker in der Buchse in ihren Fehlertabellen als Grund, warum die Lautsprecher schweigen, und Yamaha und Kawai erwähnen ausdrücklich den Adapterstecker, der ohne Kabel in der Buchse leicht übersehen wird.

Dieser Ratgeber geht vom Symptom aus. Er hat drei aktuelle Handbücher daraufhin ausgezählt, welche Ursachen die Hersteller selbst nennen, und 36 Kleinanzeigen daraufhin, was Verkäufer defekter Geräte beschreiben. Daraus ergibt sich eine Prüfreihenfolge, die ohne Werkzeug auskommt, und ein Punkt, an dem sie endet: Yamaha untersagt im Handbuch des YDP-105, das Gerät zu zerlegen oder zu verändern. Dahinter stehen die Fragen, die nach dem Prüfen bleiben: was eine Werkstatt verlangt, wann sich das lohnt, was ein defektes Instrument noch wert ist und wie lange in Deutschland, Österreich und der Schweiz der Händler haftet.

Neunundzwanzig Zeilen aus drei Fehlertabellen

Jedes der drei Handbücher endet mit einer Tabelle, die Symptom und Ursache gegenüberstellt. Ausgewertet wurden das Yamaha YDP-105, ein Möbelpiano, das Kawai ES120 und das Roland FP-30X, zwei tragbare Geräte. Gezählt wurde jede Zeile und nach der Ursache eingeordnet, die der Hersteller selbst angibt.

Handbuch Zeilen Einstellung Anschluss normales Verhalten Bedienung oder Umgebung mögliche Fehlfunktion
Yamaha YDP-105 7 2 2 1 2 0
Kawai ES120 11 5 2 3 1 0
Roland FP-30X 11 4 3 3 1 2
zusammen 29 11 7 7 4 2

27 von 29 Zeilen, also 93 Prozent, beschreiben einen Fall ohne Schaden an einem Bauteil. Die größte Gruppe sind Einstellungen mit 11 Zeilen oder 38 Prozent: die automatische Abschaltung, der Lautsprecherschalter, eine Lautstärkebegrenzung, die Transponierung, ein Dual-Modus, die Bluetooth-Kopplung. Es folgen Anschlüsse mit 7 Zeilen, vom Netzteil, das nicht ganz in der Buchse steckt, bis zum USB-Speicher, der den Anschluss überlastet. Ebenfalls 7 Zeilen erklären ein Verhalten, das der Hersteller für normal hält, etwa ein Klicken beim Einschalten oder Töne, die in der höchsten Lage nachklingen.

Nur zwei Zeilen nennen die Möglichkeit einer Fehlfunktion, beide bei Roland, und beide hängen am Hörweg. Ein hochfrequentes Geräusch ist im Kopfhörer normal, über die Lautsprecher dagegen ein Grund, den Service zu fragen; bei verzerrten tiefen Tönen ist es umgekehrt. Dazu steht unten ein eigener Abschnitt.

Der zweite Befund steht in keiner Zelle. Keine der 29 Zeilen behandelt eine einzelne Taste, die keinen Ton gibt, klemmt oder klappert. Die Tabellen decken das ab, was der Besitzer selbst lösen kann. Was in der Tastatur verschleißt, kommt in ihnen nicht vor. Wie die Tabelle des YDP-105 im Einzelnen aussieht, mit den Zeilen zum Möbel, steht in der Fehlertabelle des YDP-105 im Vergleich der Möbelpianos.

Was 36 Verkäufer als Defekt beschreiben

Die Gegenprobe kommt aus dem Gebrauchtmarkt. Eine Suche nach „e piano defekt“ auf Kleinanzeigen ergab am 26. Oktober 2026 48 Treffer. Davon wurden zwölf ausgesondert: vier Stereoanlagen der Yamaha-Reihe PianoCraft, drei Keyboards mit 61 Tasten, zwei Gesuche, ein einzelnes Pedal, ein Kaffeevollautomat und eine Anzeige, bei der offen bleibt, ob ein akustisches Klavier gemeint ist. Es bleiben 36 Angebote von Digital- und E-Pianos, jedes einzeln geöffnet und nach dem beschriebenen Fehlerbild eingeordnet.

Fehlerbild laut Anzeige Anzeigen Anteil
Tasten: stumm, klemmend, klappernd, ungleich laut, Ton hängt 16 44 %
kein oder sehr leiser Ton bei laufendem Gerät 8 22 %
lässt sich nicht einschalten, geht aus, startet schwer 6 17 %
Klang: Brummen, „verzogene“ Töne 2 6 %
Wackelkontakt an einer Buchse 1 3 %
Wasserschaden 1 3 %
nur „defekt“, ohne Fehlerbild 2 6 %

Die beiden Zählungen ergänzen sich. Die Handbücher beschreiben, was sich lösen lässt, die Anzeigen, was übrig bleibt. Die Tastatur, in den Herstellertabellen mit keiner Zeile vertreten, ist mit 16 von 36 die häufigste Klage. „Kein Ton“ steht in 8 Anzeigen, und es ist genau das Symptom, für das die Hersteller vier bis fünf Einstellungen nennen. Ob die Verkäufer diese geprüft haben, schreibt keiner. Eine Anzeige zu einem Thomann DP 50 hält fest, über den Computer komme Ton, über die Tastatur nicht.

Die Zahlen sind kein repräsentativer Querschnitt. Sie zeigen, was Besitzer selbst als Fehler benennen, und sie sind der Grund, warum dieser Ratgeber der Tastatur und dem Ton ohne Ursache die längsten Abschnitte gibt.

Die Prüfreihenfolge in acht Schritten

Die Reihenfolge folgt der Häufigkeit in den Tabellen und dem Aufwand: erst das, was eine Sekunde dauert, zuletzt das, was Daten löscht.

Schritt 1: Buchsen leeren. Ziehen Sie Kopfhörer, Adapter und jedes Kabel aus den Kopfhörerbuchsen. Alle drei Hersteller schalten die Lautsprecher stumm, solange dort etwas steckt.

Schritt 2: Lautstärke prüfen. Drehen Sie den Regler auf. Beim YDP-105 bewirkt der Regler über die Mitte hinaus nichts, wenn die Lautstärkebegrenzung aktiv ist; sie lässt sich in den Funktionen abschalten.

Schritt 3: Stecker prüfen. Netzteil in der Buchse DC IN und in der Steckdose, Pedalkabel vollständig eingesteckt. Kawai rät, das Pedalkabel auch dann aus- und wieder einzustecken, wenn es zu stecken scheint.

Schritt 4: Einstellungen prüfen. Lautsprecherschalter, lokale MIDI-Steuerung, Transponierung, Dual-Modus, Bluetooth. Welche es gibt, steht im Handbuch des Modells.

Schritt 5: neu starten. Aus, kurz warten, ein. Kawai schreibt, die Schutzschaltung des Verstärkers könne unter bestimmten Umständen den Ton unterbrechen und werde mit einem Neustart zurückgesetzt.

Schritt 6: Werksreset. Er setzt gespeicherte Einstellungen zurück. Yamaha empfiehlt ihn ausdrücklich bei Fehlfunktion. Vorher klären, was dabei verloren geht.

Schritt 7: Hörweg wechseln. Dasselbe Stück über Kopfhörer und über Lautsprecher. Ist der Fehler nur auf einem Weg, ist er eingegrenzt.

Schritt 8: aufhören. Ab hier bleibt das Gehäuse zu. In den ersten zwei Jahren ist zuerst der Händler zuständig, danach eine Werkstatt; Roland verweist in seiner Tabelle an Vertragspartner und Support.

Stumm trotz Licht am Bedienfeld

Das Gerät ist an, die Anzeigen leuchten, die Tasten bewegen sich, aber es kommt nichts. Für diesen Fall nennen die drei Handbücher zusammen fünf Ursachen.

Die erste ist die Buchse. Yamaha und Kawai nennen ausdrücklich den Adapterstecker, also das kleine Zwischenstück, mit dem ein Kopfhörer mit 3,5-Millimeter-Stecker an eine große Buchse passt. Er bleibt nach dem Üben gern stecken und hat kein Kabel, das auffiele. Beim Kawai ES120 sind zwei Kopfhörerbuchsen vorhanden, eine für 6,3 und eine für 3,5 Millimeter; ein Stecker in einer der beiden genügt.

Die zweite ist die Lautstärke, und sie ist bei Yamaha zweistufig. Der Regler kann zu weit unten stehen, und die Lautstärkebegrenzung kann den Pegel in der Mitte des Reglerwegs festhalten. Wer den Regler bis zum Anschlag dreht und nur halbe Lautstärke bekommt, sieht keinen Defekt, sondern diese Funktion.

Die dritte ist der Lautsprecherschalter. Kawai lässt die Lautsprecher in den Einstellungen abschalten, Roland lässt einstellen, ob sie bei eingestecktem Kopfhörer weiterspielen. Ab Werk schweigen beim FP-30X die Lautsprecher, sobald etwas in der Buchse steckt.

Die vierte nennt nur Kawai: die lokale MIDI-Steuerung. Sie verbindet die eigene Tastatur mit der eigenen Klangerzeugung. Steht sie auf „aus“, sendet die Tastatur weiter Daten an einen angeschlossenen Computer, spielt aber den eigenen Klang nicht mehr. Das ist das Bild, das die Anzeige zum Thomann DP 50 beschreibt; ob es dort diese Einstellung ist, lässt sich aus einer Anzeige nicht sagen.

Die fünfte ist die Schutzschaltung des Verstärkers, die Kawai beschreibt und die ein Neustart zurücksetzt.

Wenn alle fünf nicht greifen

Dann ist der Fehler in der Elektronik. Die Werkstatt pianohof beschreibt ein Roland FP-1, bei dem der Besitzer das Netzteil vermutete: Der Transformator arbeitete, die Ursache lag in ausgelaufenen Elektrolytkondensatoren auf der Platine des Digital-Analog-Wandlers, die einen Kurzschluss verursacht und die Stromversorgung überlastet hatten. Zwei Platinen waren betroffen, und der sichtbare Schaden war ein Folgeschaden. Ein Verkäufer eines Korg SV-1 schreibt, eine Werkstatt habe Kondensatoren getauscht, an denen es nicht lag; vermutet werde die Hauptplatine. Beide Fälle zeigen, dass „kein Ton“ am Ende der Prüfreihenfolge eine Diagnose braucht, kein neues Netzteil auf Verdacht.

Wenn nur einer von zwei Hörwegen schweigt

Ein Digitalpiano hat zwei Wege nach außen: die eingebauten Lautsprecher und den Kopfhörer. Beide teilen sich die Klangerzeugung, danach trennen sie sich. Roland nutzt das in zwei Zeilen seiner Tabelle als Prüfung.

Ein hochfrequentes Geräusch im Kopfhörer hält Roland für normal: Manche Klavierklänge seien sehr brillant, ein hoher Hallanteil verstärke das, und es helfe, die Ambience-Lautstärke zu senken. Dasselbe Geräusch über die Lautsprecher könne dagegen eine Fehlfunktion sein, etwa eine Resonanz im Gehäuse. Bei verzerrten tiefen Tönen dreht sich das um. Über die Lautsprecher liegt es an der Lautstärke oder am Raum: Gegenstände neben dem Instrument vibrieren, Glastüren und Leuchtstoffröhren schwingen mit, und Roland empfiehlt mindestens 30 Zentimeter Abstand zu einer schallharten Fläche. Im Kopfhörer aber, wo der Raum keine Rolle spielt, deutet derselbe Fehler auf eine Fehlfunktion.

Die Regel dahinter lässt sich auf andere Fälle übertragen. Der Weg, auf dem eine harmlose Ursache ausgeschlossen ist, sagt die Wahrheit. Schweigt nur der Kopfhörer, liegt der Fehler hinter der Buchse oder im Kopfhörer selbst, und ein zweiter Kopfhörer klärt das in einer Minute. Unter den 36 Anzeigen nennt eine zum Roland HP-1600e neben drei Tasten einen Kopfhöreranschluss, der nicht funktioniert, eine weitere einen Wackelkontakt an einer Buchse. Tastenexpress zählt Probleme an Kopfhörer-, Audio- und Netzanschlüssen zu den typischen Reparaturfällen.

Das Instrument schaltet sich selbst ab

Ein Gerät, das nach einer Pause dunkel ist, hat in aller Regel nichts. Alle drei Hersteller haben eine Abschaltautomatik, und sie unterscheiden sich in der Zeit um den Faktor 16.

Modell Abschaltung ohne Bedienung ändern
Yamaha YDP-105 nach etwa 30 Minuten, ab Werk an Tiefste Taste halten und einschalten schaltet sie ab
Kawai ES120 aus, 15, 60 oder 120 Minuten FUNCTION halten, G7, A7, B7 oder C8
Roland FP-30X nach 240 Minuten ab Werk Parameter „Auto Off“ auf „Off“

Von 15 Minuten beim Kawai bis 240 beim Roland ist das der Faktor 16. Wer zwischen zwei Übeeinheiten eine Stunde Pause macht, findet das Yamaha aus, das Roland an. Beides ist Absicht.

Roland nennt einen zweiten Grund. Wird ein Song von einem USB-Speicher sehr laut abgespielt, kann der interne Schutzschaltkreis auslösen, und das Instrument schaltet ab; helfen soll, die Lautstärke zu senken. Auch das ist kein Schaden.

Ein Defekt ist es erst, wenn das Gerät mitten im Spiel ausgeht. Unter den 36 Anzeigen beschreibt das eine zu einem Roland EP-75, das „gelegentlich einfach aus“ gehe, und eine zu einem Wersi CT1, das bei bestimmten Tasten abschalte und nach dem Neustart wieder spiele. Solche Muster gehören in die Werkstatt.

Was die Automatik an Strom spart

Roland gibt für das FP-30X eine Aufnahme von 3 Watt an, wenn es eingeschaltet ist und nicht gespielt wird. Bleibt es nach dem Üben an, sind das bis zur Abschaltung nach 240 Minuten 3 W × 4 h = 12 Wattstunden. Mit der Zeit des Yamaha, 30 Minuten, wären es 1,5 Wattstunden. Bei 100 vergessenen Abenden im Jahr ergibt das 1,2 Kilowattstunden gegen 0,15. Mit den Strompreisen von 30 und 40 Cent je Kilowattstunde, die der Vergleich der tragbaren Einsteigergeräte mit externem Netzteil als Rechenannahme benutzt, sind das 36 bis 48 Cent im Jahr gegen 4,5 bis 6. Die Abschaltautomatik ist also kein Sparprogramm, sondern eine Ordnungsfrage. Yamaha weist zusätzlich darauf hin, dass im Bereitschaftszustand weiter ein kleiner Strom fließt, und rät, bei längerer Nichtbenutzung den Stecker zu ziehen.

Kein Lebenszeichen nach dem Einschalten

Leuchtet nichts, nennen Yamaha, Kawai und Roland dieselbe Ursache: einen Stecker, der nicht richtig sitzt, am Instrument oder an der Steckdose. Yamaha beschreibt zwei Stecker, den Gleichstromstecker in der Buchse DC IN und den Netzstecker; beide müssen fest sitzen.

Danach beginnt die Vermutung, und sie fällt meist auf das Netzteil. Unter den sechs Anzeigen mit Stromproblemen nennt eine zu einem Korg LP-380 ausdrücklich, das Netzteil sei geprüft und nicht die Ursache. Eine zu einem Kawai CN34 vermutet Transformator und Netzschalter, eine zu einem Yamaha Clavinova CLP 150 schreibt, es starte erst nach mehreren Versuchen. Der Fall des Roland FP-1 aus dem vorigen Abschnitt zeigt, warum die Vermutung täuschen kann: Dort war das Netzteil in Ordnung und die Stromversorgung nur die Folge eines Kurzschlusses auf einer anderen Platine.

Die sinnvolle Prüfung ist ein zweites Netzteil desselben Typs. Springt das Instrument damit an, war es das Netzteil. Bleibt es dunkel, liegt der Fehler innen. Welches Netzteil das sein muss, ist eine Frage für sich.

Spannung, Strom und Stecker des Netzteils

Ein Netzteil für ein Digitalpiano ist kein Universalteil. Yamaha schreibt im Handbuch des YDP-105, nur der angegebene Adapter dürfe verwendet werden, ein anderer könne Adapter und Instrument irreparabel beschädigen. Angegeben ist das PA-150 oder ein von Yamaha empfohlenes gleichwertiges Modell mit 12 Volt Gleichspannung und 1,5 Ampere.

Wie verschieden die Netzteile schon innerhalb einer Marke sind, zeigen die Tabellen, die Kawai und Roland nach der EU-Verordnung über externe Netzteile veröffentlichen.

Hersteller Netzteil Ausgang Leistung für
Yamaha PA-150 12 V, 1,5 A 18 W YDP-105
Kawai PS-129 12,0 V, 2,0 A 24 W ES120
Kawai PS-154 15,0 V, 4,0 A 60 W weiterer Typ in derselben Tabelle
Kawai PS-241 24,0 V, 6,2 A 150 W weiterer Typ in derselben Tabelle
Roland PSB-5U 12,0 V, 1,5 A 18 W FP-10, RD-08, RD-88, F107
Roland PSB-7U 12,0 V, 4,0 A 48 W FP-30X, FP-60X, F701, HP601
Roland PSB-14U 24,0 V, 3,75 A 90 W FP-90X, LX-7, HP605

Die Leistung ist Spannung mal Strom: 12 V × 1,5 A = 18 W, 12 V × 4 A = 48 W, 24 V × 3,75 A = 90 W. Für das PA-150 nennt Yamaha die Leistung nicht; die 18 Watt sind aus den angegebenen Werten gerechnet.

Zwei Beobachtungen folgen daraus. Erstens reicht die gleiche Spannung nicht. Das PSB-5U und das PSB-7U liefern beide 12 Volt, aber das erste 1,5 und das zweite 4 Ampere, und Roland ordnet dem FP-30X das stärkere zu. Das Netzteil eines FP-10 hat für ein FP-30X 1,5 ÷ 4 = 37,5 Prozent des vorgesehenen Stroms. Zweitens verrät die Marke nichts. Kawai führt in einer einzigen Tabelle Netzteile mit 12, 15 und 24 Volt, Roland ordnet allein den Digitalpianos dieser Aufstellung Netzteile mit 12 und mit 24 Volt zu.

Was beim Ersatz zählt

Gesucht wird der Typ, nicht ein Netzteil mit passendem Stecker. Er steht im Handbuch, in den Tabellen der Hersteller und auf dem Netzteil selbst. Dieselbe Regel gilt bei anderen Geräten mit Kleinspannung: Beim Spiegelschrank mit Beleuchtung etwa ist der Ersatz nur möglich, wenn Bauform und Kennwerte bekannt sind, wie der Ratgeber zum Netzteil, dessen Kennwerte auf dem Bauteil stehen, für diesen Fall beschreibt. Beim Digitalpiano kommen Stecker und Polung dazu, die keiner der drei Hersteller in den Tabellen nennt; wer den Typ kennt, muss danach nicht suchen.

Wer die Netzteile der Marken baut

Die Tabellen nach der EU-Verordnung haben eine Spalte für den Hersteller des Netzteils, und hier unterscheiden sich Kawai und Roland. Kawai trägt bei allen vier Netzteilen „KAWAI“ als Markenzeichen des Herstellers ein. Roland nennt die Fabrik. Von den 14 Netzteilen in Rolands Liste stammen fünf von Shenzhen Huntkey Power Technology, darunter das PSB-7U und das PSB-14U, fünf von UNIFIVE Technology, darunter das PSB-5U, zwei von Dong Guan City GangQi Electronic und je eines von Shenzhen Fujia Appliance und Adapter Technology.

Für den Ersatz hat das eine praktische Folge. Das Netzteil eines Markeninstruments ist ein Zulieferteil mit einer Typbezeichnung, und unter dieser Bezeichnung ist es nachzukaufen. Die Werte, die Roland dazu angibt, sind keine Werbezahlen, sondern Pflichtangaben: Das PSB-7U arbeitet mit einem durchschnittlichen Wirkungsgrad von 89,01 Prozent und nimmt ohne Last 0,059 Watt auf, das Kawai PS-129 kommt auf 90,38 Prozent und 0,061 Watt.

Die Leerlaufaufnahme ist das, was ein Netzteil zieht, das in der Steckdose bleibt, während das Instrument ausgesteckt ist. 0,059 W × 8.760 Stunden ergeben 0,52 Kilowattstunden im Jahr, beim PS-129 0,53. Das ist wenig, aber es ist ein Grund mehr, ein Netzteil nicht dauerhaft eingesteckt zu lassen, wenn das Instrument verliehen oder eingelagert ist.

Eine Taste schweigt, klemmt oder klopft

Die Tastatur ist der Teil, der in den Fehlertabellen fehlt und in den Anzeigen am häufigsten vorkommt. Die 16 Anzeigen zur Tastatur verteilen sich auf fünf Bilder und eine Restgruppe:

  • stumme Tasten, 7 Anzeigen: acht Tasten bei einem Glarry, zwei bei einem Casio CDP-100, zwei schwarze bei einem Roland FP-1, eine bei einem Gem RP 70 C, „nicht alle Obertasten“ bei einem Korg, „viele Tasten“ bei einem Roland EP-5, alle Tasten bei einem vidaXL, dessen Demo-Funktion weiter Ton gibt
  • klemmende Tasten, 1: zwei Tasten bei einem Korg SP-280, die sich nicht mehr herunterdrücken lassen
  • klappernde oder klopfende Tasten, 3: bei einem Fame SP-5100, einem FAME DP-680, das „ausgeleiert“ wirke, und einem Gerät ohne Markenangabe, dessen Tasten „sehr stark schlagen“
  • hängender Ton, 1: bei einem Thomann DP 51 geben markierte Tasten einen langen Ton, den auch das Pedal nicht abbricht
  • ungleiche Lautstärke, 1: bei einem DP50, dessen Tasten alle unterschiedlich laut anschlagen
  • ohne nähere Angabe, 3: „defekte Tasten“ bei einem Roland HP-1600e, einem Yamaha Clavinova und einem Yamaha CVP 204

Bewegung oder Erfassung

Die Werkstatt pianohof trennt diese Bilder in zwei Gruppen, und die Trennung hilft beim Beschreiben. Lässt sich eine Taste nur mit erhöhtem Widerstand drücken, kehrt langsam zurück oder klickt, ist es die Mechanik: verschlissene Auflagen, die sich bei geeigneter Bauart durch passenden Klavierfilz ersetzen lassen. Lässt sich die Taste normal bewegen, löst aber einen viel zu lauten Ton aus, ist es die Erfassung des Anschlags, und dann ist ein Filztausch keine Lösung. Unter den Arbeiten, die pianohof dafür aufzählt, stehen Gummikontakte, Sensorleisten und die Kalibrierung der Anschlagskurve. Wie Sensoren und Hebel in einer Tastatur zusammenarbeiten, beschreibt der Ratgeber über Sensoren und Hebel einer Hammermechanik. Instrumente mit echter Klaviermechanik ohne Saiten, die als Hybrid verkauft werden, sind ein eigener Fall; was bei ihnen anders gebaut ist, steht im Ratgeber über Hybride mit Klaviermechanik und ohne Saite.

Die Einteilung lässt sich ohne Werkzeug vornehmen. Drücken Sie die Taste langsam und schnell, bei ausgeschaltetem und bei eingeschaltetem Gerät. Fühlt sie sich aus anders an als ihre Nachbarn, ist es die Bewegung. Fühlt sie sich gleich an und klingt anders, ist es die Erfassung. Ein hängender Ton wie beim DP 51 spricht für die Erfassung, wenn die Taste selbst in Ruhe ist und trotzdem weiterklingt.

Was die Werkstatt vorher wissen will

Pianohof bittet um die genaue Modellbezeichnung, eine kurze Beschreibung, wann und wo der Fehler auftritt, und ein kurzes Video, das Bewegung und Rückkehr der Taste zeigt. Eine einzelne auffällige Taste bedeute nicht automatisch, dass nur diese Stelle bearbeitet werden sollte; ob eine Überarbeitung der ganzen Tastatur sinnvoll sei, hänge vom Zustand ab. Tastenexpress nennt klappernde, hängende und ungleichmäßig spielende Tasten als typische Fälle und arbeitet „von einzelnen Tastenkontakten bis zur kompletten Tastaturmechanik“. Roland ergänzt eine Ursache, die keine Werkstatt braucht: Gegenstände auf der Tastatur können unerwartet Töne auslösen.

Geräusche, die zur Bauart gehören

Nicht jedes Geräusch ist ein Fehler, und die Handbücher sagen bei vier Geräuschen ausdrücklich, dass sie normal sind.

Ein Klicken beim Ein- und Ausschalten. Yamaha nennt es eine normale Folge davon, dass Strom ins Gerät fließt.

Ein Klopfen trotz Kopfhörer. Roland schreibt, auch ein akustisches Klavier erzeuge beim Anschlagen einer Taste ein Geräusch; das Klopfen der Tastatur sei normal und keine Fehlfunktion. Für den Nachbarn ist es trotzdem eine Frage, und zwar eine der Bauakustik: Klopfen, das über den Boden zum Nachbarn geht, wird dort mit Platte und weicher Schicht behandelt.

Ein helles Rauschen im Kopfhörer. Roland erklärt es mit brillanten Klavierklängen und Hall.

Ein Störgeräusch in Lautsprechern oder Kopfhörer, wenn ein Telefon in der Nähe ist. Yamaha nennt das Mobiltelefon als Störquelle und empfiehlt, es auszuschalten oder bei der App-Nutzung den Flugmodus einzuschalten.

Dagegen steht ein Brummen, das neu ist. Eine der 36 Anzeigen beschreibt ein lautes Brummen, das seit kurzem beim Einschalten auftrete. Pianohof nennt die Beseitigung von Brummen im Audioweg und im Netzteil unter den Arbeiten der Werkstatt. Kurz gemerkt: Ein Geräusch, das immer da war, gehört meist zur Bauart. Ein Geräusch, das neu ist, gehört meist zu einem Bauteil.

Was das Digitalpiano vom Klavier geerbt hat

Drei Zeilen der Fehlertabellen erklären ein Verhalten, das sich wie ein Fehler anhört und eine Kopie des Klaviers ist.

Kawai schreibt, beim ES120 klängen die höchsten 18 Tasten nach dem Loslassen nach, auch ohne Pedal. Das sei normal, denn die höchsten Tasten eines akustischen Klaviers hätten keine Dämpfer, und das Instrument bilde dieses Verhalten nach. Roland beschreibt dasselbe für das FP-30X mit anderen Worten: Die Noten der oberen anderthalb Oktaven klängen beim akustischen Klavier natürlich aus und würden vom Dämpferpedal nicht beeinflusst. Anderthalb Oktaven sind 1,5 × 12 = 18 Halbtöne. Beide Hersteller kommen also auf dieselbe Zahl, und es bleiben 88 − 18 = 70 Tasten mit nachgebildetem Dämpfer.

Die zweite Erbschaft ist die Stimmung. Roland schreibt, die Töne eines Pianos seien im oberen Bereich etwas höher und im unteren etwas niedriger gestimmt als normal. Das gängige Verfahren heiße „Stretched Tuning“, auf Deutsch Spreizung, und sei keine Fehlfunktion. Wer das Instrument mit einem Stimmgerät prüft, findet in den Außenlagen also Abweichungen, die gewollt sind.

Die dritte sind Obertöne. Kawai schreibt, ein Konzertflügel erzeuge eine große Vielfalt an Resonanzen, deshalb könnten in einigen Bereichen starke Obertöne zu hören sein, und das sei normal.

Alle drei Eigenheiten haben mit dem Klavier zu tun, das nachgebildet wird, nicht mit dem Gerät. Was ein akustisches Klavier an Stimmen und Klima braucht, steht im Ratgeber zu den Stimm- und Klimafragen eines akustischen Klaviers. Eine Anzeige unter den 36 beschreibt Töne, die „seit ca. einem Jahr komisch verzogen“ klängen. Eine Veränderung über die Zeit ist keine Spreizung, die von Anfang an da ist.

Das Pedal reagiert falsch oder gar nicht

Für das Pedal nennen die drei Handbücher zwei Ursachen, und keine davon ist ein Schaden.

Die erste ist das Kabel. Yamaha verlangt, den Stecker des Pedalkabels vollständig in die Buchse TO PEDAL zu stecken, Roland fragt, ob das Pedal korrekt angeschlossen ist, und Kawai rät, das Kabel auch dann aus- und wieder einzustecken, wenn es angeschlossen scheint. Der Rat hat einen Grund: Ein Stecker kann stecken und trotzdem keinen sauberen Kontakt haben.

Die zweite ist der Zeitpunkt. Yamaha schreibt, wenn das rechte Pedal beim Einschalten getreten war, funktioniere es danach nicht wie erwartet. Das sei kein Defekt; man lasse das Pedal los und trete es erneut, dann setze sich seine Funktion zurück. Wer das Instrument mit dem Fuß auf dem Pedal einschaltet, etwa weil das Pedal unter der Bank liegt, erzeugt diesen Fehler jedes Mal neu.

Ein Pedal mit abgerissenem Kabel stand unter den Anzeigen, die nicht gezählt wurden, weil es nur ein Pedal war. Es ist der seltene Fall, in dem der Defekt sichtbar ist.

Zurück auf Werkseinstellung

Der Werksreset ist der letzte Schritt vor der Werkstatt, und er kostet etwas. Die drei Hersteller lösen ihn verschieden aus und löschen Verschiedenes.

Modell Handgriff was verloren geht
Yamaha YDP-105 C7, die höchste Taste, halten und einschalten gespeicherte Einstellungen: Metronom, Anschlag, Feinstimmung, Abschaltung, Bestätigungstöne, Lautstärkebegrenzung
Kawai ES120 FUNCTION halten, G♯7 drücken Einstellungen; aufgenommene Songs und Registrierungen bleiben
Roland FP-30X Function beim Einschalten halten, mindestens 3 Sekunden, dann bestätigen alle Einstellungen und der aufgenommene Song

Yamaha warnt, das Instrument während der Initialisierung nicht auszuschalten. Roland verlangt, es nach dem Vorgang aus- und nach kurzer Zeit wieder einzuschalten.

Der Werksreset hilft gegen alles, was eine Einstellung ist: eine vergessene Transponierung, eine abgeschaltete lokale Steuerung, eine Lautstärkebegrenzung. Gegen eine klemmende Taste hilft er nicht. Wer aufgenommene Stücke behalten will, sichert sie vorher; Roland weist außerdem darauf hin, dass bei einer Reparatur alle Anwenderdaten verloren gehen können.

Kondenswasser, Kälte und verschüttete Getränke

Yamaha nennt für das YDP-105 einen geprüften Betriebstemperaturbereich von 5 bis 40 Grad Celsius und warnt vor Orten mit direkter Sonne, neben Heizkörpern oder im Auto. Wichtiger für den Alltag ist ein zweiter Hinweis: Bei starken Änderungen von Temperatur oder Luftfeuchte könne sich Kondenswasser auf dem Instrument bilden. Werde es nicht sofort mit einem weichen Tuch abgewischt, nähmen die Holzteile es auf und könnten beschädigt werden.

Für den Transport im Winter heißt das: Kommt ein Instrument aus einem kalten Auto in eine warme Wohnung, ist das genau der Wechsel, den Yamaha beschreibt, und Wasser, das sich niederschlägt, gehört sofort abgewischt. Die geprüfte Spanne von 5 bis 40 Grad ist 35 Kelvin breit; ein Auto im Winter kann unter ihrem unteren Ende liegen.

Bei Flüssigkeit ist die Reihenfolge strenger. Pianohof rät, das Instrument sofort stromlos zu machen und nicht weiter einzuschalten; Chancen bestünden nur bei schneller Reaktion, und Reinigung und Begutachtung gehörten in die Werkstatt. Unter den 36 Anzeigen steht ein Korg C45, dessen beide Platinen nach Aussage einer Werkstatt durch eintretendes Wasser beschädigt sind. Es wird verschenkt.

Nach dem Umzug wieder aufbauen

Ein Möbelpiano ist nach einem Transport ein Bausatz, der sich gesetzt hat. Yamaha verlangt, das aufgebaute YDP-105 waagerecht und von mindestens zwei Personen zu tragen, ohne Stöße, und nach dem Wiederaufstellen die Prüfliste des Aufbaus erneut durchzugehen. Roland rät, regelmäßig zu prüfen, ob sich die Schrauben zwischen Instrument und Ständer gelockert haben, und vor jedem Transport Netzkabel und alle Kabel zu externen Geräten abzuziehen und den Notenständer abzunehmen.

Die Folgen eines ausgelassenen Schritts sind bekannt, und sie stehen in der Yamaha-Tabelle des Gehäuse-Vergleichs: Ein Gehäuse wackelt, weil Schrauben locker sind, eine Pedalleiste klappert, weil ihre Stütze den Boden nicht erreicht. Beides klingt nach Defekt und ist eine Frage des Schraubendrehers.

Auch die Unterlage zählt. Roland warnt, die Gummifüße könnten je nach Material und Oberflächentemperatur des Bodens Abdrücke hinterlassen, die sich nicht mehr entfernen lassen.

Wie viele Hände der Weg zur Werkstatt braucht

Ob eine Werkstatt erreichbar ist, hängt am Gewicht. Die drei Geräte der Auszählung liegen weit auseinander.

Modell Gewicht laut Hersteller Tragehinweis im Handbuch
Kawai ES120 12,5 kg keiner in den ausgewerteten Abschnitten
Roland FP-30X mit Notenständer 14,8 kg mehrere Personen oder eine Klaviertransport-Firma
Roland FP-30X mit Ständer KSC-70 und Pedaleinheit KPD-70 23,0 kg Schrauben zum Ständer festziehen, Kabel und Notenständer ab
Yamaha YDP-105 37,5 kg waagerecht, mindestens zwei Personen

Der Ständer mit Pedaleinheit macht beim FP-30X 23,0 − 14,8 = 8,2 Kilogramm aus. Beim YDP-105 verlangt Yamaha mindestens zwei Personen, also höchstens 37,5 ÷ 2 = 18,75 Kilogramm für jeden, bei einem Möbel von 1.357 Millimetern Breite, das waagerecht bleiben soll. Das Kawai wiegt ein Drittel davon: 12,5 ÷ 37,5 = 0,33. Bemerkenswert ist Roland: Schon für das FP-30X rät die Anleitung, das Instrument wegen seines Gewichts mit mehreren Personen zu transportieren oder eine Klaviertransport-Firma zu beauftragen.

Pianohof klärt bei großen Digitalpianos zuerst, ob sich eine Reparatur vor Ort durchführen lässt, und bittet dafür um ein Foto des ganzen Instruments mit Unterbau; der Zugang zur Mechanik unterscheide sich je nach Gehäuse deutlich. Kompakte Instrumente könnten nach Absprache eingeschickt werden. Für ein tragbares Gerät ist der Weg zur Werkstatt also eine Paketfrage, für ein Möbelpiano eine Terminfrage.

Reinigen nach Vorschrift von drei Herstellern

Die drei Handbücher sind sich einig, dass ein weiches Tuch genügt, und uneinig, wie feucht es sein darf.

Hersteller Tuch ausdrücklich ausgeschlossen Besonderheit
Yamaha weich, trocken oder leicht feucht Verdünner, Lösungsmittel, Alkohol, Flüssigreiniger, getränkte Reinigungstücher keine Gegenstände aus Vinyl, Kunststoff oder Gummi auf dem Instrument, sie können verfärben
Kawai weich und trocken Alkohol, Benzol, Verdünner, Chlorbleiche wiederholtes Wischen kann je nach Tuch verfärben; Pedale nicht mit Rostentferner, Schleifmittel oder Feile
Roland mildes Reinigungsmittel für Klaviaturen bei hartnäckigem Schmutz Aufkleber, Tinte erst leicht drücken, dann fester, ohne zu zerkratzen

Die Unterschiede sind klein, aber sie widersprechen sich. Wer ein Kawai nach der Yamaha-Regel leicht feucht abwischt, tut etwas, das Kawai nicht vorsieht. Wer ein Yamaha mit einem Klaviaturreiniger nach Roland-Art behandelt, nimmt ein Reinigungsmittel, wo Yamaha flüssige Pflegemittel ausschließt. Die Regel für den Alltag ist deshalb die des eigenen Handbuchs, und im Zweifel die strengste: trocken.

Alkohol schließen Yamaha und Kawai ausdrücklich aus. Das betrifft auch alkoholhaltige Desinfektionstücher.

Eine Reinigung von innen bietet Tastenexpress als eigene Leistung an, besonders bei älteren Geräten oder nach Jahren intensiver Nutzung. Der Besitzer reinigt also die Oberfläche, die Werkstatt den Staub im Gehäuse.

Die Tastatur nach zehn Jahren

Tastenexpress schreibt, auch Digitalpiano-Tastaturen verschlissen mit der Zeit, und empfiehlt wie bei akustischen Klavieren etwa alle zehn Jahre eine gründliche Überholung aller mechanischen Teile. Die Standardwartung umfasse die Neueinfettung und Justierung aller 88 Tasten mit Reinigung und koste 349 Euro einschließlich Material. Sie eigne sich für alle gewichteten Tastaturen und Tastaturen mit Hammermechanik.

Auf die Jahre gerechnet ist das ein Zehntel des Betrags je Jahr, auf die Tasten gerechnet 349 ÷ 88 = 3,97, also knapp 4 je Taste. Zwei Verkäufer unter den 36 nennen das Alter ihres Geräts: ein Korg SV-1, das zehn Jahre gute Dienste geleistet habe, und ein FAME SP-3, „ca. 12 Jahre alt“. Beide passen zu der Spanne, in der Tastenexpress eine Überholung ansetzt.

Für den Besitzer ergibt sich daraus eine Unterscheidung. Klappern, das langsam über Jahre zugenommen hat, ist Verschleiß und wird mit der ganzen Tastatur behandelt. Eine Taste, die plötzlich schweigt, ist ein Einzelfehler. Beide landen in der Werkstatt, aber mit verschiedenen Erwartungen an den Kostenvoranschlag.

Was Werkstätten für Diagnose und Reparatur verlangen

Zwei Berliner Werkstätten nennen auf ihren Seiten Beträge, und sie rechnen verschieden.

Pianohof nennt Richtwerte. Die meisten Werkstattreparaturen an Digitalpianos kosteten 190 Euro, mehr nur, wenn die Reparatur aufwendiger sei oder Ersatzteile brauche. Ein Elektronikversuch vor Ort koste 90 Euro für Anfahrt und Diagnose, die Anfahrt innerhalb Berlins je nach Bezirk 50 bis 90. Für mechanische Defekte wie eine klemmende Taste kalkuliere die Werkstatt in der Regel 190 plus Anfahrt. Die Angaben gälten für klar umrissene Fehlerbilder.

Tastenexpress trennt Diagnose und Reparatur. Die Diagnose koste pauschal 40 Euro, dauere je nach Auslastung zwei Tage bis eine Woche und werde auch fällig, wenn die Reparatur nicht machbar sei oder nicht gewünscht werde. Danach folge ein Kostenvoranschlag.

Für eine klemmende Taste mit Anfahrt in Berlin ergibt die Rechnung bei pianohof 190 + 50 = 240 bis 190 + 90 = 280 Euro. Wer das Instrument selbst bringt, bleibt beim Richtwert.

Was vorher zu klären ist

Pianohof führt Reparaturen als unabhängige Werkstatt aus und schreibt ausdrücklich, das sei kein Garantie- oder Herstellerservice. Innerhalb der Gewährleistung führt der Weg deshalb zuerst zum Händler, der nach § 439 BGB die Kosten der Nacherfüllung trägt. Außerhalb der Frist lohnt es sich, Fotos und ein Video mitzuschicken und Daten zu sichern, bevor das Gerät aus dem Haus geht.

Reparieren oder ersetzen, gerechnet

Pianohof gibt eine Regel vor, die sich rechnen lässt. Maßstab für die Wirtschaftlichkeit sei ein geeignetes neues Instrument mit vergleichbarer Ausstattung, nicht der Preis eines weiteren alten Gebrauchtgeräts, dessen Verschleiß und verborgene Fehler man am Kaufpreis nicht erkenne. Liege der Neupreis unter den Reparaturkosten, sei die Reparatur meist nicht wirtschaftlich; sei ein gleichwertiges Neugerät deutlich teurer, könne sie sich lohnen.

Zu den Reparaturkosten gehört eine zweite Zahl, der entgangene Erlös. Wer nicht repariert, kann das defekte Gerät verkaufen, und unter den 24 Anzeigen mit Preisangabe liegt der Median bei 70 Euro. Die Schwelle für eine Reparatur zum Richtwert von pianohof liegt damit bei 190 + 70 = 260. Kostet ein gleichwertiges neues Instrument deutlich mehr, spricht die Rechnung für die Reparatur.

Fehlerbild Ort des Fehlers Aufwand nach den Werkstätten Reparatur spricht dafür, wenn …
eine Taste klemmt oder klappert Mechanik Richtwert für mechanische Defekte das Gerät sonst in Ordnung ist
mehrere Tasten klappern nach Jahren Mechanik, Verschleiß Wartung aller 88 Tasten das Gerät noch Jahre spielen soll
eine Taste zu laut oder Ton hängt Erfassung Kontakte, Sensorleiste das Gerät sonst in Ordnung ist
kein Ton auf beiden Wegen Elektronik Diagnose, dann Kostenvoranschlag die Diagnose eine Baugruppe benennt
geht nicht an, Netzteil geprüft Elektronik Diagnose, Bauteile oder Platine Ersatzteile verfügbar sind
Wasserschaden an Platinen Elektronik unsicher, Erfolg nicht zusagbar selten

Die letzte Spalte ist eine Einordnung aus den Aussagen der Werkstätten, keine feste Grenze. Pianohof schreibt, einen erfolgreichen Abschluss könne die Werkstatt nicht in jedem Fall zusagen, und bei hochwertigen Stagepianos wie Nord Piano oder Nord Stage könne auch eine aufwendigere Reparatur sinnvoll sein. Für die Bühnengeräte dieses Bereichs gilt dieselbe Rechnung mit dem Neupreis des jeweiligen Modells.

Was ein Instrument mit Defekt noch wert ist

Die 36 Anzeigen zeigen, was Besitzer für ein defektes Gerät verlangen. 24 nennen einen Betrag, 4 verschenken das Instrument, 8 schreiben nur „Verhandlungsbasis“.

Die 24 Beträge reichen von 20 bis 320, ein Faktor von 16. Der Median liegt bei 70, und 20 der 24 Beträge, also 83 Prozent, liegen bei höchstens 100. Die beiden höchsten stehen bei einem Thomann DP 51 mit „kleinem Defekt“, bei dem einige Tasten hängende Töne geben, und bei einem E-Flügel ohne Fehlerbeschreibung. Ein Viertel der Anzeigen nennt das Gerät „Ersatzteilspender“ oder „Ersatzteillager“ oder bietet es als solches an, genau 9 von 36.

Diese Beträge sind Angebotspreise. Was am Ende gezahlt wird, zeigt keine Anzeige, und die Zahl ist eher eine Obergrenze als ein Erlös. Für die Entscheidung über eine Reparatur reicht sie trotzdem: Sie zeigt, dass ein defektes Digitalpiano in den meisten Fällen weniger einbringt als ein Werkstattbesuch kostet.

Mehrere Verkäufer schließen in ihrer Anzeige die Sachmängelhaftung aus, etwa „Privatverkauf unter Ausschluss jeglicher Sachmängelhaftung“. Auf einen solchen Ausschluss kann sich ein Verkäufer nach § 444 BGB nicht berufen, soweit er einen Mangel arglistig verschwiegen hat. Wer den Fehler in der Anzeige beschreibt, verschweigt ihn nicht.

Teile, die sich noch beschaffen lassen

Drei Wege zu Ersatzteilen zeigen sich in der Recherche.

Der Typ. Netzteile tragen eine Bezeichnung, und die Hersteller ordnen sie den Modellen zu: das PA-150 dem YDP-105, das PS-129 dem ES120, das PSB-7U dem FP-30X. Dasselbe gilt für Pedale und Ständer, die Roland für das FP-30X als KPD-70 und KSC-70 führt. Was eine Typbezeichnung hat, lässt sich nachkaufen.

Die Baugruppe. Pianohof schreibt, bei alten Hauptplatinen berücksichtige die Werkstatt Verfügbarkeit und Preis der Baugruppen sowie Reparaturen auf Bauteilebene. Eine Platine, die es nicht mehr gibt, ist also nicht das Ende, aber sie macht die Reparatur teurer und unsicherer.

Das Spendergerät. Neun der 36 Anzeigen bieten ein Gerät als Ersatzteilspender an, darunter ein Kawai CN34, dessen Besitzer einzelne Bauteile abgeben will, und ein Technics SX-PR602 mit defekter Hauptplatine, dessen Tastatur und Gehäuseteile erhalten sind. Ein Spendergerät desselben Modells kann für eine Tastatur die Quelle einer passenden Taste sein, wenn es das Teil einzeln nicht mehr gibt.

Pianohof führt 13 Marken, die die Werkstatt repariert, darunter Yamaha, Roland, Korg, Kawai, Casio, Nord, Kurzweil, Studiologic, Alesis und die Handelsmarke Thomann. Für die Tastatur ist der Name auf dem Gehäuse dabei weniger wichtig als die Mechanik darin; welche Mechanik in welchem Modell steckt, ordnet die Kaufberatung zu Bauformen und Begriffen zu.

Zwei Jahre Gewährleistung und was sie verlängert

In Deutschland verjähren die Ansprüche wegen eines Mangels an einer gekauften Sache nach § 438 BGB in zwei Jahren ab Ablieferung. Für Verbraucher, die bei einem Händler kaufen, gelten dazu Regeln, die das Prüfen einfacher machen.

Die Vermutung. Zeigt sich innerhalb eines Jahres ein Mangel, wird nach § 477 BGB vermutet, dass die Ware schon bei der Übergabe mangelhaft war. Im ersten Jahr muss also der Händler beweisen, dass der Fehler später entstand, im zweiten der Käufer, dass er schon da war.

Das Wahlrecht. Nach § 439 BGB wählt der Käufer zwischen der Beseitigung des Mangels und einer mangelfreien neuen Sache, und der Verkäufer trägt Transport-, Wege-, Arbeits- und Materialkosten. Vor der Nacherfüllung muss er nach § 475 Absatz 4 auf dieses Wahlrecht hinweisen.

Die Verlängerung. Wird durch Nachbesserung erfüllt, verlängert sich die ursprüngliche Verjährungsfrist nach § 475e Absatz 5 BGB einmalig um zwölf Monate. Aus 24 Monaten werden 24 + 12 = 36. Die Richtlinie (EU) 2024/1799, auf die das zurückgeht, wendet diese Regel auf Kaufverträge an, die nach dem 31. Juli 2026 geschlossen werden.

Die Hemmung. Zeigt sich ein Mangel innerhalb der Frist, verjährt der Anspruch nach § 475e Absatz 3 nicht vor Ablauf von vier Monaten nach dem ersten Auftreten; wird das Gerät zur Nacherfüllung abgegeben, nicht vor Ablauf von zwei Monaten nach der Rückgabe.

Gebrauchte Ware. Ein Händler darf die Frist bei gebrauchten Waren nach § 476 Absatz 2 verkürzen, aber nicht unter ein Jahr, und nur, wenn er eigens darauf hinweist und es ausdrücklich vereinbart wird.

Garantie ist etwas anderes

Eine Garantie gibt der Hersteller oder Händler freiwillig, zusätzlich zur gesetzlichen Mängelhaftung, nach § 443 BGB. Was in ihr stehen muss, legt § 479 fest: der Hinweis auf die gesetzlichen Rechte und dass diese nicht eingeschränkt werden, Name und Anschrift des Garantiegebers, das Verfahren, die Ware, Dauer und räumlicher Geltungsbereich. Wer eine Garantie in Anspruch nehmen will, liest diese Erklärung; wer Gewährleistung will, geht zum Händler. Beides schließt sich nicht aus.

Drei Rechtsordnungen im Vergleich

Im deutschsprachigen Raum gelten drei Gesetze, und sie unterscheiden sich an Stellen, die beim Defekt zählen.

Deutschland (BGB) Österreich (VGG) Schweiz (OR)
Frist 2 Jahre ab Ablieferung Mangel, der innerhalb von 2 Jahren nach Übergabe hervorkommt 2 Jahre ab Ablieferung
Verjährung mit der Frist, frühestens 4 Monate nach erstem Auftreten 3 Monate nach Fristende mit der Frist
Vermutung 1 Jahr 1 Jahr —
nach Nachbesserung +12 Monate +1 Jahr —
gebraucht vom Unternehmer mindestens 1 Jahr 1 Jahr, wenn einzeln ausgehandelt mindestens 1 Jahr
Abweichung durch Vertrag nicht zum Nachteil des Verbrauchers unwirksam, zwingendes Recht Aufhebung ungültig nur bei Arglist
Mängelanzeige — — sofort nach Entdeckung

Ein Strich heißt: In den ausgewerteten Vorschriften nicht geregelt.

Österreich zählt die Frist anders. Der Mangel muss nach § 10 VGG innerhalb von zwei Jahren hervorkommen, und die Rechte verjähren nach § 28 drei Monate danach. Ein Mangel aus dem 23. Monat lässt sich also bis zum 27. Monat geltend machen, 24 + 3 = 27. Eine Verbesserung verlängert die Frist einmal um ein Jahr. Seit 1. Jänner 2022 gilt das Gesetz, und Vereinbarungen zum Nachteil des Verbrauchers sind nach § 3 unwirksam.

Die Schweiz weicht am weitesten ab. Nach Artikel 210 OR verjähren die Klagen zwei Jahre nach der Ablieferung, seit 1. Januar 2013. Artikel 201 verlangt, die Sache zu prüfen, sobald es tunlich ist, und Mängel sofort anzuzeigen; Mängel, die erst später erkennbar werden, sofort nach der Entdeckung, sonst gilt die Sache als genehmigt. Artikel 205 gibt dem Käufer die Wahl zwischen Wandelung und Minderung, Artikel 206 bei vertretbaren Sachen auch Ersatz. Und Artikel 199 erklärt eine Vereinbarung, die die Gewährspflicht aufhebt oder beschränkt, nur dann für ungültig, wenn der Verkäufer den Mangel arglistig verschwiegen hat. Für die Verjährung setzt Artikel 210 beim Verbraucherkauf eine Untergrenze von zwei Jahren, bei gebrauchten Sachen von einem.

In einem Satz: Wer in der Schweiz kauft, meldet einen Defekt sofort und liest vorher, ob die Vertragsbedingungen die Gewährleistung beschränken.

Ein Recht auf Reparatur ohne Musikinstrumente

Seit dem 31. Juli 2026 wenden die Mitgliedstaaten die Richtlinie (EU) 2024/1799 an, die unter dem Namen „Recht auf Reparatur“ bekannt ist. Ihr Kern ist Artikel 5: Der Hersteller muss auf Verlangen eines Verbrauchers Waren reparieren, für die in den Rechtsakten des Anhangs II Anforderungen an die Reparierbarkeit festgelegt sind, unentgeltlich oder zu einem angemessenen Preis.

Anhang II nennt zehn Gruppen: Haushaltswaschmaschinen und Waschtrockner, Geschirrspüler, Kühlgeräte, elektronische Displays, Schweißgeräte, Staubsauger, Server und Datenspeicher, Mobiltelefone und Tablets, Wäschetrockner sowie Waren mit Batterien für leichte Verkehrsmittel. Musikinstrumente stehen nicht darin. Für ein E-Piano gibt es also keine Reparaturpflicht des Herstellers aus dieser Richtlinie.

Zwei andere Teile der Richtlinie gelten dagegen für alle Waren, auch für Digitalpianos. Die Verlängerung der Händlerhaftung um zwölf Monate nach einer Nachbesserung steht inzwischen im BGB, wie oben beschrieben. Und die Reparierbarkeit gehört nach der geänderten Warenkaufrichtlinie nun zu den Merkmalen, die eine Ware haben muss, wenn sie dem entsprechen soll, was bei Waren der gleichen Art üblich ist.

Was sich bis 2031 ändern kann

Die Richtlinie ist offen angelegt. Anhang II soll um weitere Rechtsakte ergänzt werden, sobald für weitere Produktgruppen Anforderungen an die Reparierbarkeit erlassen werden. Bis zum 31. Juli 2031 legt die Kommission einen Bericht über die Anwendung vor, in dem sie unter anderem prüft, ob Anreize wie eine längere gesetzliche Garantie wirken. Und eine europäische Online-Plattform soll Verbrauchern helfen, Reparaturbetriebe zu finden; nationale Plattformen werden über sie erreichbar, wenn sie bis zum 31. Juli 2027 betriebsbereit sind.

Für das Digitalpiano bedeutet das: Bis zum Bericht vergehen 2031 − 2026 = 5 Jahre, und bis dahin bleibt die Reparatur eine Sache zwischen Besitzer, Händler und Werkstatt.

Wie Handbücher und Anzeigen hier ausgezählt werden, steht im Vorgehen bei Handbuch-Auswertungen, jedes ausgewertete Dokument in der Liste aller ausgewerteten Dokumente, und was sich nachträglich als falsch erweist, in der Korrekturliste der Redaktion. Weitere Ratgeber stehen unter Instrumente und Zubehör im Bereich Musik, betreut von Matthias König, Redakteur für Tasteninstrumente.

Häufige Fragen

Warum kommt aus meinem E-Piano plötzlich kein Ton mehr?
Oft, weil ein Kopfhörer oder ein Adapterstecker in der Kopfhörerbuchse steckt; dann schalten Yamaha, Kawai und Roland die Lautsprecher stumm. Weitere Gründe aus den Handbüchern sind eine zu niedrige Lautstärke, eine aktive Lautstärkebegrenzung, ein auf „aus“ gestellter Lautsprecher und die lokale MIDI-Steuerung. Kawai nennt außerdem eine Schutzschaltung des Verstärkers, die sich mit einem Neustart zurücksetzt.
Warum schaltet sich mein E-Piano nach einiger Zeit aus?
Wegen der automatischen Abschaltung, nicht wegen eines Defekts. Das Yamaha YDP-105 schaltet nach etwa 30 Minuten ohne Bedienung ab, das Roland FP-30X ab Werk nach 240 Minuten, beim Kawai ES120 lassen sich 15, 60 oder 120 Minuten wählen oder die Funktion abschalten. Geht ein Gerät dagegen mitten im Spiel aus, ist das ein Fall für die Werkstatt.
Darf ich an mein E-Piano ein anderes Netzteil anschließen?
Nur eines, das der Hersteller für das Modell vorsieht. Yamaha nennt für das YDP-105 das PA-150 mit 12 Volt und 1,5 Ampere und warnt, ein anderer Adapter könne Adapter und Instrument irreparabel beschädigen. Schon innerhalb einer Marke unterscheiden sich die Netzteile: Kawai führt Typen mit 12, 15 und 24 Volt, Roland mit 12 Volt bei 1,5 und bei 4 Ampere.
Wie viel kostet eine E-Piano-Reparatur in der Werkstatt?
Die Berliner Werkstatt pianohof nennt als Richtwert für die meisten Werkstattreparaturen an Digitalpianos 190 Euro, mehr, wenn Ersatzteile nötig sind; für einen Elektronikversuch vor Ort 90 Euro. Tastenexpress, ebenfalls in Berlin, berechnet für die Diagnose pauschal 40 Euro, auch wenn danach nicht repariert wird.
Wann lohnt sich die Reparatur eines Digitalpianos nicht mehr?
Wenn ein geeignetes neues Instrument mit vergleichbarer Ausstattung weniger kostet als die Reparatur, so die Werkstatt pianohof. Als Maßstab taugt nach ihr nicht der Preis eines anderen Gebrauchtgeräts, weil dessen Verschleiß und verborgene Fehler am Preis nicht zu erkennen sind.
Womit reinigt man die Tasten eines Digitalpianos?
Mit einem weichen Tuch. Yamaha erlaubt es trocken oder leicht feucht, Kawai nur trocken, Roland lässt für hartnäckigen Schmutz ein mildes Reinigungsmittel für Klaviaturen zu. Yamaha und Kawai schließen Alkohol und Verdünner ausdrücklich aus, Kawai zusätzlich Benzol und Chlorbleiche.
Wie lange gilt die Gewährleistung für ein neues E-Piano?
In Deutschland zwei Jahre ab Ablieferung. Zeigt sich ein Mangel im ersten Jahr, wird vermutet, dass er schon bei der Übergabe bestand. Wird nachgebessert, verlängert sich die Frist nach § 475e BGB einmalig um zwölf Monate. In Österreich gelten ebenfalls zwei Jahre und ein Jahr Vermutung, in der Schweiz zwei Jahre ab Ablieferung.
Gilt das neue Recht auf Reparatur auch für E-Pianos?
Die Reparaturpflicht des Herstellers aus der Richtlinie (EU) 2024/1799 gilt nur für die zehn Produktgruppen in ihrem Anhang II, darunter Waschmaschinen, Kühlgeräte und Smartphones, nicht für Musikinstrumente. Für alle Waren gilt dagegen die Verlängerung der Händlerhaftung um zwölf Monate, wenn nachgebessert wird.
Wie setzt man ein Digitalpiano auf Werkseinstellungen zurück?
Beim Yamaha YDP-105 hält man die höchste Taste C7 gedrückt und schaltet ein. Beim Kawai ES120 hält man FUNCTION und drückt G♯7. Beim Roland FP-30X hält man Function beim Einschalten mindestens drei Sekunden und bestätigt dann; dabei wird der aufgenommene Song gelöscht.
Warum klingen die obersten Tasten länger nach als die anderen?
Weil ein akustisches Klavier dort keine Dämpfer hat und das Digitalpiano das nachbildet. Kawai nennt beim ES120 die höchsten 18 Tasten, Roland beim FP-30X die oberen anderthalb Oktaven. Beide Hersteller schreiben ausdrücklich, das sei normal.
Was tun, wenn Flüssigkeit ins E-Piano gelaufen ist?
Sofort vom Strom trennen und nicht wieder einschalten, rät die Werkstatt pianohof; Reinigung und Begutachtung müssten in der Werkstatt erfolgen, und die Chancen bestünden nur bei schneller Reaktion. In einer der 36 ausgewerteten Anzeigen hatte Wasser beide Platinen beschädigt.
Wie lange hält die Tastatur eines E-Pianos?
Eine feste Zahl nennt kein Hersteller. Die Werkstatt Tastenexpress empfiehlt für Tastaturen mit Hammermechanik etwa alle zehn Jahre eine Überholung mit Neueinfettung und Justierung aller 88 Tasten, wie bei akustischen Klavieren.

Wer diesen Artikel verantwortet

Matthias König, Fachredaktion Audio und Studiotechnik

Matthias König

Fachredaktion Audio und Studiotechnik

Schreibt über Instrumente, DJ- und Studiotechnik.

Technik-Redakteur mit Schwerpunkt Consumer Electronics und Audio

Wie wir bewerten

Wir ordnen kriterienweise ein und vergeben keine Gesamtnote. Diese fünf Kriterien liegen jedem Vergleich zugrunde:

Eignung für den Zweck
Ob das Modell die Anforderung erfüllt, um die es im Artikel geht — Tragkraft, Beckengröße, Raumtiefe, Wurfgewicht. Der Wert, an dem eine Kaufentscheidung tatsächlich scheitert.
Belegte Spezifikationen
Wie viele der kaufentscheidenden Werte der Hersteller überhaupt beziffert — und ob sie sich mit unabhängigen Quellen decken. Ein Anbieter, der schweigt, wird nicht bessergestellt als einer, der offenlegt.
Verarbeitung und Haltbarkeit
Was Material, Konstruktion, Ersatzteilversorgung und dokumentierte Ausfallmuster über die zu erwartende Lebensdauer sagen.
Aufwand für Aufbau und Pflege
Was ein Produkt vor der ersten Nutzung verlangt und was danach regelmäßig anfällt — Montage, Anschluss, Reinigung, Wartungsintervalle.
Transparenz des Anbieters
Ob der Hersteller die Zahlen, an denen die Kaufentscheidung hängt, selbst veröffentlicht — und ob seine Angaben mit denen der Händlerdatenblätter übereinstimmen. Wer schweigt oder sich widerspricht, verliert hier.

Vollständige Methodik, inklusive dem, was wir nicht tun

Aktualisierung und Quellen
Veröffentlicht
26.10.2026
Aktualisiert
26.10.2026
Geprüft
26.10.2026
Quellen
10

Änderungsverlauf

  • 26.10.2026: Neu angelegt in der Vertiefung KW 44; Fehlertabellen von drei Herstellern und 36 Kleinanzeigen ausgezählt, zwei Werkstätten, BGB, VGG, OR und die Richtlinie (EU) 2024/1799 ausgewertet.

Belege

  1. Herstellerangabeca.yamaha.com
    Yamaha, YDP-105 Mode d'emploi (Bedienungsanleitung, französische Ausgabe)

    Belegt die Fehlertabelle mit sieben Zeilen, die Initialisierung über C7, die Abschaltung nach etwa 30 Minuten, die Lautstärkebegrenzung, das Netzteil PA-150 mit 12 V und 1,5 A, 6 W, 37,5 kg, 5 bis 40 °C, Kondenswasser, Reinigung und das Verbot, das Gerät zu zerlegen.

  2. Herstellerangabekawai.de
    Kawai, ES120 Bedienungsanleitung (deutsch)

    Belegt die Fehlersuche mit elf Zeilen, Auto Power Off mit 15, 60 und 120 Minuten, den Werksreset über FUNCTION und G♯7, die Schutzschaltung des Verstärkers, die Netzteiltabelle nach VO (EU) 2019/1782 mit PS-129, 9 W, 12,5 kg und die Reinigungshinweise.

  3. Herstellerangabestatic.roland.com
    Roland, FP-30X Bedienungsanleitung (deutsch)

    Belegt die Tabelle „Mögliche Fehlerursachen“ mit elf Zeilen, Auto Off nach 240 Minuten, den Factory Reset, 16 W, 4 W bei mittlerer Lautstärke und 3 W ohne Spielen, 14,8 und 23,0 kg, 30 cm Wandabstand, die Pflege der Tastatur und den möglichen Datenverlust bei Reparaturen.

  4. Herstellerangabestatic.roland.com
    Roland, AC Adaptor Information (Stand 15.07.2025)

    Belegt die Zuordnung der Netzteile zu den Modellen (PSB-5U, PSB-7U, PSB-14U), Ausgangswerte, Wirkungsgrad, Leerlaufaufnahme und die Hersteller der Netzteile.

  5. Herstellerangabepianohof.de
    PIANOHOF, E-Piano Reparatur Berlin

    Belegt die Richtwerte 190 Euro für die meisten Werkstattreparaturen, 90 Euro für einen Elektronikversuch vor Ort, Anfahrt 50 bis 90 Euro, die Trennung von Mechanik und Anschlagerfassung, das Fallbeispiel FP-1 und die Regeln zu Flüssigkeitsschaden und Wirtschaftlichkeit.

  6. Herstellerangabetastenexpress.de
    Tastenexpress, Reparaturleistungen

    Belegt typische Reparaturfälle, die Diagnosepauschale von 40 Euro, zwei Tage bis eine Woche Diagnosedauer und die Wartung aller 88 Tasten, empfohlen etwa alle zehn Jahre.

  7. Institution oder Normgesetze-im-internet.de
    Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), gesetze-im-internet.de

    Belegt §§ 438, 439, 443, 444, 475, 475e, 476, 477 und 479: zwei Jahre, Vermutung ein Jahr, Wahlrecht, Verlängerung um zwölf Monate nach Nachbesserung, Mindestfrist bei gebrauchten Waren und Inhalt einer Garantieerklärung.

  8. Institution oder Normeur-lex.europa.eu
    Richtlinie (EU) 2024/1799 über gemeinsame Vorschriften zur Förderung der Reparatur von Waren

    Belegt die Reparaturpflicht nach Artikel 5 nur für Waren aus Anhang II, die zehn Produktgruppen dort, die Änderung der Richtlinie (EU) 2019/771 um zwölf Monate, die Anwendung ab 31. Juli 2026 und den Bericht bis 31. Juli 2031.

  9. Institution oder Normris.bka.gv.at
    Verbrauchergewährleistungsgesetz (VGG), RIS, Fassung vom 26.10.2026

    Belegt für Österreich zwei Jahre, die Verlängerung um ein Jahr nach Verbesserung, die Vermutung von einem Jahr, die Verjährung drei Monate nach Fristablauf und das zwingende Recht.

  10. Institution oder Normfedlex.admin.ch
    Obligationenrecht (OR), Fedlex, Stand 1. Oktober 2026

    Belegt für die Schweiz Art. 199, 201, 205, 206 und 210: zwei Jahre ab Ablieferung, sofortige Mängelanzeige, Wandelung und Minderung, Grenzen für Ausschluss und Verkürzung.