E-Pianos·37 Min Lesezeit
E-Piano-Tastatur: was gewichtet, Hammer und Druckpunkt heißen
Jedes Wort, mit dem der Handel eine E-Piano-Tastatur beschreibt, stammt aus dem Klavierbau, und dort hat es eine Zahl: 47 Gramm Niederdruckschwere, 10 Millimeter Spieltiefe, 1:5 Übersetzung. Wo die Wörter herkommen, was sie im Digitalpiano noch bedeuten und wie sich das fehlende Gramm mit Münzen nachmessen lässt.
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Kurz gesagt
„Gewichtet“ heißt beim E-Piano, dass jede Taste über einen Hebel eine Masse bewegt, die den Widerstand eines Klaviers nachahmt; „Hammermechanik“, dass diese Masse ein Hammer ist. Beim akustischen Instrument hat das eine Zahl: Klavierbauer stellen eine Niederdruckschwere von meist 45 bis 50 Gramm ein, beim Steinway-Flügel 47. Keines von 54 erhobenen E-Piano-Angeboten nennt ein Gramm. „Druckpunkt“ oder Escapement ahmt den spürbaren Widerstand der Flügelauslösung nach, drei Sensoren erkennen schnelle Tonwiederholungen besser als zwei. Das Gewicht lässt sich im Laden mit 1-Cent-Stücken zu 2,30 Gramm selbst nachmessen.
Eine Klaviertaste ist ein Hebel. Sie liegt auf einem Balken, dreht sich um ihn wie eine Wippe, und wenn ein Finger das vordere Ende um 10 Millimeter niederdrückt, hebt das hintere Ende eine Mechanik, die einen Hammer um rund 50 Millimeter gegen eine Saite schleudert. Aus diesem einen Satz lassen sich fast alle Wörter herleiten, mit denen der Handel heute eine E-Piano-Tastatur beschreibt: gewichtet, Hammermechanik, graduiert, Druckpunkt, Escapement, Holztaste, Elfenbein. Jedes dieser Wörter bezeichnete im Klavierbau etwas Messbares, und im Klavierbau gibt es die Zahl dazu.
Im Digitalpiano ist die Saite verschwunden. Der Hebel ist geblieben, und mit ihm die Wörter. Die Zahl ist auf dem Weg verloren gegangen: Von 54 E-Piano-Angeboten, die für diesen Bereich am 19. Oktober 2026 auf amazon.de erhoben wurden, nennt keines ein Tastengewicht in Gramm. Dieser Ratgeber geht den umgekehrten Weg. Er nimmt jedes Wort, sucht seinen Ursprung in der Mechanik des akustischen Klaviers, holt dort die Zahl, die dazugehört, und zeigt, was davon im Digitalpiano noch übrig ist. Ein Modell empfiehlt er nicht.
Eine Wippe aus Holz, seit 1720
Das älteste erhaltene Hammerklavier steht im Metropolitan Museum of Art in New York. Bartolomeo Cristofori hat es 1720 in Florenz gebaut, und es hat 54 Tasten. Ein heutiges Klavier hat 88, also 34 mehr, das 1,63-fache. An der Grundidee hat sich in diesen 306 Jahren nichts geändert: Die Taste ist ein Hebel, der eine Bewegung des Fingers in eine schnellere, größere Bewegung des Hammers übersetzt.
J. Gedan beschreibt diese Grundidee in seinem Fachtext über das Spielwerk von Pianos und Flügeln in einem Satz: Die Taste funktioniert wie eine Wippe, sie ruht auf einem Waagebalken, und wenn sie vorn hinabgeht, geht sie hinten hinauf. Hinten sitzt auf einer Messingschraube, der Pilote, das Hebeglied, und auf dem Hebeglied ruht der Hammer. Drückt der Finger vorn, hebt die Pilote hinten das Hebeglied, das Hebeglied den Hammer, und der Hammer fliegt gegen die Saite.
Dass man überhaupt von einer gewichteten Taste sprechen kann, liegt an dieser Anordnung. Der Finger bewegt nicht nur das Holz der Taste, sondern über den Hebel auch Hebeglied, Hammer und, beim akustischen Instrument, den Dämpfer. Was der Finger als Widerstand spürt, ist die Summe dieser Massen, umgerechnet über die Hebelverhältnisse, und dazu die Reibung in den Achsen. Ein Digitalpiano, das sich wie ein Klavier anfühlen soll, muss diese Summe nachbauen, ohne Saite, ohne Dämpfer und meist ohne Holz. Wie gut das gelingt, ist die eigentliche Frage hinter jedem Wort in einem Angebot.
Zehn Millimeter vorn, fünfzig oben
Zwei Maße bestimmen den Hebel. Die Spieltiefe ist der Weg, den das vordere Tastenende nach unten geht. Die Steighöhe ist der Weg, den der Hammer bis zur Saite zurücklegt. Gedan nennt für die Steighöhe bei den meisten Instrumenten 47 bis 50 Millimeter und für die Spieltiefe 9 bis 11 Millimeter, abhängig von der Länge der Taste.
Aus beiden Zahlen ergibt sich das Übersetzungsverhältnis. Bei 47 Millimetern Steighöhe und 10 Millimetern Spieltiefe legt der Hammer das 4,7-fache des Tastenwegs zurück, bei 50 Millimetern und 9 Millimetern das 5,6-fache. Gedan fasst es als Übersetzung von etwa 1:5 zusammen. Der Hammer bewegt sich also rund fünfmal so weit und, weil beides in derselben Zeit geschieht, rund fünfmal so schnell wie die Fingerkuppe.
Warum die Spieltiefe nicht überall gleich ist
Gedan nennt für Pianos Spieltiefen von 9 bis 9,5 Millimetern, bei größeren bis zu 10, für Flügel 9,5 bis 10 Millimeter und für große Konzertflügel mehr. Die Spieltiefe hängt von der Tastenlänge ab, weil eine längere Taste andere Hebellängen und andere Gewichtsverhältnisse hat. Beim Flügel kann der Regulierer die Steighöhe verändern, und 2 Millimeter weniger Steighöhe bedeuten nach Gedan etwa 0,5 Millimeter weniger Spieltiefe. Am Rand der Einstellung steht also ein Verhältnis von 4 zu 1, nicht von 5 zu 1, weil sich mit der Pilote auch die Geometrie ändert.
Die Spieltiefe ist die eine Zahl, die der Spieler unmittelbar wahrnimmt, und sie ist zugleich die, die im Digitalpiano-Datenblatt nicht vorkommt. Darauf kommt dieser Ratgeber noch zurück.
Wo der Finger trifft, ändert sich der Hebel
Ein Übersetzungsverhältnis setzt einen festen Angriffspunkt voraus. Den gibt es an einer Klaviertaste nicht. Gedan weist darauf hin, dass der vordere Hebel der Taste im Grunde nicht genau bestimmbar ist, weil er davon abhängt, wo der Finger angreift: Wer weit hinten spielt, findet andere Hebelverhältnisse vor als an der Vorderkante.
Die Hebelregel macht das rechenbar. Am Hebel gilt Kraft mal Kraftarm gleich Last mal Lastarm. Wird die Taste vorn an der Kante gedrückt, ist der Kraftarm am längsten und die nötige Kraft am kleinsten. Rückt der Finger auf drei Viertel dieses Abstands zum Waagebalken heran, braucht er für dieselbe Last das 4/3-fache, also 1,33-mal so viel Kraft. Bei halbem Abstand ist es das Doppelte. Bei schwarzen Tasten, die weiter hinten gespielt werden, und bei Akkorden, in denen Finger zwischen die schwarzen Tasten greifen, ist das der Alltag.
Gerechnet mit den 47 Gramm, die Gedan für den Steinway-Flügel an der Vorderkante nennt, sieht das so aus. Die Rechnung ist statisch und vereinfacht, sie lässt Reibung und Trägheit weg, aber sie zeigt die Größenordnung.
| Angriffspunkt, Anteil des vorderen Hebels | Kraftfaktor | nötige Last statt 47 g |
|---|---|---|
| an der Vorderkante, 100 % | 1,00 | 47,0 g |
| 90 % | 1,11 | 52,2 g |
| 80 % | 1,25 | 58,8 g |
| 75 % | 1,33 | 62,7 g |
| 50 % | 2,00 | 94,0 g |
Schon ein Fünftel des Hebels weiter hinten verlangt 11,8 Gramm mehr, ein Viertel 15,7 Gramm mehr. Das ist mehr als die ganze Spanne von 45 bis 50 Gramm, die Gedan als gebräuchlich nennt.
Was eine lange Taste ändert
Je länger die Taste vor dem Waagebalken ist, desto weniger fällt der Unterschied zwischen vorn und hinten ins Gewicht, weil ein Zentimeter Verschiebung dann einen kleineren Anteil des Kraftarms ausmacht. Kawai wirbt beim CA701 genau damit: Die Tastenlänge der Grand-Feel-III-Tastatur, gemessen von der Tastenvorderkante bis zum Waagebalkenstift, sei länger als bei jeder anderen Digitalpiano-Tastatur. Eine Zahl in Millimetern nennt Kawai dafür nicht. Das Argument ist mechanisch richtig, sein Umfang bleibt offen.
Für den Kauf heißt das: Eine Taste, die vorn angenehm ist und hinten zwischen den schwarzen Tasten deutlich schwerer wird, hat einen kurzen Hebel. Das lässt sich am Ausstellungsgerät in Sekunden prüfen, indem man dieselbe Taste einmal an der Kante und einmal kurz vor den schwarzen Tasten langsam niederdrückt. Datenblätter sagen dazu nichts.
Der Hebel arbeitet übrigens auch gegen das Instrument selbst. Ein Kind, das sich an einem Instrument auf einem Ständer hochzieht, setzt denselben Hebel am ganzen Gerät an statt an einer Taste; wie wenig Zug ein schmales Möbel zum Kippen braucht, zeigt die Rechnung zum Zug am oberen Rand eines schmalen Möbels.
Siebenmal das Hammergewicht
Hinter dem Waagebalken setzt sich die Übersetzung fort. Gedan beschreibt die Hebelverhältnisse der Flügelmechanik so, dass der lange Hebel des Hammers etwa siebenmal so groß ist wie der kurze. Das Hammergewicht wirkt dadurch mit seinem siebenfachen Wert auf das Hebeglied. Jedes Gramm am Hammerkopf lastet also mit sieben Gramm auf der Stelle, an der das Hebeglied den Hammer anhebt.
Gedan nennt eine hörbare Folge: Zwischen Hammerrolle und Hebeglied tritt Reibung auf, und bei abgenutzten, verschmutzten oder ungenau zusammengesetzten Instrumenten knarrt es, wenn man die Taste langsam bewegt. An der Pilote, wo Taste und Hebeglied sich berühren, tritt nach seiner Beschreibung der größte Druck auf, weil sich die Hebel dort noch einmal verstärken.
Was das für ein Digitalpiano bedeutet
Diese Zahl erklärt, warum ein Digitalpiano mit Hammermechanik nicht einfach ein Gewicht an die Taste klebt. Ein Gramm am Ende eines langen Hebels fühlt sich anders an als sieben Gramm am Drehpunkt, auch wenn beide statisch gleich viel Kraft verlangen: Die Masse am langen Hebel muss beim Anschlag stärker beschleunigt werden, und das spürt der Finger als Trägheit, nicht als Gewicht.
Genau diese Trägheit ist es, die eine gefederte Taste nicht hat. Eine Feder liefert Widerstand, aber keine Masse, die nach dem Anschlag weiterfliegt. Die Hersteller beschreiben das unterschiedlich deutlich. Casio schreibt zum PX-S5000, die Tastenmechanik nutze wie bei einem akustischen Flügel das Gewicht der Hämmer. Roland schreibt in seinen Fragen und Antworten zum Digitalpiano, eine Hammermechanik-Tastatur verwende echte Hämmer, die beim Anschlag nach oben springen. Wie schwer diese Hämmer sind und an welchem Hebelarm sie sitzen, steht bei keinem der beiden.
Ein Hammer ohne Saite
Im akustischen Klavier hat der Hammer eine Aufgabe, die das ganze Instrument trägt: Er schlägt die Saite an und prallt sofort zurück, damit sie frei schwingen kann. Im Digitalpiano gibt es keine Saite. Der Hammer schlägt gegen keine Saite, und den Ton erzeugt ein Klangspeicher oder ein Rechenmodell. Wozu also ein Hammer?
Die Antwort steckt in der Herleitung oben. Der Hammer ist im Digitalpiano keine Klangquelle, sondern eine Masse am Hebel. Er gibt der Taste die Trägheit, die der Finger vom Klavier kennt, und er macht den Anschlag so schwer, wie er beim Klavier ist, weil dort ebenfalls ein Hammer bewegt wird. Das Wort „Hammermechanik“ in einem Angebot heißt also: Unter der Taste sitzt eine bewegte Masse, die einen Hammer nachbildet. Es heißt nicht, dass die Masse so groß ist wie beim Klavier, und nicht, dass sie am selben Hebelarm sitzt.
Was die Sensoren messen
Weil der Hammer keinen Ton erzeugt, muss etwas anderes erkennen, wie die Taste gedrückt wurde. Das übernehmen Sensoren, die die Bewegung der Taste erfassen, und aus dieser Bewegung bestimmt die Elektronik, wie laut der Ton klingt. Ein schneller Anschlag klingt laut, ein langsamer leise. Das ist die Anschlagdynamik, und sie ist von der Gewichtung unabhängig.
Hier liegt der Kern aller Missverständnisse um die Tastatur. Das Gewicht bestimmt, wie viel Kraft der Finger aufbringen muss, um eine bestimmte Geschwindigkeit zu erreichen. Die Sensoren und die Anschlagkurve bestimmen, welche Lautstärke aus dieser Geschwindigkeit wird. Zwei Tastaturen mit gleichem Gewicht können verschieden laut klingen, und zwei Tastaturen mit verschiedenem Gewicht gleich laut. Wer im Laden nur hört, wie laut ein Anschlag klingt, prüft die Elektronik, nicht die Mechanik.
47 Gramm bei Steinway
Für das akustische Klavier gibt es eine Zahl, die das Spielgewicht beschreibt. Klavierbauer nennen sie Niederdruckschwere. Gedan erklärt, wie sie gemessen wird: Auf das vordere Tastenende werden Gewichte gelegt, bis sich die Taste zu bewegen beginnt. Gemessen wird bei getretenem rechten Pedal, weil dann der Fuß die Dämpfer anhebt und deren Gewicht nicht mehr auf der Taste lastet.
Gebräuchliche Werte liegen nach Gedan zwischen 45 und 50 Gramm, beim Steinway-Flügel bei 47 Gramm, bei großen Konzertflügeln auch darüber. Die Zahl ist klein. 47 Gramm sind ungefähr das Gewicht von fünfeinhalb 2-Euro-Stücken zu je 8,50 Gramm, genau 46,75 Gramm.
Das Aufgewicht, die zweite Zahl
Gedan hält die Niederdruckschwere allein für wenig aussagekräftig. Entscheidend sei, wie lebendig die Taste wieder hochkommt. Dafür gibt es eine zweite Zahl, das Aufgewicht: das Gewicht, bei dem die niedergedrückte Taste gerade noch zurückkehrt. Im Idealfall läge es nur ein Gramm unter der Niederdruckschwere, in der Wirklichkeit liegt es wegen der Reibung deutlich darunter. Als tragbar nennt Gedan 20 Gramm.
Als Faustregel gibt er an, dass das Aufgewicht etwa 45 Prozent der Niederdruckschwere betragen sollte, bei neuen Instrumenten fast 50 Prozent, mit einer unteren Grenze bei 40 Prozent. Für einen Flügel mit 47 Gramm Niederdruckschwere sind das 0,45 × 47 = 21,2 Gramm Aufgewicht, für 45 Gramm 20,3 Gramm und für 50 Gramm 22,5 Gramm. Bei 50 Gramm und der unteren Grenze von 40 Prozent sind es genau die 20 Gramm, die Gedan als noch tragbar nennt.
Das Verhältnis beider Werte bestimmt nach Gedan, wie gut ein Instrument repetiert, also wie schnell derselbe Ton wiederholt werden kann. Eine Taste, die träge hochkommt, zwingt den Finger, sich aktiv zu heben. Für ein Digitalpiano gilt dieselbe Physik, und auch hier nennt kein Angebot eine der beiden Zahlen.
Blei in der Vordertaste
Wie kommt ein Klavier auf genau 47 Gramm? Die Hämmer werden zum Bass hin stetig schwerer, und jede Taste hat kleine Unregelmäßigkeiten. Gedan beschreibt den Ausgleich: Man legt eine bestimmte Niederdruckschwere fest und gleicht alle Tasten danach aus, indem man seitlich Löcher in die Tasten bohrt und Bleistöpsel einsetzt. Das Ausbleien sei bei jedem Hersteller selbstverständlich, nichts Besonderes, auch wenn fast jeder damit werbe.
Beim Flügel und beim Klavier sitzt das Blei an verschiedenen Stellen. Die waagerecht liegenden Flügelhämmer lasten mit deutlich höherem Gewicht auf der Taste als die senkrecht stehenden Hämmer des Klaviers. Der Flügel hat darum eine hohe Niederdruckschwere, die mit Blei in der Vordertaste ausgeglichen wird. Das Klavier hat zu wenig Aufgewicht und wird in der Hintertaste ausgebleit.
Gewichte vorn im Digitalpiano
Kawai übernimmt das Prinzip des Flügels ausdrücklich. Beim CA701 sind nach Kawais Beschreibung im vorderen Bereich jeder Taste Gewichte eingearbeitet, für eine bessere Balance zwischen kräftigem Fortissimo und kontrolliertem Pianissimo. Das ist dieselbe Stelle, an der der Klavierbauer beim Flügel das Blei setzt.
Gedan erklärt auch, warum man die Spielschwere nicht beliebig verringern kann. Wer mehr Blei in die Vordertaste setzt, um die Taste leichter zu machen, verringert zugleich das Aufgewicht, und die Taste kommt träger zurück. Erhöhen ist unproblematischer als verringern. Für ein Digitalpiano, das keine Dämpfer und keine Saiten hat, gilt dieselbe Abwägung zwischen leichtem Niederdrücken und lebendigem Zurückkommen, nur dass der Hersteller sie einmal im Werk trifft und kein Klavierbauer sie später nachstellt.
Schwer im Bass, gleich auf der Waage
„Graded“ steht in vielen Mechaniknamen: Graded Hammer Standard bei Yamaha, „graduiert gewichtete Hämmer“ bei Kawai, „abgestufte Gewichtung“ in Angeboten. Gemeint ist, dass die Tasten im Bass schwerer sind als im Diskant. Von den 54 erhobenen Angeboten erwähnen 15 eine solche Abstufung, das sind 27,8 Prozent, und 14 davon stammen von Yamaha, Roland, Kawai, Casio oder Korg.
Die Herkunft liegt wieder im Klavier. Die Hämmer werden nach Gedan zum Bass hin stetig schwerer. Aber hier steckt eine Feinheit, die in keinem Angebot steht: Der Klavierbauer gleicht die statische Niederdruckschwere mit Blei auf einen festen Wert aus, gerade weil die Hämmer verschieden schwer sind. Auf der Waage, also mit Gewichten auf dem vorderen Tastenende, ist eine gut regulierte Bass-Taste nicht schwerer als eine im Diskant.
Was dann schwerer ist
Was bleibt, ist die Masse. Ein schwerer Hammer am langen Hebel muss beim Anschlag stärker beschleunigt werden als ein leichter, auch wenn beide statisch mit derselben Kraft niedergedrückt werden. Der Unterschied liegt im Anschlag, nicht in der Ruhe. Ein Digitalpiano mit abgestufter Gewichtung ahmt also im besten Fall diesen Unterschied der Trägheit nach; im einfachsten Fall macht es die Bass-Tasten statisch schwerer, was ein reguliertes Klavier gerade nicht ist.
Welche der beiden Varianten ein Hersteller baut, sagt kein Datenblatt. Yamaha beschreibt die GHS-Tasten des YDP-S36 so, dass sie über alle Register hinweg ein natürliches Spielgefühl vermitteln, „von satten, schweren Bässen bis hin zu brillanten, hellen Höhen“. Das ist eine Beschreibung des Klangs, nicht der Taste. Eine Zahl, um wie viel Gramm die tiefste Taste schwerer ist als die höchste, nennt weder Yamaha noch einer der anderen Hersteller.
Der Druckpunkt, den der Flügel nicht wollte
Kein Wort in den Angeboten hat eine merkwürdigere Geschichte als der Druckpunkt, auf Englisch Escapement. Escapement heißt Auslösung, und die Auslösung ist im Klavier eine Notwendigkeit. Gedan erklärt, warum: Würde das Hebeglied den Hammer bis an die Saite drücken, gäbe die Saite nur ein ersticktes Klopfen von sich, weil sie nicht schwingen kann, solange der Hammer sie berührt. Der Hammer muss den Kontakt zum Hebeglied kurz vor der Saite verlieren und den letzten Weg frei fliegen.
Gelöst wird das mit dem Stößer, einem drehbaren Teil auf dem Hebeglied. Kurz vor dem Ziel prallt seine Nase gegen eine feste Auslösepuppe, und der Stößer dreht sich unter dem Hammer weg. Beim Klavier, wo der Hammer fast senkrecht steht und nahezu im Gleichgewicht schwebt, ist das kaum zu spüren. Beim Flügel, wo der Hammer waagerecht auf dem Stößer liegt und sein Gewicht über die Hebel vervielfacht wird, entsteht beim Herausgleiten deutliche Reibung.
50 bis 120 Gramm im unteren Drittel
Diese Reibung spürt der Spieler als Druckpunkt. Gedan beziffert den Mehrbedarf an Kraft beim Flügel mit 50 bis 120 Gramm, und er setzt im unteren Drittel des Tastenwegs plötzlich ein. Zu den 47 Gramm statischer Niederdruckschwere kommen dort also kurzzeitig 50 bis 120 Gramm hinzu, zusammen 97 bis 167 Gramm, das 2,06- bis 3,55-fache. Der Druckpunkt macht im Moment der Auslösung also 51,5 bis 71,9 Prozent der Kraft aus, die der Finger aufbringt. Gedan nennt das ausdrücklich einen Nachteil: Sehr leise Töne können beim Flügel versagen, wenn der Spieler der Taste im Moment der Auslösung nicht genug Schwung gibt.
Das Digitalpiano baut diesen Nachteil heute absichtlich nach. Roland beschreibt die PHA-4 Standard des FP-60X so, dass sie die Hammermechanik und den Druckpunkt eines hochwertigen akustischen Instruments vermittle, bis zum sanften Klick beim Herunterdrücken. Kawai nennt beim CA701 eine Druckpunktsimulation, die für Kontrolle im Pianissimo sorge. Was im Flügel eine Begleiterscheinung der Physik war, ist im Digitalpiano ein Ausstattungsmerkmal geworden, und es soll den Spieler auf genau das vorbereiten, was ihn am Flügel erwartet. Von den 54 erhobenen Angeboten nennen 3 ein Escapement oder einen Druckpunkt, das sind 5,6 Prozent.
Érard 1821 und der dritte Sensor
Die zweite große Erfindung der Klaviermechanik betrifft die Wiederholung. Beim Klavier muss die Taste nach Gedan erst vollständig in die Ruhelage zurückkehren, bevor sie wieder anschlagbereit ist. 1821 baute Sébastien Érard eine Mechanik, die das überflüssig machte: die doppelte Auslösung oder Repetitionsmechanik. Ein zusätzlicher Repetierschenkel fängt den Hammer nach dem Anschlag auf und hält ihn so, dass der Stößer schon wieder unter ihn gleiten kann, bevor die Taste oben ist. Der Ton lässt sich aus jeder beliebigen Tastenstellung erneut anschlagen.
Gedan zitiert Heinrich Welcker, der Érards Konstruktion 1867 in seinem Buch „Der Clavierbau“ als „Machwerk“ abtat. Durchgesetzt hat sie sich trotzdem, wenn auch nach fast 100 Jahren: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es nach Gedan noch mehrere Bauweisen, heute nur noch Érards. Ihr Vorzug war die fast uneingeschränkte Repetitionsfähigkeit, ihr Nachteil eine größere Spielschwere, die man bald als Gewinn an Ausdruck empfand.
Was die Sensoren davon übernehmen
Im Digitalpiano gibt es keinen Repetierschenkel. Die Frage, wie schnell ein Ton wiederholt werden kann, beantworten dort die Sensoren, und die Hersteller werben mit ihrer Zahl. Wie genau sie den dritten Kontakt auswerten, beschreiben sie in den hier gelesenen Texten nicht; sie nennen das Ergebnis.
Roland formuliert das beim FP-40 als Vergleich: Die Dreifach-Sensor-Technologie ermögliche eine schnelle und präzise Tonwiederholung bei Trillern und eine bessere Ansprache als Doppel-Sensor-Systeme, die in vielen anderen Instrumenten eingesetzt würden. Kawai nennt im Datenblatt des CA701 die Zahl der Sensoren als eigene Zeile: 3. Im Handel ist die Angabe selten. Von 54 Angeboten nennen 2 die Sensorzahl, das sind 3,7 Prozent, beide mit drei Sensoren. Der Gedanke ist derselbe wie 1821, nur elektronisch gelöst: Der Ton soll wiederkommen können, bevor die Taste ganz oben ist.
Gefedert, halbgewichtet, gewichtet
Bevor ein Hammer im Spiel ist, gibt es zwei einfachere Bauarten, und Roland unterscheidet in seinen Fragen und Antworten zum Digitalpiano alle drei. Keyboards und Synthesizer haben eine gefederte Tastatur: Unter jeder Taste sorgt eine Feder dafür, dass sie in die Ausgangslage zurückkehrt. Digitalpianos im Einsteigerbereich verfolgen ein ähnliches Konzept, fügen jeder Taste aber ein zusätzliches Gewicht hinzu; das nennt Roland halbgewichtet. Eine Hammermechanik schließlich verwendet Hämmer, die beim Anschlag nach oben springen.
Roland fügt zwei Sätze hinzu, die für den Kauf mehr wert sind als jede Definition. Halbgewichtete Tastaturen würden von manchen Spielern bevorzugt, die regelmäßig zwischen Synthesizer und Piano wechseln. Und im Glossar steht unter Hammermechanik-Tastatur der Rat, den Händler nach einer genauen Definition des Begriffs „gewichtet“ zu fragen, da sie sich unterscheiden könne. Ein Hersteller schreibt also selbst, dass das Wort keine feste Bedeutung hat.
Was zwischen den Stufen liegt
Die drei Stufen sind keine Skala mit festen Abständen. Eine halbgewichtete Taste kann schwerer sein als eine gewichtete, wenn deren Hammer leicht ist; eine gefederte Taste kann statisch mehr Kraft verlangen als eine halbgewichtete, wenn die Feder stark ist. Der Unterschied liegt nicht im Gewicht allein, sondern in der bewegten Masse und damit in der Trägheit, die nach der Herleitung oben den Charakter einer Klaviertaste ausmacht.
Für Klavierunterricht ist das die Grenze, die zählt: Eine Feder hat keine Trägheit, ein Gewicht direkt an der Taste wenig, ein Hammer am Hebel am meisten. Welche Bauart ein Angebot meint, lässt sich am Wort nicht immer ablesen, wie die Auszählung im nächsten Abschnitt zeigt.
Neunmal vollgewichtet, nie bei den großen Marken
Die 54 Angebote, die für diesen Bereich erhoben wurden, sprechen zwei Sprachen. 26 stammen von den fünf großen Herstellern Yamaha, Roland, Kawai, Casio und Korg, 28 von anderen Anbietern.
| Angabe im Angebot | fünf große (26) | andere (28) | zusammen (54) |
|---|---|---|---|
| eigener Mechanikname | 20 | 1 | 21 |
| „vollgewichtet“ | 0 | 9 | 9 |
| „halbgewichtet“ oder „semi-weighted“ | 0 | 2 | 2 |
| Wort „Hammermechanik“ oder Hammer-Bezeichnung | 20 | 17 | 37 |
| abgestufte Gewichtung erwähnt | 14 | 1 | 15 |
| Sensorzahl | 2 | 0 | 2 |
| Tastengewicht in Gramm | 0 | 0 | 0 |
Das Wort „vollgewichtet“ steht in 9 Angeboten, 16,7 Prozent, und keines davon stammt von einer der fünf großen Marken. Diese schreiben stattdessen einen eigenen Mechaniknamen, 20 von 26. Unter den 28 anderen Angeboten trägt nur eines einen Mechaniknamen, „Hammer Action II“ bei Donner. Wer eine Tastatur „vollgewichtet“ nennt, verwendet ein Wort, das der Klavierbau nicht kennt; es gibt dort keine halbe oder volle Niederdruckschwere, nur eine gemessene.
Was die Auszählung nicht zeigt
Die Auszählung erfasst Wörter, nicht Tastaturen. Ein Mechanikname sagt mehr als „vollgewichtet“, weil er sich beim Hersteller nachschlagen lässt, aber er sagt nicht mehr über das Gewicht. Und die beiden Angebote mit Sensorzahl stammen von Roland und Kawai, also von Herstellern, die mit der Zahl werben. Wie die Angebote gezählt und gegengelesen werden, beschreibt die Seite dazu, wie Angebote ausgezählt werden. Für die fünf Tastaturen des Einsteigervergleichs steht die Gegenüberstellung unter fünf Einsteigertastaturen nebeneinander.
Anschlagdynamik ist kein Gewicht
Anschlagdynamik und Gewichtung werden im Handel ständig verwechselt, und Roland grenzt sie in seinem Glossar ausdrücklich ab: Eine Tastatur mit Anschlagsempfindlichkeit müsse nicht zwingend gewichtete Tasten haben, es gehe darum, auf die Krafteinwirkung des Spielers zu reagieren. Anschlagdynamik beschreibt die Elektronik, Gewichtung die Mechanik.
Die meisten Digitalpianos lassen die Anschlagdynamik einstellen, über sogenannte Anschlagkurven. Kawai nennt für das CA701 zehn Kurven: Light 1 bis 4, Normal, Heavy 1 bis 4 und Off für konstante Lautstärke, zusammen 4 + 1 + 4 + 1 = 10. „Heavy“ heißt hier nicht, dass die Taste schwerer wird. Es heißt, dass man fester anschlagen muss, um dieselbe Lautstärke zu erreichen. Die Taste selbst bleibt, wie sie ist.
Wo das Angebot die Wörter tauscht
Im Angebot des Korg D1 auf amazon.de steht unter den Merkmalen: „Einstellbare Anschlagstärke der Tastatur: 5 Stufen von leicht bis gewichtet“. Das ist eine Anschlagkurve, die als Gewichtung beschrieben wird. Korg selbst nennt im Datenblatt nüchtern „Anschlagoptionen: 5 Typen“ und die Tastatur RH3, und das Gewicht der Taste ändert keine dieser fünf Einstellungen.
Die Verwechslung hat Folgen für den Kauf. Wer eine Tastatur im Laden zu leicht findet und die Kurve auf „Heavy“ stellt, hat danach eine Taste, die genauso leicht niedergeht, aber leiser klingt. Wer sich daran gewöhnt, schlägt fester an, und am akustischen Klavier im Unterricht klingt derselbe Anschlag plötzlich zu laut. Die Kurve ist ein Werkzeug, um das Instrument an den Raum und die Kopfhörer anzupassen, nicht an die Hand.
Was in einem Mechaniknamen steckt
Die Namen, die die großen Hersteller ihren Tastaturen geben, sind aus wenigen Bausteinen zusammengesetzt, und fast jeder Baustein stammt aus der Herleitung oben. Zerlegt man sie, wird sichtbar, was ein Name behauptet und was nicht.
| Name | Hersteller | Bestandteile |
|---|---|---|
| GHS, Graded Hammer Standard | Yamaha | abgestuft, Hammer, Grundausführung |
| GHC, Graded Hammer Compact | Yamaha | abgestuft, Hammer, kompakte Bauform |
| PHA-4 Standard | Roland | Progressive Hammer Action, Fassung 4, Grundausführung |
| RH3, Real Weighted Hammer Action 3 | Korg | gewichtet, Hammer, Fassung 3 |
| Smart Hybrid Hammer Action | Casio | Hammer, Hybrid aus Holz und Kunststoff |
| Grand Feel III | Kawai | Flügelgefühl, Fassung III |
„Graded“ heißt abgestuft, vom Bass zum Diskant; „Progressive“ lässt sich ebenso lesen, Roland erklärt den Bestandteil in den hier gelesenen Texten aber nicht. „Hammer“ meint eine bewegte Masse am Hebel. „Standard“ und „Compact“ sind Ausführungen innerhalb einer Familie; Roland führt neben PHA-4 Standard auch PHA-4 Premium und PHA-4 Concert. Die Ziffern zählen Fassungen: Bei Roland folgte PHA-4 auf PHA III, bei Kawai Grand Feel III auf Grand Feel II. Kein Bestandteil eines Namens ist eine Maßangabe.
Wenn der Name fehlt
Bei den Anbietern außerhalb der fünf großen fehlt meist selbst der Name. Wie weit das gehen kann, zeigt Donners eigene Modelltabelle: Für zwölf Modelle stehen dort sieben verschiedene Begriffe für die Tastatur, von „Leichtgewichtete Tastatur“ bis „Progressive Hammermechanik“, ausgewertet im Vergleich der Möbelpianos unter sieben Wörter für zwölf Donner-Modelle. Ein Name, der sich beim Hersteller nachschlagen lässt, ist besser als ein Adjektiv, aber auch ein Name ersetzt die Zahl nicht. Dass ein Name sogar zwei sehr verschiedene Geräte verbinden kann, zeigt Korgs RH3, die im Stage-Piano-Vergleich als RH3 in zwei Preisklassen auftaucht.
Holz, Fichte, Kunststoff
Die Tasten eines akustischen Klaviers sind aus Holz, und das Holz trägt die Bleistöpsel, die Garnierung und die Stifte, mit denen die Taste auf dem Waagebalken geführt wird. In Digitalpianos sind die meisten Tasten aus Kunststoff. Holz kommt in zwei Formen vor, und beide stehen in den Herstellertexten.
Kawai fertigt beim CA701 nach eigener Beschreibung alle 88 schwarzen und weißen Tasten komplett aus langen Holzteilen, die sich wie bei einem Flügel auf einem Waagebalken bewegen. Das ist die Konstruktion des akustischen Instruments, übertragen auf ein Digitalpiano, und sie erklärt Kawais Argument mit der Tastenlänge: Eine Holztaste auf einem Waagebalken kann so lang sein wie die eines Flügels, weil sie wie diese gebaut ist.
Casio geht beim PX-S5000 einen Mittelweg. Die weißen Tasten sind nach Casio eine Hybridkonstruktion aus Kunststoff und Fichtenholz, mit echtem Fichtenholzfurnier, das beim Spielen von der Seite sichtbar ist. Die schwarzen Tasten nennt Casio dabei nicht, und wie viel Holz in einer weißen Taste steckt, ebenfalls nicht.
Was Holz in der Wohnung bedeutet
Holz reagiert auf Feuchtigkeit, und die Hersteller schreiben das in ihre Bedienungsanleitungen. Yamaha warnt in der Anleitung des YDP-105 davor, dass sich bei großen Temperatur- oder Feuchteänderungen Kondenswasser auf dem Instrument bilden kann; bleibt es stehen, können Holzteile es aufnehmen und Schaden nehmen. Als Betriebstemperatur nennt Yamaha 5 bis 40 Grad Celsius.
Für den Kauf heißt das nicht, dass Kunststoff besser ist. Es heißt, dass eine Holztastatur dieselbe Aufmerksamkeit für den Standort verdient wie ein Möbel aus Holz: nicht vor das Fenster, nicht neben die Heizung, nicht dorthin, wo morgens die Sonne steht. Und es heißt, dass „Holztastatur“ nichts über das Gewicht sagt. Eine Holztaste kann leichter sein als eine aus Kunststoff mit eingelegtem Gewicht.
Elfenbein, das keines ist
Die Namen der Tastenoberflächen erinnern an zwei Werkstoffe, Elfenbein und Ebenholz, und im Digitalpiano ist davon nur der Name geblieben. Roland nennt die Oberfläche der PHA-4 Standard „Ivory Feel“, Kawai die der Grand Feel III „Ebony&Ivory Touch“. Die Kirstein-Hausmarke Classic Cantabile schreibt beim DP-50 von synthetischem Elfenbein. Yamaha beschreibt die GHS-Tastatur des YDP-S36 mit mattschwarzen Tasten.
Kawai sagt, wozu die Oberfläche dient: Die elfenbeinartigen Beläge gäben dem Spieler durch eine griffige Oberfläche mehr Sicherheit und Spielkontrolle. Gemeint ist, dass ein Finger auf einer matten, leicht rauen Fläche weniger rutscht als auf glattem, glänzendem Kunststoff, besonders bei warmen Händen und langem Spiel. Einen Messwert dafür nennt Kawai nicht.
Was sich daran prüfen lässt
Eine Zahl für Griffigkeit nennt kein Hersteller, und eine Norm dafür gibt es im Handel nicht. Prüfen lässt sie sich mit der Hand: Ein schnelles Glissando über die weißen Tasten zeigt, ob der Finger gleitet oder hängen bleibt, und eine lange Übungsstunde zeigt, ob die Oberfläche bei feuchten Fingern glatt wird.
Für die Mechanik ist die Oberfläche unerheblich. Ivory Feel ändert weder das Gewicht noch den Hebel, und eine Tastatur mit Elfenbeinoberfläche kann federleicht sein. Wer im Angebot „Elfenbein“ liest, erfährt etwas über das Gefühl unter der Fingerkuppe, nicht über den Widerstand darunter.
Neun bis elf Millimeter, die niemand angibt
Die Spieltiefe ist die Zahl, die der Spieler am unmittelbarsten wahrnimmt. Ein Millimeter mehr oder weniger fühlt sich an wie eine andere Tastatur. Beim akustischen Klavier liegt sie nach Gedan zwischen 9 und 11 Millimetern, bei Pianos meist bei 9 bis 9,5, bei Flügeln bei 9,5 bis 10. Zwischen kleinem Piano und großem Flügel liegen also rund 1 bis 2 Millimeter, das sind 10 bis 20 Prozent der Spieltiefe. Ein einziger Millimeter macht bei 9 Millimetern Spieltiefe 11,1 Prozent aus, und die 0,5 Millimeter, um die ein Regulierer beim Flügel nach Gedan die Spieltiefe über die Steighöhe verändern kann, sind bei 10 Millimetern 5 Prozent.
In den Digitalpiano-Datenblättern, die für diesen Bereich gelesen wurden, steht die Spieltiefe bei keinem Modell. Kawai nennt beim CA701 Tastenmaterial, Oberfläche, Druckpunktsimulation, Sensorzahl und Anschlagkurven, aber keine Spieltiefe. Roland nennt Mechaniknamen und Oberfläche. Yamaha nennt den Mechaniknamen. Casio nennt Mechaniknamen und Werkstoff.
Wie sich die Spieltiefe trotzdem einschätzen lässt
Ohne Zahl bleibt der Vergleich mit einem bekannten Instrument. Wer am Klavier der Musikschule unterrichtet wird, kennt dessen Spieltiefe mit den Fingern, auch ohne die Zahl. Am Ausstellungsgerät lässt sich prüfen, ob die Taste spürbar früher oder später auf den Anschlag trifft. Ein Lineal, das quer über die Tasten gelegt wird, zeigt beim Niederdrücken einer Taste, wie tief sie unter die Nachbartasten sinkt; die Ablesung ist grob, aber sie zeigt einen Unterschied von einem Millimeter.
Für Spieler, die zwischen zwei Instrumenten wechseln, ist das die wichtigste Prüfung überhaupt. Eine Spieltiefe, die zu Hause einen Millimeter flacher ist als im Unterricht, verändert die Art, wie der Finger den Ton formt, und das bemerkt eher die Lehrerin als der Schüler.
Die Landkarte der fehlenden Gramm
Fasst man zusammen, was im Klavierbau gemessen wird und was davon im Digitalpiano-Handel steht, ergibt sich eine Karte mit großen weißen Flecken.
| Größe | im Klavierbau | in 54 Angeboten | in Herstellerdatenblättern |
|---|---|---|---|
| Niederdruckschwere | 45 bis 50 g, Steinway 47 g | 0 | nicht genannt |
| Aufgewicht | etwa 45 % davon | 0 | nicht genannt |
| Spieltiefe | 9 bis 11 mm | 0 | nicht genannt |
| Steighöhe | 47 bis 50 mm | 0 | nicht genannt |
| Mehrkraft am Druckpunkt | 50 bis 120 g beim Flügel | 0 | nicht genannt |
| Tastenlänge | abhängig vom Instrument | 0 | Kawai: „länger als jede andere“, ohne Zahl |
| Sensorzahl | entfällt | 2 | Roland, Kawai: 3 |
| Mechanikname | entfällt | 21 | alle fünf großen |
Die Karte zeigt ein Muster: Was im Klavierbau eine Zahl ist, ist im Digitalpiano-Handel ein Wort oder gar nichts. Was im Digitalpiano eine Zahl ist, die Sensorzahl, gibt es im Klavier nicht. Zwischen den beiden Welten gibt es keine gemeinsame Messgröße.
Was der Käufer statt der Zahl tun kann
Drei Wege bleiben. Erstens das Gramm selbst messen, mit Münzen, wie es weiter unten beschrieben ist. Zweitens die Tastatur mit einem bekannten akustischen Instrument vergleichen, möglichst dem, auf dem Unterricht stattfindet. Drittens Namen statt Adjektive verlangen: Ein Mechanikname lässt sich beim Hersteller nachschlagen und mit anderen Modellen derselben Familie vergleichen, „vollgewichtet“ nicht.
Wo auf diesen Seiten eine Angabe später berichtigt werden muss, steht das unter den Berichtigungen nach Veröffentlichung, und die Fundstellen aller Zahlen dieses Ratgebers stehen mit denen der Nachbarartikel bei den Fundstellen dieses Bereichs.
Vier Widersprüche in den Angeboten
Wo Wörter die Zahl ersetzen, widersprechen sie sich leicht. Vier Fälle aus der Erhebung zeigen, wie.
Widerspruch 1: anschlagdynamisch im Titel, gewichtet im Feld. Das FunKey DP-1088 SM heißt im Angebotstitel „88 anschlagdynamische Keyboard-Tasten“, im Datenfeld „Besondere Merkmale“ stehen „Gewichtete Tasten“. Anschlagdynamisch ist jede Digitalpianotastatur; ob sie gewichtet ist, sagt der Titel nicht und das Feld ohne Erklärung.
Widerspruch 2: Anschlagkurve als Gewicht. Beim Korg D1 heißt es „5 Stufen von leicht bis gewichtet“. Korgs Datenblatt nennt fünf Anschlagoptionen. Das Gewicht der Taste ändert sich bei keiner.
Widerspruch 3: halbgewichtet im Shop, nichts im Angebot. Donner führt das DDP-60 im eigenen Shop als „Halbgewichtet Digital Piano“. Im Angebot auf amazon.de steht nur „anschlagdynamisch“, kein Wort zur Gewichtung. Dieselbe Tastatur erscheint je nach Verkaufsort mit oder ohne Gewichtsangabe.
Widerspruch 4: einer, der keiner war. Die erste maschinelle Auszählung hatte das Angebot von UISCOM als widersprüchlich markiert, weil darin „halbgewichtet“ und „vollgewichtet“ vorkommen. Beim Nachlesen stellte sich heraus: „vollgewichtet“ steht dort nur als Vergleich, die Tastatur sei leichter als eine vollgewichtete. Das Angebot ist in sich stimmig. Der Fall zeigt, dass jede Zählung über Freitext am einzelnen Treffer nachgelesen werden muss, und er ist in der Recherchedatei als Korrektur vermerkt.
Zwanzig Jahre neue Namen
Die Mechaniknamen ändern sich schneller als die Mechanik, und manchmal ist es umgekehrt. Drei Linien zeigen, wie sich die Angebotslage verschoben hat.
Bei Yamahas tragbaren Einstiegsmodellen trug das P-45 die GHS, Graded Hammer Standard. Sein Nachfolger P-145 trägt die GHC, Graded Hammer Compact. Der Name sagt, dass die Bauform kompakter geworden ist; er sagt nicht, ob sich das Gewicht geändert hat.
Bei Yamahas Möbelpianos ist es umgekehrt. Das YDP-164, das die Stiftung Warentest 2021 untersuchte, hatte die GH3. Das Nachfolgemodell YDP-166 ist nach Yamahas Datenblättern in Maßen, Gewicht, Verstärker und Leistungsaufnahme gleich, aber die Tastatur heißt GrandTouch-E und hat ein Escapement. Hier hat sich der Name geändert, weil sich die Tastatur geändert hat, und das Gehäuse ist geblieben.
Bei Roland lässt sich die Linie an den Bezeichnungen verfolgen: Ältere Modelle wie das DP-90S trugen die PHA III, Progressive Hammer Action III, mit Druckpunkt und einer Tri-Sensor-Technik; heute heißt die Familie PHA-4 in den Ausführungen Standard, Premium und Concert, und das FP-40 wirbt mit Dreifach-Sensor-Technik gegenüber Doppel-Sensor-Systemen.
Was die Zeitreise zeigt
In zwei der drei Linien ist der Druckpunkt hinzugekommen oder geblieben: beim YDP-166 neu, bei Roland von der PHA III bis zur PHA-4, die heute auch im tragbaren FP-40 steckt. Beim P-145 nennt der Name GHC keinen. Das Gramm ist dabei auf keiner Stufe aufgetaucht. Die Hersteller haben Funktionen hinzugefügt, die sich benennen lassen, und die eine Zahl ausgelassen, die sich messen ließe.
Drei Hände, drei Tastaturen
Welche Tastatur passt, hängt weniger vom Instrument ab als davon, wer es spielt und wo diese Person außerdem spielt. Drei Lagen zeigen, wie verschieden die Antwort ausfällt.
Die Neunjährige mit Klavierunterricht
Sie hat einmal in der Woche Unterricht an einem Klavier der Musikschule und übt zu Hause. Für sie zählt, dass die Taste zu Hause dieselbe Trägheit hat wie im Unterricht, sonst übt sie eine Bewegung, die im Unterricht nicht funktioniert. Eine Hammermechanik ist hier die Untergrenze, eine gefederte oder halbgewichtete Tastatur übt die falsche Kraft. Ob Druckpunkt oder drei Sensoren, ist zweitrangig: Am Klavier der Musikschule ist der Druckpunkt nach Gedan ohnehin kaum spürbar, weil er eine Eigenheit des Flügels ist.
Der Wiedereinsteiger mit Flügel im Gemeindehaus
Er hat als Kind gespielt, spielt jetzt sonntags auf dem Flügel im Gemeindehaus und übt unter der Woche in der Wohnung. Für ihn zählen genau die Dinge, die der Flügel hat und das Klavier nicht: der Druckpunkt im unteren Drittel des Tastenwegs, die schnelle Repetition, das Gewicht in der Vordertaste. Eine Tastatur mit Escapement und drei Sensoren bereitet ihn auf den Flügel vor, eine ohne nicht.
Die Keyboarderin der Coverband
Sie spielt auf der Bühne Orgel- und Synthesizer-Klänge auf einer gefederten Tastatur und will zu Hause Klavier üben. Für sie ist die halbgewichtete Tastatur kein Kompromiss, sondern nach Roland die Bauart, die manche Spieler bevorzugen, die regelmäßig zwischen Synthesizer und Piano wechseln. Wer beides spielt, gewöhnt sich leichter zwischen zwei Tastaturen ein, die nicht zu weit auseinanderliegen.
Drei Hände, drei richtige Antworten, und keine davon steht im Angebot. Für die passenden Geräte in jeder Bauform verweist die Kaufberatung für alle Bauformen auf die drei Vergleiche.
Üben am E-Piano, Unterricht am Flügel
Ein Sonderfall verdient einen eigenen Abschnitt, weil er häufig ist und die Herleitung oben vollständig braucht: Wer zu Hause an einem Digitalpiano übt und an einem Flügel spielt, wechselt zwischen zwei Mechaniken, die sich in drei messbaren Punkten unterscheiden.
Der erste ist die Niederdruckschwere. Am Flügel liegt sie bei 45 bis 50 Gramm, beim Digitalpiano ist sie unbekannt, bis man sie misst. Der zweite ist der Druckpunkt. Am Flügel kommen nach Gedan im unteren Drittel des Wegs 50 bis 120 Gramm hinzu, und genau dort versagen leise Töne, wenn der Spieler der Taste nicht genug Schwung gibt. Ein Digitalpiano ohne Druckpunkt übt diesen Moment nicht. Der dritte ist die Repetition: Die Flügelmechanik erlaubt seit Érard die Wiederholung aus der halb gehobenen Taste, und ein Digitalpiano mit zwei Sensoren kann das nur eingeschränkt nachbilden.
Was sich daraus ableiten lässt
Wer am Flügel spielt, braucht zu Hause eine Tastatur, die diese drei Punkte wenigstens andeutet: ein messbares Gewicht im Bereich des Flügels, einen Druckpunkt und drei Sensoren. Wer am Klavier spielt, braucht den Druckpunkt nicht, weil das Klavier ihn kaum hat, und für den sind Gewicht und Spieltiefe wichtiger. Der Unterschied zwischen Klavier und Flügel, den Gedan an Hammerlage und Auslösung festmacht, setzt sich damit bis in die Auswahl eines Digitalpianos fort.
Für die Lehrkraft lohnt eine Frage, die selten gestellt wird: Auf welchem Instrument findet der Unterricht statt? Die Antwort entscheidet über die Tastatur zu Hause mehr als jede Angabe im Prospekt.
Fünf Missverständnisse über die Tastatur
Aus der Herleitung ergeben sich fünf verbreitete Annahmen, die sich im Klavierbau nicht halten.
Missverständnis 1: Gewichtet heißt schwer. Gewichtet heißt, dass eine Masse bewegt wird. Wie schwer die Taste ist, sagt das Wort nicht, und Roland rät selbst, den Händler nach der Definition zu fragen.
Missverständnis 2: Im Bass müssen die Tasten auf der Waage schwerer sein. Beim regulierten Klavier sind sie es gerade nicht. Der Klavierbauer gleicht die statische Niederdruckschwere aller Tasten mit Blei auf einen festen Wert aus. Schwerer ist im Bass die bewegte Masse, nicht das statische Gewicht.
Missverständnis 3: Der Druckpunkt ist ein Qualitätsmerkmal des Klaviers. Er ist eine Eigenheit des Flügels, beim Klavier kaum spürbar, und Gedan beschreibt ihn als Nachteil, weil leise Töne an ihm scheitern können. Im Digitalpiano ist er sinnvoll, wenn der Spieler auf einen Flügel vorbereitet werden soll.
Missverständnis 4: Eine harte Anschlagkurve macht die Taste schwerer. Sie macht den Ton bei gleicher Kraft leiser. Die Taste geht genauso leicht nieder wie vorher.
Missverständnis 5: Holztasten sind schwerer. Holz sagt etwas über die Bauweise, nicht über das Gewicht. Wie schwer eine Taste ist, hängt an Hammer, Hebel und eingelegten Gewichten, und eine Holztaste kann leichter sein als eine aus Kunststoff mit eingelegtem Gewicht. Was Kawai mit Holz gewinnt, ist die Länge des Hebels, nicht die Masse.
Die Münzprobe im Laden
Das Gramm, das kein Angebot nennt, lässt sich messen, und Gedan beschreibt, wie es ohne Werkstatt geht. In Ermangelung professioneller Tastengewichte könne man Münzen benutzen, am besten 1-Cent-Stücke, weil sie fein abgestuft sind. Er nennt die offiziellen Gewichte: 1 Cent 2,30 g, 2 Cent 3,06 g, 5 Cent 3,92 g, 10 Cent 4,10 g, 20 Cent 5,74 g, 50 Cent 7,80 g, 1 Euro 7,50 g und 2 Euro 8,50 g.
Schritt 1: Niederdruckschwere. 1-Cent-Stücke einzeln auf das vordere Ende einer weißen Taste stapeln, bis die Taste zu sinken beginnt. Bei 20 Münzen liegen 46,0 Gramm auf der Taste, bei 21 Münzen 48,3 Gramm. Ein Flügel mit 47 Gramm sänke also zwischen der 20. und der 21. Münze, rechnerisch bei 20,4. Für 45 Gramm wären es 19,6 Münzen, für 50 Gramm 21,7.
Schritt 2: Aufgewicht. Die Taste mit dem Stapel ganz niederdrücken und Münzen abnehmen, bis sie von selbst wieder hochkommt. Nach Gedans Faustregel sollte das Aufgewicht 40 bis 50 Prozent der Niederdruckschwere betragen. Sinkt die Taste bei 21 Münzen, also 48,3 Gramm, sollte sie nach dieser Regel schon mit 9 Münzen wieder hochkommen, 20,7 Gramm oder 42,9 Prozent; bei einem neuen Instrument mit fast 50 Prozent sogar mit 10 Münzen, 23,0 Gramm.
Die folgende Tafel rechnet die Münzzahl in Gramm um und nennt für jede Niederdruckschwere das Aufgewicht, das nach Gedans Faustregel zu erwarten ist: 40 Prozent als untere Grenze, 45 Prozent als Richtwert, 50 Prozent bei neuen Instrumenten.
| 1-Cent-Stücke bis zum Sinken | Niederdruckschwere | Aufgewicht 40 % | 45 % | 50 % |
|---|---|---|---|---|
| 18 | 41,4 g | 16,6 g | 18,6 g | 20,7 g |
| 19 | 43,7 g | 17,5 g | 19,7 g | 21,8 g |
| 20 | 46,0 g | 18,4 g | 20,7 g | 23,0 g |
| 21 | 48,3 g | 19,3 g | 21,7 g | 24,1 g |
| 22 | 50,6 g | 20,2 g | 22,8 g | 25,3 g |
| 23 | 52,9 g | 21,2 g | 23,8 g | 26,4 g |
Die Tafel deckt die Spanne von 45 bis 50 Gramm ab, die Gedan für Klaviere und Flügel nennt, und reicht ein Stück darüber hinaus. Liegt ein Digitalpiano deutlich außerhalb, ist das kein Fehler, aber ein Unterschied zum akustischen Instrument, den der Finger beim Wechsel spürt.
Schritt 3: Bass und Diskant. Dieselbe Messung an einer tiefen und einer hohen Taste wiederholen. Ein Unterschied zeigt, dass die Abstufung statisch gebaut ist, nicht nur über die Masse.
Schritt 4: vorne und hinten. Den Stapel einmal an der Kante und einmal kurz vor den schwarzen Tasten auflegen. Wie viele Münzen hinten mehr nötig sind, zeigt die Länge des Hebels.
Was die Probe im Digitalpiano bedeutet
Beim akustischen Klavier misst Gedan bei getretenem rechten Pedal, damit die Dämpfer nicht mitwiegen. Ein Digitalpiano hat keine Dämpfer, das Pedal spielt hier also keine Rolle. Die Probe dauert pro Taste etwa eine Minute, und sie braucht die Erlaubnis des Händlers, Münzen auf das Ausstellungsgerät zu legen. Dafür liefert sie die einzige Zahl, die man über eine Digitalpiano-Tastatur selbst in die Hand bekommen kann.
Was am Ausstellungsgerät auffällt
Die Münzprobe misst statisch. Vieles, was eine Tastatur ausmacht, zeigt sich erst beim Spielen. Die folgende Übersicht ordnet Beobachtungen am Ausstellungsgerät den Teilen der Mechanik zu, aus denen sie nach der Herleitung oben kommen.
| Beobachtung | was dahintersteckt | wie man es prüft |
|---|---|---|
| Taste kommt träge hoch | Aufgewicht zu klein im Verhältnis zur Niederdruckschwere | Münzprobe Schritt 2 |
| schnelle Wiederholung desselben Tons stockt | Repetition, Zahl der Sensoren | Triller mit zwei Fingern, langsam bis schnell |
| sehr leise Töne fallen aus | Druckpunkt oder Anschlagkurve | zuerst Kurve auf Normal, dann erneut |
| Ton zu laut bei leichtem Anschlag | Anschlagkurve, nicht Gewicht | Kurve auf Heavy, Taste bleibt gleich leicht |
| Taste hinten deutlich schwerer als vorn | kurzer Hebel vor dem Waagebalken | Münzprobe Schritt 4 |
| Bass statisch schwerer als Diskant | Abstufung über statisches Gewicht | Münzprobe Schritt 3 |
| Finger rutscht bei warmen Händen | glatte Oberfläche | Glissando, längeres Spiel |
| Taste knarrt oder klappert beim langsamen Drücken | Reibung oder Spiel in der Mechanik | Taste in Zeitlupe niederdrücken |
| Tastenoberflächen liegen nicht in einer Ebene | Fertigung oder Transport | Blick über die Tasten im Streiflicht |
Für die letzte Zeile hilft Licht, das flach über die Tasten fällt. Dass flach einfallendes Licht jede Unebenheit nachzeichnet, zeigt der Ratgeber zur Lichtrichtung an verputzten Wänden, mit Licht, das von der Seite kommt. Im Laden genügt oft die Taschenlampe eines Telefons, flach über die Tasten gehalten.
Keine dieser Beobachtungen ersetzt eine Zahl. Aber jede lässt sich einer Ursache zuordnen, und mit der Ursache wird aus dem unbestimmten Eindruck „fühlt sich irgendwie anders an“ eine Frage, die man dem Händler stellen kann.
Tuch statt Alkohol
Eine Tastatur wird mit den Fingern gespielt, und Finger hinterlassen Spuren. Die Hersteller sind beim Reinigen zurückhaltend, und Yamaha schreibt in der Bedienungsanleitung des YDP-105 genau, was gilt.
Gereinigt wird mit einem weichen, trockenen oder leicht feuchten Tuch. Ausgeschlossen sind Verdünner, Lösungsmittel, Alkohol, flüssige Pflegemittel und Reinigungstücher, die mit Chemikalien getränkt sind. Vor dem Reinigen soll der Netzstecker gezogen werden. Gegenstände aus Vinyl, Kunststoff oder Gummi sollen nicht auf dem Instrument liegen, weil sie es verfärben können, und Tasten und Bedienelemente sollen nicht zu grob behandelt werden.
Desinfizieren in der Musikschule
Yamaha nennt keinen Grund für den Ausschluss von Alkohol, schließt ihn aber ausdrücklich aus. Für eine Musikschule, in der viele Hände dieselbe Tastatur spielen, ist das eine echte Einschränkung. Wer Tasten desinfizieren möchte, fragt beim Hersteller nach, welches Mittel für die jeweilige Oberfläche freigegeben ist, und hält sich bis dahin an das, was die Anleitung erlaubt: ein leicht feuchtes Tuch und Händewaschen vor dem Spielen.
Bei Holztasten kommt Yamahas Hinweis zum Kondenswasser hinzu: Feuchtigkeit, die auf der Oberfläche stehen bleibt, kann ins Holz ziehen. Ein leicht feuchtes Tuch ist erlaubt, ein nasses nicht, und die Tasten werden danach trocken nachgewischt.
Zum Schluss der Weg zurück zum Anfang. Die Tastatur ist das Teil eines E-Pianos, das am meisten über das Instrument entscheidet, und sie ist das Teil, über das die Angebote am wenigsten Messbares sagen. Die Wörter dafür stammen aus 306 Jahren Klavierbau, die Zahlen auch. Wer die Wörter auf ihre Herkunft zurückführt, kann im Laden die richtigen Fragen stellen und mit einer Handvoll Münzen die eine Antwort selbst messen, die kein Datenblatt gibt. Geschrieben hat diesen Ratgeber Matthias König, Audio und Studio, Teil der Übersicht Musikinstrumente.
Häufige Fragen
- Was bedeutet gewichtete Tastatur beim E-Piano?
- Jede Taste bewegt beim Niederdrücken eine zusätzliche Masse, meist einen Hammer an einem Hebel, damit sie sich schwerer anfühlt als eine gefederte Keyboardtaste. Eine Zahl dazu gibt es im Handel nicht; Roland empfiehlt selbst, den Händler nach der genauen Definition von „gewichtet“ zu fragen, weil sie sich unterscheiden kann.
- Was ist der Unterschied zwischen gefederten, halbgewichteten und gewichteten Tasten?
- Gefederte Tasten kehren durch eine Feder zurück und haben kaum Masse. Halbgewichtete Tasten haben zusätzlich ein Gewicht je Taste. Gewichtete Tasten mit Hammermechanik bewegen einen Hammer über einen Hebel, wie es ein Klavier tut. So unterscheidet Roland die drei Bauarten.
- Was ist ein Druckpunkt bei der E-Piano-Tastatur?
- Ein kleiner, spürbarer Widerstand im unteren Teil des Tastenwegs, beim Flügel der Moment, in dem der Stößer unter der Hammerrolle herausgleitet. J. Gedan nennt in seinem Fachtext dafür beim Flügel 50 bis 120 Gramm Mehrkraft. Digitalpianos ahmen ihn als Escapement oder Druckpunktsimulation nach; Roland beschreibt ihn als sanften Klick.
- Wie schwer ist eine Klaviertaste?
- Gemessen wird die statische Niederdruckschwere mit Gewichten auf dem vorderen Tastenende, bei getretenem rechten Pedal. Gebräuchlich sind 45 bis 50 Gramm, beim Steinway-Flügel 47 Gramm, bei großen Konzertflügeln mehr. Das Aufgewicht, bei dem die Taste wieder hochkommt, sollte etwa 45 Prozent davon betragen.
- Was bedeutet Graded Hammer?
- Die Tasten sind im Bass schwerer und werden zum Diskant leichter, so wie die Hämmer eines Klaviers zum Bass hin schwerer werden. Beim akustischen Instrument gleicht der Klavierbauer die statische Niederdruckschwere trotzdem mit Blei aus. Wie stark die Abstufung im Digitalpiano ist, nennt kein Hersteller in Gramm.
- Sind drei Sensoren besser als zwei?
- Für schnelle Tonwiederholungen ja, nach Angabe der Hersteller. Roland schreibt beim FP-40, die Dreifach-Sensor-Technik ermögliche schnellere und präzisere Wiederholungen bei Trillern als Doppel-Sensor-Systeme. Von 54 erhobenen Angeboten nennen 2 die Sensorzahl.
- Haben E-Pianos Holztasten?
- Wenige. Kawai fertigt beim CA701 alle 88 Tasten aus langen Holzteilen, die wie beim Flügel auf einem Waagebalken liegen. Casio baut die weißen Tasten des PX-S5000 als Hybrid aus Kunststoff und Fichtenholz. Die meisten Tastaturen im Handel sind aus Kunststoff.
- Ist Anschlagdynamik dasselbe wie gewichtete Tasten?
- Nein. Anschlagdynamik heißt, dass ein schneller Anschlag lauter klingt als ein langsamer; das geht auch mit leichten, gefederten Tasten. Gewichtung beschreibt den Widerstand der Taste. Im Handel werden die Wörter trotzdem verwechselt, etwa wenn Anschlagkurven als Stufen „bis gewichtet“ beschrieben werden.
- Wie kann man das Tastengewicht beim E-Piano selbst messen?
- Mit Münzen auf dem vorderen Tastenende. Ein 1-Cent-Stück wiegt 2,30 Gramm; 20 Stück sind 46,0 Gramm, 21 Stück 48,3 Gramm. Man legt so lange nach, bis die Taste sinkt, und nimmt dann ab, bis sie wieder hochkommt. Das ergibt Niederdruckschwere und Aufgewicht, beides statisch.
- Wie reinigt man die Tasten eines E-Pianos?
- Yamaha nennt in der Bedienungsanleitung des YDP-105 ein weiches, trockenes oder leicht feuchtes Tuch und schließt Verdünner, Lösungsmittel, Alkohol und flüssige Reiniger aus. Vor dem Reinigen wird der Netzstecker gezogen, und Gegenstände aus Vinyl, Kunststoff oder Gummi sollen nicht auf dem Instrument liegen, weil sie es verfärben können.
- Steht das Tastengewicht im Datenblatt?
- In keinem der 54 erhobenen Angebote und in keinem der Herstellerdatenblätter, die für diesen Bereich gelesen wurden. Die Datenblätter nennen Mechaniknamen, Oberflächen, Sensorzahlen und Anschlagkurven, aber weder Niederdruckschwere noch Aufgewicht noch Spieltiefe.
- Was heißt Ivory Feel bei Klaviertasten?
- Eine Tastenoberfläche, die an Elfenbein erinnern soll, ohne welches zu enthalten. Roland nennt sie Ivory Feel, Kawai Ebony&Ivory Touch und beschreibt sie als griffige Oberfläche für mehr Spielkontrolle. Ein Messwert für Griffigkeit steht bei keinem Hersteller.
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Fachredaktion Audio und Studiotechnik
Schreibt über Instrumente, DJ- und Studiotechnik.
Technik-Redakteur mit Schwerpunkt Consumer Electronics und Audio
Wie wir bewerten
Wir ordnen kriterienweise ein und vergeben keine Gesamtnote. Diese fünf Kriterien liegen jedem Vergleich zugrunde:
- Eignung für den Zweck
- Ob das Modell die Anforderung erfüllt, um die es im Artikel geht — Tragkraft, Beckengröße, Raumtiefe, Wurfgewicht. Der Wert, an dem eine Kaufentscheidung tatsächlich scheitert.
- Belegte Spezifikationen
- Wie viele der kaufentscheidenden Werte der Hersteller überhaupt beziffert — und ob sie sich mit unabhängigen Quellen decken. Ein Anbieter, der schweigt, wird nicht bessergestellt als einer, der offenlegt.
- Verarbeitung und Haltbarkeit
- Was Material, Konstruktion, Ersatzteilversorgung und dokumentierte Ausfallmuster über die zu erwartende Lebensdauer sagen.
- Aufwand für Aufbau und Pflege
- Was ein Produkt vor der ersten Nutzung verlangt und was danach regelmäßig anfällt — Montage, Anschluss, Reinigung, Wartungsintervalle.
- Transparenz des Anbieters
- Ob der Hersteller die Zahlen, an denen die Kaufentscheidung hängt, selbst veröffentlicht — und ob seine Angaben mit denen der Händlerdatenblätter übereinstimmen. Wer schweigt oder sich widerspricht, verliert hier.
Aktualisierung und Quellen
- Veröffentlicht
- 19.10.2026
- Aktualisiert
- 19.10.2026
- Geprüft
- 19.10.2026
- Quellen
- 10
Änderungsverlauf
- 19.10.2026: Neu angelegt; Klavierbau-Fachtext, Datenblätter von Roland, Kawai, Casio und Yamaha und die Auszählung von 54 Angeboten ausgewertet.
- 19.10.2026: Berufsbezeichnung des zitierten Fachautors J. Gedan gestrichen, die Quelle nennt sie nicht; siehe Korrekturen.
Belege
- Herstellerangabepian-e-forte.deJ. Gedan, pian-e-forte.de, Das Spielwerk von Pianos und Flügeln, Kapitel 1, Taste, Hebeglied und Hammer
Belegt die Taste als Wippe auf dem Waagebalken, die Steighöhe von 47 bis 50 mm, die Spieltiefe von 9 bis 11 mm, die Übersetzung von etwa 1:5 und den siebenfach längeren Hammerhebel.
- Herstellerangabepian-e-forte.deJ. Gedan, pian-e-forte.de, Kapitel 6, Niederdruckschwere und Aufgewicht
Belegt 45 bis 50 g Niederdruckschwere, 47 g beim Steinway-Flügel, das Ausbleien, das Aufgewicht von etwa 45 % und die Münzprobe mit 1-Cent-Stücken zu 2,30 g.
- Herstellerangabepian-e-forte.deJ. Gedan, pian-e-forte.de, Kapitel 8, Die Auslösung
Belegt Stößer und Auslösepuppe, den Druckpunkt beim Flügel mit 50 bis 120 g Mehrkraft im unteren Drittel des Tastenwegs und dass er beim Piano kaum spürbar ist.
- Herstellerangabepian-e-forte.deJ. Gedan, pian-e-forte.de, Kapitel 14, Die doppelte Auslösung
Belegt Érards Repetitionsmechanik von 1821, Welckers Urteil von 1867, die fast 100 Jahre bis zur Durchsetzung und die Tonwiederholung aus jeder Tastenstellung.
- Institution oder Normmetmuseum.orgThe Metropolitan Museum of Art, Grand Piano, Bartolomeo Cristofori, 1720
Belegt das älteste erhaltene Hammerklavier und seine 54 Tasten.
- Herstellerangaberoland.comRoland, Digital Piano – Häufig gestellte Fragen
Belegt die Unterscheidung von gefederten, halbgewichteten und Hammermechanik-Tastaturen, den Rat, den Händler nach der Definition von „gewichtet“ zu fragen, und die Abgrenzung der Anschlagsempfindlichkeit.
- Herstellerangaberoland.comRoland, FP-40 Features
Belegt PHA-4 Standard mit gewichteter Hammer-Action, Escapement und Ivory Feel sowie die Dreifach-Sensor-Technik gegenüber Doppel-Sensor-Systemen.
- Herstellerangabekawai.deKawai, CA701 Digitalpiano
Belegt die Grand-Feel-III-Tastatur mit 88 Holztasten auf einem Waagebalken, Gewichten im vorderen Teil jeder Taste, Druckpunktsimulation, drei Sensoren und zehn Anschlagkurven.
- Herstellerangabecasio.comCasio, PX-S5000BK Produktseite
Belegt die weißen Tasten als Hybrid aus Kunststoff und Fichtenholz mit seitlich sichtbarem Furnier und die Mechanik, die das Gewicht der Hämmer nutzt.
- Herstellerangabeca.yamaha.comYamaha, YDP-105 Mode d'emploi (Bedienungsanleitung, französische Ausgabe)
Belegt die Reinigung mit weichem, trockenem oder leicht feuchtem Tuch, den Ausschluss von Lösungsmitteln und Alkohol und die Warnung vor Kondenswasser an Holzteilen.