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Kratzbaum und Formaldehyd: fünfzig Jahre bis zum EU-Grenzwert
Seit August 2026 gilt in der EU ein Formaldehyd-Grenzwert für Möbel aus Holzwerkstoff, und ein Kratzbaum aus Spanplatte fällt darunter. Von 58 Angeboten nennt eines eine Emissionsklasse, keines das Wort Formaldehyd. Wie es zu dem Grenzwert kam und was er im Zimmer bedeutet.
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Kurz gesagt
Ein Kratzbaum aus Span- oder Faserplatte kann Formaldehyd abgeben, weil die Platten mit Leimen gebunden sind, die Formaldehyd enthalten oder abspalten können. Für Möbel und Erzeugnisse auf Holzwerkstoffbasis, die nach dem 6. August 2026 in der EU in Verkehr gebracht werden, gilt nach der Verordnung (EU) 2023/1464 eine Grenze von 0,062 mg/m³ in der Prüfkammer — rund 0,05 ppm, halb so viel wie die alte Emissionsklasse E1. Gebrauchte Erzeugnisse sind ausgenommen. Von 58 ausgewerteten Kratzbäumen und Kletterwänden nennen 20 Spanplatte oder Holzwerkstoff als Material, eines eine Emissionsklasse, keines Formaldehyd und keines den Blauen Engel, den das Umweltbundesamt für emissionsarme Produkte empfiehlt. Wie viel davon im Zimmer ankommt, hängt stärker vom Luftwechsel ab als vom einzelnen Baum.
Ein Angebot von achtundfünfzig nennt eine Emissionsklasse
Am 13. Oktober 2026 wurden für diesen Text 58 Angebote ausgewertet: die ersten 30 nicht gesponserten Kratzbäume und Kratzsäulen der Suche nach „kratzbaum“ und die 28 Kletterwände, die schon für den Ratgeber zur Wandmontage gezählt wurden. Gesucht war eine einzige Art von Angabe — alles, was etwas über Formaldehyd aussagt, das Gas, das aus verleimten Holzwerkstoffen in die Raumluft übergehen kann.
| Was die Angebote nennen | Kratzbäume (30) | Kletterwände (28) | zusammen (58) |
|---|---|---|---|
| Spanplatte, Holzwerkstoff oder technisches Holz als Material | 16 | 4 | 20 |
| eine Emissionsklasse | 0 | 1 | 1 |
| das Wort Formaldehyd | 0 | 0 | 0 |
| eine Prüfnorm für Emissionen | 0 | 0 | 0 |
| Blauer Engel, OEKO-TEX, TÜV oder GS | 0 | 0 | 0 |
| FSC | 3 | 4 | 7 |
| eine Gesundheitsaussage wie „ungiftig“ oder „unbedenklich“ | 2 | 4 | 6 |
Zwanzig Angebote sagen also, dass sie aus einem Material bestehen, das Formaldehyd abgeben kann. Eines nennt eine Klasse dafür. Keines nennt den Stoff. Und das Datum dieser Auszählung ist kein zufälliges: Für Möbel und Erzeugnisse auf Holzwerkstoffbasis, die nach dem 6. August 2026 in Verkehr gebracht werden, gilt in der Europäischen Union zum ersten Mal ein gemeinsamer Grenzwert für die Formaldehydabgabe. Ein Kratzbaum aus Spanplatte gehört dazu.
Dass die Angebote dazu schweigen, ist für sich genommen kein Verstoß. Die Verordnung verlangt, dass ein Erzeugnis die Grenze einhält, nicht, dass das Angebot darüber spricht. Aber es heißt, dass man beim Kauf nicht erfährt, wie ein bestimmter Kratzbaum zu dieser Grenze steht. Und es heißt, dass die eine Angabe, die es gibt, eine Emissionsklasse aus dem Jahr 1994, auf einen Maßstab verweist, der seit August nicht mehr der maßgebliche ist.
Um zu verstehen, was das bedeutet, muss man fünfzig Jahre zurückgehen. Die Geschichte des Formaldehyds in deutschen Innenräumen beginnt nicht mit Kratzbäumen, aber mit Möbeln aus Spanplatte — in Schulen.
Was in einem Kratzbaum Formaldehyd abgeben kann
Ein Kratzbaum besteht in der Regel aus drei Bestandteilen: einem Holzwerkstoff für Bodenplatte und Ebenen, Röhren als Kern der Stämme und den Bezügen aus Plüsch und Sisal. Von diesen dreien ist der Holzwerkstoff der, um den es hier geht.
Eine Spanplatte ist keine Holzplatte, sondern ein Verbund. Holzspäne werden mit einem Bindemittel gemischt und unter Druck und Hitze verpresst. Das Umweltbundesamt beschreibt, dass Formaldehyd als Bindemittel und Klebstoffbestandteil in Holzwerkstoffen eingesetzt wurde, zum Beispiel für Möbel, und nennt Holzwerkstoffe, die mit Harnstoff-Formaldehyd-Leimen hergestellt sind, eine Quelle mit „über die Zeit kaum abklingenden“ Emissionen. Daneben können nach der Behörde auch Restmengen von Lösemitteln und die Oberflächenbehandlung zu Ausgasungen beitragen.
Massivholz ist ein anderer Fall, aber kein Nullfall. Auch Holz kann von sich aus geringe Mengen Formaldehyd freisetzen, und die EU-Verordnung nennt in ihren Erwägungsgründen ausdrücklich die Zersetzung von Lignin in Massivholz. Erzeugnisse, bei denen Formaldehyd nur aus dem natürlichen Vorkommen im Material stammt, nimmt sie deshalb aus. Der Unterschied zwischen Massivholz und Spanplatte liegt damit nicht im Holz, sondern im Leim.
Was sich daraus für die 58 Angebote ergibt, ist eine erste Sortierung. Zwanzig nennen Spanplatte, Holzspanplatte, technisches Holz oder Holzwerkstoff. Einige weitere nennen Massivholz oder Kiefernholz. Und bei mehreren lässt sich aus dem Angebot gar nicht sicher sagen, woraus die Platten bestehen — dazu weiter unten, bei den Materialfeldern, in denen „Pappe“ steht.
Ein Kratzbaum ist dabei nicht das einzige Möbel aus Spanplatte in einer Wohnung, und meist nicht das größte. Was zum Formaldehyd aus dem Kleiderschrank gesagt wird, gilt für dieselben Platten. Der Kratzbaum hat aber eine Besonderheit, die kein Schrank hat: Auf ihm liegt ein Tier, stundenlang, mit der Nase über der Platte.
Köln, Sommer 1976
Die Diskussion über Formaldehyd in deutschen Innenräumen hat einen Anfang, den das Baustoff-Informationssystem WECOBIS des Bundesbauministeriums genau benennt: Köln, Sommer 1976. Nach dem Bezug neuer Schulgebäude häuften sich die Klagen von Lehrern und Schülern über Augen- und Schleimhautreizungen. Nach ausführlichen Untersuchungen wurden die Beschwerden auf Formaldehyd zurückgeführt. Die neu eingebrachten Möbel und Deckenplatten aus Spanplatten gaben den Stoff in hohem Maß ab, die Raumluft erreichte Konzentrationen bis über 1 ppm.
Die Reaktion kam schnell. 1977 legte das damalige Bundesgesundheitsamt zur Gefahrenabwehr einen Innenraum-Richtwert für Formaldehyd fest: 0,1 ppm, entsprechend 125 Mikrogramm je Kubikmeter Raumluft. Abgeleitet war er als ein Zehntel des damals gültigen Arbeitsplatzwerts von 1 ppm. Die Kölner Klassenzimmer lagen also zeitweise über dem, was damals für Arbeitsplätze mit Formaldehyd galt, und um mehr als das Zehnfache über dem neuen Richtwert für die Raumluft.
Dieser Wert ist bemerkenswert langlebig. 1984 bestätigten ihn Bundesgesundheitsamt, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Umweltbundesamt in einem gemeinsamen Bericht. 1988 präzisierte das Bundesgesundheitsamt, die Konzentration solle auch kurzzeitig 0,1 ppm nicht überschreiten. Und 2006 leitete das Bundesinstitut für Risikobewertung 0,1 ppm als „sichere Konzentration“ für die Innenraumluft ab und bestätigte damit, so WECOBIS, den 29 Jahre zuvor festgelegten Wert.
Der Arbeitsplatzwert ging einen anderen Weg. 1987 wurde der MAK-Wert auf 0,5 ppm gesenkt. Ein Arbeitsplatzgrenzwert von 0,5 ppm stand bis Ende 2004 in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe und wurde nach der Neueinstufung durch die Internationale Krebsforschungsagentur zurückgezogen; erst 2015 wurde ein neuer von 0,3 ppm festgesetzt. Der Innenraumwert blieb dagegen fast vierzig Jahre bei 0,1 ppm.
Der Richtwert von 1977 betraf die Raumluft, nicht die Platte. Er sagte, wie viel Formaldehyd in einem Raum sein darf, aber nicht, wie viel ein einzelnes Möbel abgeben darf. Diese zweite Frage, die eigentlich die eines Kratzbaums ist, wurde drei Jahre später zum ersten Mal beantwortet.
Eine Richtlinie für Spanplatten, April 1980
Im April 1980 veröffentlichte der Ausschuss für Einheitliche Technische Baubestimmungen eine Richtlinie mit einem langen Namen: „Richtlinie über die Verwendung von Spanplatten hinsichtlich der Vermeidung unzumutbarer Formaldehydkonzentrationen in der Raumluft“. Ihr Ziel war, Gesundheitsgefahren durch Spanplatten in Aufenthaltsräumen zu vermeiden, und sie verfolgte den Gedanken, der bis heute trägt: Man misst nicht den Raum, sondern die Platte, unter festgelegten Bedingungen, in einer Kammer.
Im Oktober 1991 legte das Bundesgesundheitsamt dafür ein Prüfverfahren fest, das WECOBIS im Detail beschreibt. Die unbeschichtete Platte kommt in eine Prüfkammer von mindestens 12 Kubikmetern, mit einem Quadratmeter Plattenfläche je Kubikmeter Kammer, bei 23 °C, 45 Prozent relativer Luftfeuchte und einem Luftwechsel von einmal pro Stunde. Gemessen wird, auf welche Konzentration sich die Kammerluft einpendelt, die Ausgleichskonzentration.
Aus dieser Messung wurde eine Klasse. Die ETB-Richtlinie wurde überarbeitet und in der Fassung vom Juni 1994 als DIBt-Richtlinie 100 veröffentlicht. Sie definierte die Emissionsklasse, die bis heute auf Datenblättern auftaucht: E1 für Holzwerkstoffplatten, die in der Prüfkammer eine Ausgleichskonzentration von höchstens 0,1 ppm Formaldehyd einhalten. Platten, die E1 nicht erfüllten, durften in Deutschland nicht in Verkehr gebracht werden — mit einer Ausnahme, die für Möbel wichtig ist: Holzwerkstoffe, die nachträglich beschichtet werden, etwa für den Möbelbau, durften vor der Beschichtung über dem E1-Wert liegen. 2005 wurden die Prüfbedingungen in die Norm DIN EN 717-1 übernommen.
Zwei Dinge an dieser Konstruktion sind für einen Kratzbaum von heute wichtig. Erstens ist der Wert der Platte derselbe wie der Richtwert für den Raum, 0,1 ppm. Eine Platte, die in der Kammer gerade E1 erreicht, erzeugt dort genau die Konzentration, die im Zimmer die Grenze sein sollte. Zweitens gilt das bei einem Luftwechsel von einmal pro Stunde, und dieser Luftwechsel wird im Abschnitt über das Zimmer wiederkommen.
Was E1 heute noch bedeutet
Unter den 58 Angeboten nennt ein einziges eine Emissionsklasse. Ein zehnteiliges Kletterwand-Set beschreibt sich als „Hergestellt aus 1,2 cm dicker E1-Spanplatte“. Es ist die einzige Stelle in der ganzen Auswertung, an der ein Anbieter überhaupt sagt, wie seine Platte zu Formaldehyd steht. Sie ist zugleich eine Angabe aus einer anderen Zeit.
E1 bedeutet 0,1 ppm in der Prüfkammer, rund 125 Mikrogramm je Kubikmeter. Die EU-Verordnung setzt für Möbel und Erzeugnisse auf Holzwerkstoffbasis 0,062 Milligramm je Kubikmeter fest, also 62 Mikrogramm. Das ist die Hälfte. Auch Deutschland war schon vorher strenger geworden: Nach dem Umweltbundesamt durften Holzwerkstoffe und daraus hergestellte Möbel zuletzt in der Prüfkammer nicht mehr als 0,05 ppm abgeben, entsprechend 62 Mikrogramm je Kubikmeter, geprüft nach einem seit 2020 verankerten Verfahren.
Daraus folgt nicht, dass eine E1-Platte heute verboten wäre. Die Werte sind nach verschiedenen Prüfverfahren entstanden, und wie eine Platte, die nach dem alten Verfahren als E1 eingestuft wurde, nach dem neuen abschneidet, sagt die Klasse nicht. Es folgt aber, dass „E1“ keine Auskunft über die Grenze von 2026 ist. Wer im Oktober 2026 eine E1-Spanplatte bewirbt, beruft sich auf einen Maßstab, den die EU halbiert hat, und erfährt dabei nicht, ob die Platte den neuen einhält.
Die Klasse ist damit ein Beispiel für eine Angabe, die nicht falsch, aber veraltet ist. Für den Kauf ist sie trotzdem mehr als das, was die 57 anderen Angebote sagen: Sie verrät, dass der Anbieter die Frage kennt.
Vom Verdacht zur Einstufung, 1980 bis 2014
Parallel zur Plattenprüfung lief eine zweite Geschichte, und sie veränderte, wie ernst die Frage genommen wurde. 1980, im selben Jahr wie die ETB-Richtlinie, begann nach WECOBIS die Diskussion über eine krebserzeugende Wirkung von Formaldehyd, nachdem bei Ratten und Mäusen nach Langzeitexposition Tumore festgestellt worden waren. Bis zum Nachweis, dass der Stoff auch für den Menschen krebserzeugend ist, sollte es noch 24 Jahre dauern.
Die Chronologie ist ein Lehrstück darüber, wie lange eine Einstufung braucht:
| Jahr | Ereignis | Quelle |
|---|---|---|
| 1976 | Beschwerden in neuen Kölner Schulen, bis über 1 ppm | WECOBIS |
| 1977 | Bundesgesundheitsamt: Raumluft-Richtwert 0,1 ppm (125 µg/m³) | WECOBIS |
| 1980 | ETB-Richtlinie für Spanplatten; Tierversuche mit Tumoren | WECOBIS |
| 1983 | WHO: 60 µg/m³ (0,05 ppm) als vorläufiger Richtwert | WECOBIS |
| 1991 | Prüfverfahren des Bundesgesundheitsamts für Holzwerkstoffe | WECOBIS |
| 1994 | DIBt-Richtlinie 100, Emissionsklasse E1 = 0,1 ppm | WECOBIS |
| 1995 | Internationale Krebsforschungsagentur: „wahrscheinlich krebserzeugend“ | WECOBIS |
| 2004 | Internationale Krebsforschungsagentur: „krebserzeugend beim Menschen“ | WECOBIS |
| 2005 | Prüfbedingungen in DIN EN 717-1 übernommen | WECOBIS |
| 2006 | Bundesinstitut für Risikobewertung: 0,1 ppm als sichere Konzentration | WECOBIS |
| 2014 | EU-Einstufung „kann Krebs erzeugen“, Kategorie 1B | Umweltbundesamt |
| 2015 | Formaldehyd im Bewertungsschema für Bauprodukte (AgBB), 100 µg/m³ | Umweltbundesamt |
| 2016 | Innenraum-Richtwert 100 µg/m³ | Umweltbundesamt |
| 2019 | Beschränkungsvorschlag der Europäischen Chemikalienagentur | Umweltbundesamt |
| 2020 | deutsches Prüfverfahren, Grenze 0,05 ppm | Umweltbundesamt |
| 2023 | Verordnung (EU) 2023/1464 vom 14. Juli | EUR-Lex, Umweltbundesamt |
| 2026 | EU-Grenze greift ab 6. August, deutsche Regelung entfällt | Umweltbundesamt |
| 2027 | Grenze für den Innenraum von Straßenfahrzeugen nach dem 6. August | EUR-Lex |
Seit Juni 2014 gilt Formaldehyd in der EU als „kann Krebs erzeugen“, Kategorie 1B. Das Umweltbundesamt ordnet die Wirkung zugleich ein: In Tierversuchen traten Tumoren in der Nasenhöhle nur auf, wenn die Konzentration so hoch war, dass sie zuvor die Schleimhaut schädigte. Unterhalb einer bestimmten Konzentration sind die krebserzeugenden Wirkungen deshalb im Allgemeinen nicht zu erwarten. Auf diesem praktischen Schwellenwert beruht der Richtwert von 100 µg/m³, den der Ausschuss für Innenraumrichtwerte 2016 abgeleitet hat und der auch kurzzeitig, über eine halbe Stunde, nicht überschritten werden soll.
Für den Kratzbaum heißt die Chronologie zweierlei. Der Stoff, um den es geht, ist seit Jahrzehnten bekannt, und die Grenzen sind über die Zeit enger geworden. Und die Frage ist nicht, ob ein Kratzbaum aus Spanplatte Formaldehyd abgibt — das kann jeder verleimte Holzwerkstoff —, sondern wie viel, und ob das in einem bewohnten Raum ins Gewicht fällt.
Dieselbe Grenze in zwei Einheiten
Wer die Werte der Chronologie vergleichen will, stößt auf ein Hindernis: Die älteren stehen in ppm, die neueren in Mikrogramm oder Milligramm je Kubikmeter. Beides beschreibt dasselbe, aber auf verschiedene Weise. ppm ist ein Anteil am Volumen der Luft, µg/m³ eine Masse je Raumvolumen.
Für Formaldehyd lässt sich die Umrechnung aus zwei Zahlenpaaren ablesen, die in den Quellen nebeneinanderstehen. WECOBIS setzt 0,1 ppm mit 125 µg/m³ gleich, das Umweltbundesamt 0,05 ppm mit 62 µg/m³. Beides ergibt einen Faktor von rund 1,25: Ein ppm Formaldehyd entspricht etwa 1,25 Milligramm je Kubikmeter.
Mit diesem Faktor lassen sich die Werte nebeneinanderstellen:
| Wert | in µg/m³ | in ppm | wofür |
|---|---|---|---|
| Richtwert 1977, E1 (1994), BfR 2006 | 125 | 0,1 | Raumluft, Platte in der Prüfkammer |
| Vorschlag des Dossiers zur EU-Beschränkung | 124 | rund 0,1 | Produktgrenze, nicht übernommen |
| Innenraum-Richtwert 2016, WHO 2000 | 100 | rund 0,08 | Raumluft |
| EU-Grenze für andere Erzeugnisse, 2026 | 80 | rund 0,064 | Prüfkammer |
| EU-Grenze für Möbel und Holzwerkstoffe, 2026 | 62 | rund 0,05 | Prüfkammer |
| WHO vorläufig 1983 | 60 | 0,05 | Raumluft |
| Vorschlag des Risikobewertungsausschusses | 50 | rund 0,04 | Produktgrenze, nicht übernommen |
Die Tabelle zeigt eine Linie, die sonst unsichtbar bleibt. Der erste Vorschlag für die EU-Beschränkung, 0,124 mg/m³, lag fast genau beim Wert von 1977, obwohl er anders entstanden war: Der Dossiereinreicher hatte ihn aus dem WHO-Kurzzeitwert von 0,1 mg/m³ errechnet. Am Ende steht mit 0,062 mg/m³ die Hälfte davon, und damit fast genau der Wert, den die Weltgesundheitsorganisation 1983 für die Raumluft genannt hatte, als Konzentration, die keinen oder nur geringen Anlass zur Sorge gebe. Fünfzig Jahre nach Köln liegt die Grenze für das Produkt dort, wo vor gut vierzig Jahren der Vorschlag für die Luft lag.
Was die EU seit dem 6. August 2026 verlangt
Die Verordnung (EU) 2023/1464 vom 14. Juli 2023 fügt dem Anhang XVII der REACH-Verordnung einen Eintrag 77 hinzu, und sein Kern ist ein Satz. Formaldehyd und Formaldehydabspalter dürfen nach dem 6. August 2026 nicht mehr in Erzeugnissen in Verkehr gebracht werden, wenn die Konzentration, die aus ihnen unter festgelegten Prüfbedingungen freigesetzt wird, folgende Werte überschreitet: 0,062 mg/m³ für Möbel und Erzeugnisse auf Holzwerkstoffbasis und 0,080 mg/m³ für andere Erzeugnisse.
Ein Kratzbaum mit Ebenen aus Spanplatte ist ein Erzeugnis auf Holzwerkstoffbasis; für ihn gilt der strengere der beiden Werte.
Die Verordnung kennt zehn Ausnahmen, und zwei davon betreffen Kratzbäume. Ausgenommen sind Erzeugnisse, bei denen Formaldehyd oder Formaldehydabspalter ausschließlich natürlich in den Materialien vorkommen, also etwa unverleimtes Massivholz. Und ausgenommen sind gebrauchte Erzeugnisse. Ein Kratzbaum, der aus zweiter Hand verkauft wird, muss die Grenze nicht einhalten, auch wenn er nach August 2026 den Besitzer wechselt.
Mit dem Stichtag sind die deutschen Regeln entfallen. Nach dem Umweltbundesamt sind die Formaldehyd-Vorschriften der Chemikalien-Verbotsverordnung seit dem 6. August 2026 obsolet. Die Behörde schätzt das Schutzniveau der EU-Regel bei korrekter und sinnvoller Anwendung der europäischen Prüfanleitung als in etwa gleichwertig mit dem inzwischen aufgehobenen deutschen Verfahren ein. Für einen Käufer in Deutschland ändert sich an der Höhe der Grenze also wenig.
Neu ist, dass sie für jeden Anbieter in der EU gilt. Für den Kratzbaum ist das keine Nebensache: Von den 28 Kletterwänden, die für diesen Cluster ausgewertet wurden, nennen 26 China als Herkunftsland. Bis August 2026 galt für sie beim Verkauf in Deutschland die deutsche Regel, seither die europäische, gleich, über welchen Händler sie kommen.
Warum 0,062 und nicht 0,05
Wie die Zahl 0,062 zustande kam, steht in den Erwägungsgründen der Verordnung, und es ist eine Abwägung, die sich nachlesen lässt. Der Dossiereinreicher, der die Beschränkung vorgeschlagen hatte, wollte 0,124 mg/m³. Der Ausschuss für Risikobeurteilung der Chemikalienagentur hielt 0,05 mg/m³ für nötig. Die Kommission bewertete zwei Werte dazwischen, 0,080 und 0,062.
Den Vorschlag von 0,124 mg/m³ hielt sie für zu schwach. Er verhindere zwar, dass Erzeugnisse mit großen Freisetzungen in Verkehr kommen, aber bei den meisten Erzeugnissen sei ohnehin zu erwarten, dass sie ihn einhalten; die Risikominderung wäre gering. Den Wert des Risikobewertungsausschusses, 0,05 mg/m³, lehnte sie wegen erheblicher sozioökonomischer Auswirkungen ab, unter anderem weil er in bestimmten Fällen einen Wechsel zu weniger nachhaltigen Alternativen erfordere, mit negativen Folgen für die Recyclingsektoren und die Kreislaufwirtschaft.
Bei den Zwischenwerten ist die Begründung ungewöhnlich offen. Die Kommission schreibt, die Kosten stiegen mit sinkendem Grenzwert exponentiell: Bei 0,080 mg/m³ schätzt sie die Gesamtkosten für die Industrie auf mindestens Hunderte Millionen Euro, bei 0,062 mg/m³ auf Milliarden. Nach der Kostendeckungsanalyse müsste die Häufigkeit von Krebs des Nasen-Rachen-Raums bei Menschen in neuen Wohnräumen beim strengeren Wert 70-mal höher sein als beobachtet, damit sich die Kosten decken, beim weniger strengen 30-mal. Die Kommission entschied sich trotzdem für 0,062, weil Formaldehyd krebserzeugend sei und der niedrigere Wert einen größeren gesundheitlichen Nutzen bringe, insbesondere für Risikogruppen wie Kinder.
Warum gerade Möbel den strengeren Wert bekommen, begründet die Kommission ebenfalls: Holzwerkstoffe, Erzeugnisse daraus und Möbel, bei deren Produktion Formaldehyd verwendet wird, seien die Hauptemissionsquellen von Formaldehyd in der Innenraumluft, insbesondere in neu gebauten Häusern. Für die übrigen Erzeugnisse genügt der höhere Wert von 0,080 mg/m³.
Für die Einordnung eines Kratzbaums ist diese Abwägung aufschlussreich. Der Grenzwert ist kein Wert, unterhalb dessen nichts mehr zu bedenken wäre. Er ist ein Kompromiss zwischen dem, was der Risikobewertungsausschuss für nötig hielt, und dem, was die Kommission der Industrie zumuten wollte. Wer mehr will, findet es nicht im Gesetz, sondern in einem Umweltzeichen.
Was die Prüfkammer festlegt und was sie offen lässt
Wie gemessen wird, regelt Anlage 14 der Verordnung, und die Bedingungen sind im Kern die, die das Bundesgesundheitsamt schon 1991 festgelegt hatte, nun mit Toleranzen:
| Bedingung | Wert in Anlage 14 |
|---|---|
| Temperatur | (23 ± 0,5) °C |
| relative Feuchte | (45 ± 3) % |
| Beladung | (1 ± 0,02) m² Prüfstück je m³ Kammer |
| Luftwechsel | (1 ± 0,05) pro Stunde |
| Messungen | mindestens zweimal täglich, mindestens 3 Stunden auseinander |
| Dauer | bis zur Ausgleichskonzentration, höchstens 28 Tage |
Drei Dinge lässt die Anlage offen, und sie sind für ein Möbel wie einen Kratzbaum nicht unwichtig. Erstens schreibt sie die Beladung von einem Quadratmeter je Kubikmeter ausdrücklich als die für Holzwerkstoffe passende vor; für andere Materialien und Produkte, bei denen das unter vorhersehbaren Bedingungen eindeutig nicht realistisch ist, dürfen Beladungsfaktoren nach der Norm EN 16516 verwendet werden. Zweitens lässt sie die Analysemethode und die Probenahme offen, solange sie „geeignet“ sind. Drittens erlaubt sie Daten aus einer anderen Prüfmethode ohne diese Referenzbedingungen, wenn eine wissenschaftlich valide Korrelation zu den Ergebnissen unter Referenzbedingungen besteht.
Wie diese Spielräume in der Praxis gefüllt werden, regelt eine Anleitung, die nach dem Umweltbundesamt in einer europäischen Arbeitsgruppe erarbeitet wurde. Für den Käufer ist daraus eine Frage abzuleiten, die über „E1“ hinausgeht: nicht nur, welcher Wert gemessen wurde, sondern nach welchem Verfahren. Ein Anbieter, der einen Prüfbericht nach den Bedingungen der Verordnung hat, kann beides nennen.
Und eine vierte Sache legt die Kammer fest, ohne dass sie im Wohnzimmer gilt: den Luftwechsel. Er ist der Grund, warum ein Wert aus der Prüfkammer nicht die Konzentration im Zimmer ist.
Die Prüfkammer und das Zimmer
Ein Grenzwert in der Prüfkammer ist keine Konzentration im Zimmer. Die Kammer hat einen Quadratmeter Plattenfläche je Kubikmeter Luft und tauscht diese Luft einmal pro Stunde aus. Ein Zimmer hat viel weniger Plattenfläche je Kubikmeter, aber meist auch viel weniger Luftwechsel. Beides wirkt in entgegengesetzte Richtungen, und welche Richtung gewinnt, lässt sich überschlagen.
Das Umweltbundesamt nennt für den Luftwechsel zwei Zahlen. Aus hygienischen Gründen anzustreben ist ein Luftwechsel von mindestens 0,5 pro Stunde; dann erneuert sich die Raumluft alle 2 Stunden einmal komplett. Solche Werte erreichen moderne Gebäude nach der Behörde meist nur mit einer Lüftungsanlage, oftmals liegen sie nur bei 0,1 bis 0,2 pro Stunde. WECOBIS hält den Luftwechsel von einmal pro Stunde in der Prüfkammer deshalb für nicht mehr zeitgemäß: In Aufenthaltsräumen neuer oder modernisierter Gebäude liege er bei geschlossenen Fenstern und Türen häufig bei einem Zehntel davon.
Für die Rechnung braucht es die Fläche eines Kratzbaums. Die einzige Quelle mit allen Ebenenmaßen eines Modells in diesem Cluster ist die Herstellerseite des Bontoy Romy, des Erstplatzierten im Vergleich der Kratzbäume bis einen Meter: Bodenplatte 50 × 50, obere Liegefläche 50 × 30, Liegefläche in Tatzenform 35 × 35, Höhle 30 × 25 Zentimeter und ein Korb mit 33 Zentimetern Durchmesser. Mit den Rechteckmaßen gerechnet sind das 0,68 Quadratmeter, mit beiden Seiten der Platten rund 1,37 Quadratmeter.
Gibt eine solche Fläche Formaldehyd genau an der EU-Grenze ab, also so viel, dass sich in der Kammer 62 µg/m³ einstellen, setzt sie je Quadratmeter und Stunde rund 62 Mikrogramm frei, bei 1,37 Quadratmetern also rund 85 Mikrogramm je Stunde. In einem Schlafzimmer von 12 Quadratmetern und 2,50 Metern Höhe, 30 Kubikmetern, ergibt eine einfache Mischungsrechnung — Abgabe geteilt durch Luftwechsel mal Raumvolumen:
| Luftwechsel im Zimmer | Kratzbaum an der EU-Grenze | Kratzbaum mit E1-Platten |
|---|---|---|
| 0,5 pro Stunde | rund 6 µg/m³ | rund 11 µg/m³ |
| 0,2 pro Stunde | rund 14 µg/m³ | rund 29 µg/m³ |
| 0,1 pro Stunde | rund 28 µg/m³ | rund 57 µg/m³ |
Die Rechnung ist ein Überschlag und hat Grenzen, die zu nennen sind. Sie nimmt die Abgabe als gleichbleibend an, rechnet mit 23 °C und lässt alle anderen Quellen im Raum weg. Die Plattenfläche ist eher zu klein angesetzt, weil Kanten und Höhlenwände fehlen; Plüschbezüge decken dagegen einen Teil ab, und wie viel sie zurückhalten, sagt keine der Quellen. Die E1-Spalte setzt 125 µg/m³ in der Kammer an, also die Obergrenze der alten Klasse.
Was der Überschlag zeigt, ist eine Größenordnung. Ein Kratzbaum an der EU-Grenze liegt in einem gut gelüfteten Schlafzimmer weit unter dem Richtwert von 100 µg/m³; in einem dichten Neubau, in dem kaum gelüftet wird, kommt er allein auf gut ein Viertel davon. Und ein Kratzbaum mit Platten an der alten E1-Grenze kommt im selben schlecht gelüfteten Raum auf mehr als die Hälfte des Richtwerts, bevor Schrank, Bett und Boden dazukommen.
Warm und feucht: wann ein Kratzbaum mehr abgibt
Die Prüfkammer arbeitet bei 23 °C und 45 Prozent Luftfeuchte. Ein Kratzbaum steht oft woanders: neben der Heizung, am sonnigen Fenster, im Sommer unter dem Dach. Dass das einen Unterschied macht, ist keine neue Erkenntnis.
1993 forderte das Bundesgesundheitsamt nach WECOBIS zu prüfen, wie weit formaldehydabgebende Baustoffe „wegen ihrer stark von Temperatur und Luftfeuchte abhängigen Emission“ überhaupt eingesetzt werden können, selbst wenn sie die gesetzlichen Produktanforderungen, also E1, erfüllen. Das Amt nannte dabei vor allem Unterrichtsräume, Hörsäle und Büros, in denen 20 °C häufiger und über längere Zeiträume überschritten werden.
Eine Zahl, um wie viel die Abgabe je Grad steigt, nennen die ausgewerteten Quellen nicht, und deshalb steht hier auch keine. Die Richtung aber ist eindeutig, und sie hat für einen Kratzbaum eine praktische Folge: Der Platz direkt an der Heizung ist für die Katze im Winter oft der begehrteste und für die Platte einer der ungünstigsten. Ein Platz am Fenster mit Mittagssonne ist es im Sommer.
Für den Standort, der aus anderen Gründen ohnehin zählt, bedeutet das keine neue Regel, sondern eine zusätzliche. Ein neuer Kratzbaum verbringt seine ersten Wochen am besten in einem Raum, der sich gut lüften lässt und nicht überheizt ist. Wo er danach dauerhaft steht, entscheidet vor allem, wo Katzen ihren Kratzplatz suchen.
Was „CARB-zertifizierte Pappe“ über das Materialfeld verrät
Unter den 58 Angeboten nennt eines CARB. Ein 70 Zentimeter hoher Kratzbaum beschreibt sich als „Hergestellt aus hochwertiger CARB-zertifizierter Pappe und Plüschstoff“; im Materialfeld steht nur „Plüsch“. CARB ist die Luftreinhaltebehörde Kaliforniens, und das, was sie regelt, ist seit dem 26. April 2007 die Formaldehydabgabe aus Sperrholz, Spanplatte und mitteldichter Faserplatte sowie aus Möbeln, die daraus gefertigt sind. Pappe kommt darin nicht vor.
Ob hinter der Pappe eine Übersetzung steckt, lässt sich aus dem Angebot nicht klären. Auffällig ist, dass das Wort auch an anderer Stelle auftaucht, wo man eine Platte erwarten würde. In drei weiteren Angeboten steht im Materialfeld „Pappe“ oder „Papier“, und keines dieser drei Felder nennt einen Holzwerkstoff. Einer der drei Bäume ist 180 Zentimeter hoch und wiegt nach Angebot 18,6 Kilogramm, bei sieben Ebenen. Ein anderer schreibt im Text, er sei aus „hochwertiger Spanplatte“ hergestellt, und im Materialfeld „Faux Pelz, Papier, Sisal“.
Pappe steckt in vielen Kratzbäumen, als Röhre im Stamm. Ein Materialfeld, das bei einem Baum mit sieben Ebenen nur Plüsch, Pappe und Sisal nennt, lässt aber die Platten weg, und mit ihnen genau das Material, um das es beim Formaldehyd geht. Ein fünftes Angebot wirbt im Text mit „hochwertigem Massivholz“, während das Feld „Polyester, Technisches Holz“ sagt. Technisches Holz ist ein Sammelbegriff für Holzwerkstoffe, und Massivholz ist das Gegenteil davon.
Wer nach einem Kratzbaum ohne Spanplatte sucht, kann sich auf das Materialfeld deshalb nicht verlassen. Und die CARB-Angabe selbst ist für den europäischen Markt eine Auskunft ohne Bezug: Sie zeigt allenfalls, dass ein Material für Kalifornien geprüft wurde, nicht, dass es die EU-Grenze von 0,062 mg/m³ einhält, und sie hängt in diesem Angebot an einem Material, das die kalifornische Regel gar nicht betrifft.
FSC ist kein Emissionslabel
Sieben der 58 Angebote nennen FSC, zwei davon mit einem Lizenzcode. Das ist mehr als jede andere Angabe in der Auszählung, mit Ausnahme des Materials. Es ist aber eine Antwort auf eine andere Frage.
Das Umweltbundesamt ordnet die Label klar zu. FSC, PEFC, Naturland und Holz von Hier garantieren, dass für die Spanplatte Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung genutzt wurde. Der Blaue Engel und natureplus garantieren darüber hinaus, dass die Platten frei von halogenorganischen Verbindungen sind und die Ausgasung flüchtiger organischer Verbindungen deutlich begrenzt ist. Ein FSC-Siegel sagt also, woher das Holz kommt, nicht, was der Leim in die Raumluft abgibt.
Keines der 58 Angebote nennt den Blauen Engel oder natureplus. Keines nennt OEKO-TEX für die Plüschbezüge, keines ein Prüfzeichen von TÜV oder GS. Die einzigen Siegel im ganzen Feld sind Waldsiegel.
Wie flüchtig selbst diese Angabe sein kann, zeigt ein Modell aus dem Cluster. Der Yaheetech 170, der im Vergleich der 170-Zentimeter-Bäume steht, trug am 27. August 2026 „FSC Mix-zertifizierte Spanplatten“ im Angebotstitel. Am 13. Oktober stand an derselben Stelle „Strapazierfähige Spanplatten“. Zwei andere Modelle desselben Anbieters nennen im Text weiterhin einen FSC-Lizenzcode. Ob sich am Holz etwas geändert hat oder nur am Titel, sagt keine der Seiten.
Ungiftig, unbedenklich, geruchlos — und worauf es sich bezieht
Sechs der 58 Angebote machen eine Aussage zur Gesundheit: ungiftig, unbedenklich, harmlos, gesundheitsfreundlich, geruchlos. Liest man genau, worauf sich diese Wörter beziehen, ergibt sich ein Muster.
Fünf der sechs Aussagen betreffen Sisal, Stoff oder Kiefernholz. Ein Kratzbaum bestehe aus „natürlichem Sisal, einem für Ihre Katzen harmlosen und langlebigen Material“. Ein anderer ist mit natürlichem Sisalmaterial überzogen, „das unbedenklich und langlebig ist“. Ein Kletterwand-Set besteht nach eigener Angabe aus „natürlichem Kiefernholz, das robust und unbedenklich ist“, ein anderes hat einen Stoff, der „geruchlos, farbecht und maschinenwaschbar“ ist. Für Sisal, Kiefer und Stoff mögen die Aussagen stimmen. Sie betreffen nur nicht das Material, um das es beim Formaldehyd geht.
Die sechste Aussage betrifft die Spanplatte, und sie ist die bemerkenswerteste. Ein Katzen-Wandmöbel-Set schreibt, seine Stangen bestünden „aus Spanplatten und einem Metallrahmen“ und seien „gesundheitsfreundlich und geruchslos“. In einem anderen Aufzählungspunkt folgt auf dieselbe Materialangabe der Satz, das natürliche Kiefernholz sei „ungiftig und geruchslos“; im Materialfeld steht „Technisches Holz Metall“. Das Set gehört zu den 28 Angeboten, die im Ratgeber zur Kletterwand auf ihre Lastangaben hin ausgezählt sind. Hier fällt es auf, weil es als einziges Angebot einer Spanplatte eine Gesundheitseigenschaft zuschreibt, ohne eine Prüfung, eine Klasse oder eine Zahl zu nennen.
Für den Kauf lässt sich daraus eine Lesart ableiten. Eine Gesundheitsaussage ohne Zahl ist eine Werbeaussage, und sie betrifft in fünf von sechs Fällen den Teil des Möbels, den man anfassen kann, nicht den, der unter dem Bezug liegt. Das Umweltbundesamt empfiehlt für Produkte ohne Blauen Engel einen einfachen Weg: im Zweifel beim Hersteller Belege und Hinweise für die Unbedenklichkeit einfordern. In einigen Fällen, schreibt die Behörde, stehen Prüfnachweise bereits auf der Verpackung.
Sieben Angaben und was sie aussagen
Die Auszählung lässt sich in eine Tabelle übersetzen, die beim Lesen eines Angebots hilft. Sie ordnet jede Angabe, die im Feld vorkommt oder fehlt, danach, welche Frage sie beantwortet.
| Angabe im Angebot | wie oft unter 58 | was sie aussagt | was sie nicht aussagt |
|---|---|---|---|
| Spanplatte, Holzwerkstoff, technisches Holz | 20 | das Material kann Formaldehyd abgeben | wie viel |
| E1 | 1 | die Platte hielt nach altem Verfahren 0,1 ppm ein | die Grenze von 0,062 mg/m³ |
| CARB | 1 | eine kalifornische Prüfung für Holzwerkstoffe | die EU-Grenze; hier auf Pappe bezogen |
| FSC | 7 | Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung | die Ausgasung |
| ungiftig, unbedenklich, geruchlos | 6 | eine Werbeaussage, meist zu Sisal, Stoff oder Kiefer | die Platte |
| Blauer Engel, natureplus | 0 | begrenzte Ausgasung nach den Vergabekriterien | — |
| Prüfbericht nach Verordnung (EU) 2023/1464 | 0 | den Wert in der Prüfkammer und das Verfahren | die Konzentration im eigenen Zimmer |
Die Tabelle hat eine leere Mitte. Die beiden Angaben, die die Frage nach dem Formaldehyd tatsächlich beantworten würden — ein Emissionslabel oder ein Prüfbericht —, kommen in 58 Angeboten kein einziges Mal vor. Was vorkommt, beantwortet andere Fragen: woher das Holz stammt, wie sich der Sisal anfühlt, ob eine Platte vor 2026 einen älteren Maßstab erfüllte.
Ein Missverständnis liegt deshalb nahe, und es ist verständlich: dass ein Angebot mit Siegel und „ungiftig“ besser dasteht als eines ohne beides. Für die Frage nach dem Formaldehyd ist das nicht so. Zwei Angebote, die beide nichts zur Platte sagen, unterscheiden sich in dieser Frage nicht dadurch, dass eines ein Waldsiegel trägt.
Dreißig, hundertachtzig, sechshundert Mikrogramm
Formaldehyd hat einen säuerlich-stechenden Geruch, schreibt WECOBIS, und er wird bereits in geringen Konzentrationen wahrgenommen. Wie gering, ist allerdings sehr verschieden. Die Weltgesundheitsorganisation nennt für die Geruchswahrnehmung drei Werte: Bei 30 µg/m³ nehmen 10 Prozent der Menschen Formaldehyd wahr, bei 180 µg/m³ die Hälfte, bei 600 µg/m³ 90 Prozent.
Legt man diese Schwellen neben die Rechnungen dieses Textes, ergibt sich ein ernüchterndes Bild für die Nase als Messgerät:
| Konzentration | wer sie riecht (WHO) | wo sie in diesem Text vorkommt |
|---|---|---|
| unter 30 µg/m³ | weniger als jeder zehnte Mensch | Kratzbaum an der EU-Grenze, alle drei Luftwechsel |
| 30 bis 180 µg/m³ | zwischen 10 und 50 Prozent | E1-Platten bei 0,1 pro Stunde (57 µg/m³) |
| 100 µg/m³ | weniger als die Hälfte | Innenraum-Richtwert |
| 180 µg/m³ | die Hälfte | knapp das Doppelte des Richtwerts |
| 600 µg/m³ | 90 Prozent | das Sechsfache des Richtwerts |
Daraus folgen zwei Dinge, die sich widersprechen und trotzdem beide stimmen. Wer einen neuen Kratzbaum deutlich riecht, riecht bei den Konzentrationen aus dem Überschlag wahrscheinlich nicht in erster Linie Formaldehyd, denn die meisten Menschen nehmen den Stoff dort noch gar nicht wahr; der Geruch kann von Lösemittelresten, der Oberflächenbehandlung oder den Bezügen kommen. Und wer nichts riecht, hat damit keinen Beleg, dass nichts abgegeben wird: Der Richtwert von 100 µg/m³ liegt unter der Schwelle, an der die Hälfte der Menschen überhaupt etwas bemerkt.
Der Geruch ist also ein Anlass zu lüften, aber kein Maß. Was bleibt, ist dieselbe Antwort wie bei den Angeboten: Wer es wissen will, braucht eine Zahl aus einer Prüfkammer oder eine Messung im Raum.
Wenn der neue Kratzbaum riecht
Bei der Suche nach „kratzbaum riecht chemisch“ liegen vor allem Forenbeiträge mit genau dieser Frage oben: Der neue Baum riecht, ist das schädlich? Die Tabelle ordnet die häufigen Beobachtungen danach, was die Quellen dazu hergeben und was zuerst zu tun ist.
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Erster Schritt |
|---|---|---|
| scharfer Geruch beim Auspacken | Ausgasung aus Platten, Leim oder Oberfläche | im gut gelüfteten Raum aufbauen |
| Geruch nach Lösemittel oder Kunststoff | Lösemittelreste, Oberflächenbehandlung, Bezüge | lüften, nicht an die Heizung stellen |
| Geruch wird an warmen Tagen stärker | Abgabe steigt mit Temperatur und Feuchte | Standort ohne direkte Wärmequelle |
| Augen oder Nase reizen sich im Raum | höhere Konzentration möglich, mehrere Quellen | Luftwechsel erhöhen, Quellen im Raum zählen |
| muffiger, feuchter Geruch | Feuchtigkeit in Platte oder Bezug | trocknen lassen, Platte auf Aufquellen prüfen |
| Geruch nach Urin | Markierung, auch bei gebrauchten Bäumen | Enzymreiniger, Ursache klären |
| kein Geruch | sagt nichts über Formaldehyd unter 180 µg/m³ | auf Angaben zur Platte achten |
| Geruch bleibt nach Wochen unverändert | ungewöhnlich hohe Abgabe nicht ausgeschlossen | beim Hersteller Prüfnachweis anfordern |
Das Umweltbundesamt rät zu zwei Dingen, die nichts kosten: regelmäßig lüften und Oberflächen feucht wischen. Für den Formaldehyd selbst ist das Lüften entscheidend, und der Überschlag im Abschnitt über das Zimmer zeigt, warum: Zwischen einem Luftwechsel von 0,1 und einem von 0,5 pro Stunde liegt bei derselben Quelle der Faktor fünf in der Konzentration.
Was bei einem muffigen Geruch oder bei Urin hilft, steht im Ratgeber zu Reinigung, Gerüchen und Reparatur. Und wer den Baum ohnehin gerade auspackt: Der Aufbau Schritt für Schritt lässt sich gut in einen Raum mit offenem Fenster legen.
Klingt die Abgabe ab?
Wer einen neuen Kratzbaum lüftet, hofft, dass sich das Problem mit der Zeit erledigt. Die beiden wichtigsten Quellen dieses Textes geben darauf unterschiedliche Antworten, und sie stehen in amtlichen Dokumenten nebeneinander.
Die EU-Verordnung geht davon aus, dass die Formaldehydemissionen aus Erzeugnissen im Laufe der Zeit durch die Ausgasung von Restformaldehyd zurückgehen. Das ist einer der beiden Gründe, mit denen sie gebrauchte Erzeugnisse ausnimmt. Auch der Ratgeber zum Kleiderschrank auf diesem Portal beschreibt, dass ein Teil des Formaldehyds über die Nutzungsdauer abgegeben wird, am meisten am Anfang.
Das Umweltbundesamt beschreibt Holzwerkstoffe mit Harnstoff-Formaldehyd-Leim dagegen als Quelle mit „über die Zeit kaum abklingenden“ Formaldehydemissionen, die gerade deshalb nach wie vor eine bedeutende Emissionsquelle in der Innenraumluft seien.
Beides lässt sich zusammenlesen, ohne dass eine der Quellen falsch sein muss: Ein Teil der Abgabe, der freie Restformaldehyd, geht zurück, und ein anderer Teil hält an. Wie groß welcher Teil ist und wie schnell der erste abnimmt, beziffert keine der ausgewerteten Quellen, und deshalb steht hier keine Halbwertszeit und keine Zahl von Wochen. Für den Kauf heißt das: Lüften in den ersten Wochen ist sinnvoll, aber es ist kein Ersatz für eine Platte mit niedriger Abgabe, weil ein Teil der Abgabe bleibt.
Der gebrauchte Kratzbaum und die Ausnahme
Die EU-Verordnung nimmt gebrauchte Erzeugnisse aus. Sie begründet das zweifach: mit den zurückgehenden Emissionen und damit, dass die Durchsetzung der Beschränkung bei gebrauchten Erzeugnissen schwierig sein könnte. Das zweite Argument ist für den Kratzbaum das gewichtigere.
Denn die Ausnahme heißt, dass ein gebrauchter Kratzbaum, der vor August 2026 hergestellt wurde, nach den damaligen Maßstäben gefertigt sein kann, in Deutschland also nach der Grenze von 0,05 ppm oder, wenn er älter ist, nach E1. Der Verkäufer muss nichts nachweisen, und ein Kleinanzeigen-Angebot nennt in der Regel weder Hersteller noch Modell. Ob ein Baum, der über einen Händler außerhalb der EU gekauft wurde, überhaupt einem der Maßstäbe entsprach, ist im Nachhinein nicht festzustellen.
Auf der anderen Seite hat ein gebrauchter Kratzbaum die ersten Monate seiner Abgabe hinter sich, und nach der Lesart der Verordnung ist der Restformaldehyd zum Teil schon ausgegast. Wie viel ein Jahr Gebrauch ausmacht, lässt sich aus den Quellen nicht beziffern, und nach dem Umweltbundesamt klingt ein Teil der Abgabe kaum ab. Der Vorteil ist deshalb kein sicherer.
Was beim gebrauchten Kratzbaum ohnehin zählt, ist eine andere Frage, nämlich die nach dem Haushalt, aus dem er kommt. Die Sporen des Katzenpilzes überleben in der Umgebung bis zu einem Jahr, und Staubsaugen entfernt sie nach einer Messung nicht; das ist das eigentliche Hygienethema des Gebrauchtkaufs und im Ratgeber zur Reinigung ausführlich behandelt. Formaldehyd ist dagegen eine Frage, bei der sich mit Lüften in den ersten Wochen wenigstens der abklingende Teil erledigen lässt.
Drei Räume, drei Rechnungen
Der Überschlag aus dem Abschnitt über das Zimmer lässt sich auf drei Lagen anwenden, die in Haushalten mit Katze vorkommen. Die Räume sind Beispiele mit angenommenen Maßen; die Abgabe ist die eines Kratzbaums mit der Plattenfläche des Bontoy Romy an der EU-Grenze, rund 85 Mikrogramm je Stunde.
Das Schlafzimmer im sanierten Altbau. 14 Quadratmeter, 2,80 Meter hoch, also rund 39 Kubikmeter, Fenster zum Hof, nachts gekippt. Bei einem Luftwechsel von 0,5 pro Stunde werden 19,6 Kubikmeter je Stunde ausgetauscht; 85 Mikrogramm geteilt durch 19,6 ergeben rund 4 µg/m³. Der Kratzbaum ist in diesem Raum eine kleine Quelle.
Das Kinderzimmer im Neubau. 10 Quadratmeter, 2,50 Meter hoch, 25 Kubikmeter, Fenster mit Dreifachverglasung, keine Lüftungsanlage. Mit einem Luftwechsel von 0,1 pro Stunde, dem unteren Ende dessen, was das Umweltbundesamt für moderne Häuser nennt, sind es 85 geteilt durch 2,5: rund 34 µg/m³, gut ein Drittel des Richtwerts, allein aus dem Kratzbaum. Hier zählt jedes Möbel aus Holzwerkstoff, und das Lüften ist keine Nebensache.
Das Wohnzimmer mit offener Küche. 35 Quadratmeter, 2,50 Meter hoch, knapp 88 Kubikmeter, ein Luftwechsel von 0,2 pro Stunde. 85 geteilt durch 17,5: rund 5 µg/m³. Der Raum ist groß genug, dass der Kratzbaum darin kaum ins Gewicht fällt.
Die drei Rechnungen zeigen, was keine Herstellerangabe zeigen kann. Derselbe Kratzbaum ist in einem Raum eine Randgröße und in einem anderen ein spürbarer Teil der Belastung, und der Unterschied liegt im Raum, nicht im Baum. Zwischen dem Kinderzimmer und dem Wohnzimmer liegt rund der Faktor sieben, zwischen dem Kinderzimmer und dem Altbau-Schlafzimmer rund der Faktor acht. Wer einen Kratzbaum für ein kleines, dichtes Zimmer kauft, hat mehr Grund, nach Platte und Prüfnachweis zu fragen, als wer ihn in ein großes, gut gelüftetes Wohnzimmer stellt.
Selbsttest: das eigene Zimmer in fünf Minuten
Wer wissen will, in welche Lage sein eigener Raum fällt, braucht einen Zollstock und die Rechnung aus diesem Text. Gemessen wird nicht der Kratzbaum, sondern das Zimmer, denn das ist die Größe, die der Käufer kennt und der Anbieter nicht.
- Raumvolumen messen. Länge mal Breite mal Höhe. Ein Zimmer von 4 mal 3,5 Metern bei 2,50 Metern Höhe hat 35 Kubikmeter.
- Luftwechsel einschätzen. Neubau oder sanierter Altbau mit dichten Fenstern und ohne Lüftungsanlage: eher 0,1 bis 0,2 pro Stunde, so das Umweltbundesamt. Mit Lüftungsanlage oder regelmäßig geöffnetem Fenster: eher 0,5.
- Abgabe ansetzen. Für einen Kratzbaum in der Größe des Bontoy Romy an der EU-Grenze rund 85 Mikrogramm je Stunde; für einen größeren Baum entsprechend mehr, ungefähr im Verhältnis der Plattenfläche.
- Teilen. Abgabe geteilt durch Luftwechsel mal Raumvolumen.
Für die häufigsten Raumgrößen ist das Ergebnis schon ausgerechnet:
| Raumvolumen | Luftwechsel 0,1 | Luftwechsel 0,2 | Luftwechsel 0,5 |
|---|---|---|---|
| 20 m³ | rund 43 µg/m³ | rund 21 µg/m³ | rund 9 µg/m³ |
| 40 m³ | rund 21 µg/m³ | rund 11 µg/m³ | rund 4 µg/m³ |
| 60 m³ | rund 14 µg/m³ | rund 7 µg/m³ | rund 3 µg/m³ |
Die Tabelle gilt für einen Kratzbaum an der EU-Grenze und für keine weitere Quelle im Raum. Liegt das Ergebnis im oberen linken Bereich, lohnt es sich, nach Platte und Prüfnachweis zu fragen und in den ersten Wochen deutlich mehr zu lüften. Liegt es unten rechts, ist der Kratzbaum im Raum eine kleine Größe, und andere Fragen — Standfestigkeit, Kratzfläche, Bezug — sind für den Kauf wichtiger.
Was Kratzbaum, Kleiderschrank und Schuhschrank gemeinsam haben
Der Kratzbaum ist auf diesem Portal nicht das erste Möbel, bei dem die Frage nach dem Holzwerkstoff auftaucht, und sie stellt sich bei den anderen Möbeln mit denselben Zahlen.
Beim Kleiderschrank steht die bisherige deutsche Grenze von 0,05 ppm samt der Empfehlung des Umweltbundesamts, bei großflächigem Einsatz von Holzwerkstoffen 100 µg/m³ nicht zu überschreiten. Auch dort nennt keines der untersuchten Angebote eine Emissionsklasse, und neun von fünfzehn geben Holzwerkstoff als Material an; den Überblick gibt die Seite zu den fünfzehn Kleiderschränken ohne Emissionsklasse. Ein Kleiderschrank hat ein Vielfaches der Plattenfläche eines Kratzbaums; wer beide in dasselbe Schlafzimmer stellt, addiert ihre Abgaben.
Beim Schuhschrank steht die Materialfrage von der anderen Seite: Was ein Aufpreis für Massivholz statt Spanplatte kauft, ist dort an Rohdichte, Quellung und Schraubenhalt gerechnet, nachzulesen bei Massivholz gegen Spanplatte im Flur. Eine der Zahlen von dort ist für den Kratzbaum direkt brauchbar: Spanplatte hat eine Rohdichte von 600 bis 680 Kilogramm je Kubikmeter, Kiefer von 490 bis 520. Kiefer ist also leichter als Spanplatte.
Und im eigenen Cluster hängt die Frage an der Standfestigkeit. Ein Kratzbaum mit Platten aus Spanplatte ist bei gleichem Format schwerer als einer aus Kiefer, und Gewicht in der Bodenplatte hilft gegen das Kippen. Wer auf Massivholz ausweicht, um den Leim zu vermeiden, bekommt ein leichteres Möbel und sollte die Standfläche umso genauer prüfen; welche Standfläche zu welcher Höhe gehört, steht im Überblick über Höhe, Standfläche und Gewicht.
Was als Nächstes kommt
Die Verordnung von 2023 ist nicht der letzte Schritt, und ein Datum steht schon fest. Nach dem 6. August 2027 dürfen Straßenfahrzeuge nicht mehr in Verkehr gebracht werden, wenn die Formaldehydkonzentration in ihrem Innenraum 0,062 mg/m³ überschreitet. Für Lastwagen und Busse hatte der Ausschuss für sozioökonomische Analyse mehr Zeit empfohlen, weil die Messmethoden für ihren Innenraum erst entwickelt werden müssen.
Bei den freiwilligen Zeichen bewegt sich ebenfalls etwas. Das Umweltbundesamt hat Anfang 2026 den Abschlussbericht eines Forschungsvorhabens zu Formaldehyd- und VOC-Emissionen aus holzbasierten Bodenbelägen veröffentlicht. Er soll unter anderem dazu dienen, die Kriterien des Blauen Engels für emissionsarme Bodenbeläge, Paneele und Türen aus Holz weiterzuentwickeln; die Vergabekriterien sollen nach der Behörde regelmäßig an neue Prüfanforderungen angepasst werden. Kratzbäume betrifft das nicht unmittelbar, es zeigt aber, wo die Diskussion über die gesetzliche Grenze hinausgeht.
Für den Kauf eines Kratzbaums ist die wichtigste Entwicklung schon eingetreten. Für jedes nach dem 6. August 2026 neu in Verkehr gebrachte Möbel aus Holzwerkstoff gilt dieselbe Grenze, gleich, aus welchem Land es kommt. Was fehlt, ist die Information darüber im Angebot, und die schreibt die Verordnung nicht vor.
Wer wissen will, wie ein bestimmter Kratzbaum zu dieser Grenze steht, muss deshalb fragen. Die Frage ist einfach: Welchen Formaldehydwert hat die Platte in der Prüfkammer nach den Bedingungen der Verordnung (EU) 2023/1464, und gibt es einen Prüfbericht dazu? Ein Anbieter, der antworten kann, hat die Frage ernst genommen. Wer mit „E1“ antwortet, nennt den Maßstab von 1994.
Der Raum entscheidet mehr als die Platte
Die These, die sich aus fünfzig Jahren Formaldehyd-Geschichte und den Rechnungen dieses Textes ergibt: Wie viel Formaldehyd ein neuer Kratzbaum in die Luft eines Zimmers bringt, entscheidet seit August 2026 weniger der Baum als der Raum, in dem er steht.
Der Grund ist die Grenze selbst. Sie hat die Spannweite dessen, was ein neuer Kratzbaum aus Holzwerkstoff abgeben darf, nach oben begrenzt, und zwar auf die Hälfte des alten E1-Werts. Was innerhalb dieser Grenze bleibt, ist der Raum: Die Rechnung zeigt zwischen einem dichten Kinderzimmer und einem großen Wohnzimmer rund den Faktor sieben bei derselben Quelle. Zwei Kratzbäume, die beide die Grenze einhalten, können sich höchstens um das unterscheiden, was der eine unter der Grenze bleibt. WECOBIS beschreibt dieselbe Mechanik aus der Gegenrichtung: Bei den niedrigen Luftwechseln heutiger Gebäude könnten sich bedeutsame Konzentrationen schon aus Quellen einstellen, die für sich genommen in der Prüfkammer gar nicht auffallen.
Die Gegenrede ist berechtigt, und sie hat drei Teile. Der erste: Die Grenze gilt nur für neue Erzeugnisse, die nach dem 6. August 2026 in Verkehr gebracht werden; Gebrauchtes fällt nicht darunter. Der zweite: Ob ein bestimmter Kratzbaum die Grenze einhält, weiß man nicht, solange keine Angabe dazu im Angebot steht, und in 57 von 58 Angeboten steht keine. Der dritte kommt vom Umweltbundesamt selbst: Emissionsarmen Holzwerkstoffen komme eine immer größere Bedeutung zu, gerade weil Schadstoffe aus Bauprodukten durch manuelles Lüften allein nicht immer ausreichend entfernt werden können. Der Raum entscheidet viel, aber er entlastet die Platte nicht.
Was von der These bleibt, ist eine Verschiebung der Aufmerksamkeit. Die Frage nach dem Kratzbaum lautet nicht mehr, ob er „schadstofffrei“ ist — das ist kein Möbel aus Holzwerkstoff, und keines der Angebote behauptet es. Sie lautet, wo er steht, wie oft dort gelüftet wird und was im selben Raum sonst aus Spanplatte ist. Darauf gibt es eine Antwort, die jeder Haushalt selbst kennt.
Wie die Auszählungen auf diesem Portal entstehen, steht unter so wird hier ausgezählt. Ändert sich an einer der Zahlen etwas, steht es unter nachträgliche Änderungen.
Häufige Fragen
- Gibt ein Kratzbaum Formaldehyd ab?
- Wenn er aus Span- oder Faserplatte besteht, kann er es, weil diese Platten mit Leimen gebunden sind, die Formaldehyd enthalten oder abspalten können. Das Umweltbundesamt nennt Holzwerkstoffe und Möbel als Hauptquellen für Formaldehyd in der Innenraumluft. Wie viel ein bestimmter Kratzbaum abgibt, steht in keinem der 58 ausgewerteten Angebote.
- Was bedeutet E1 bei einem Kratzbaum?
- E1 ist eine Emissionsklasse für Holzwerkstoffplatten aus der DIBt-Richtlinie 100 von 1994: höchstens 0,1 ppm Formaldehyd in der Prüfkammer, also rund 125 Mikrogramm je Kubikmeter. Für Möbel auf Holzwerkstoffbasis, die nach dem 6. August 2026 in der EU in Verkehr gebracht werden, gilt eine Grenze von 0,062 mg/m³. E1 ist damit eine historische Angabe, keine Aussage über die heutige Grenze.
- Welcher Grenzwert gilt seit August 2026?
- Nach Eintrag 77 im Anhang XVII der REACH-Verordnung, eingefügt durch die Verordnung (EU) 2023/1464: 0,062 mg/m³ für Möbel und Erzeugnisse auf Holzwerkstoffbasis, 0,080 mg/m³ für andere Erzeugnisse, gemessen in einer Prüfkammer bei 23 °C, 45 Prozent relativer Feuchte und einem Luftwechsel pro Stunde.
- Ist ein FSC-zertifizierter Kratzbaum schadstoffarm?
- Das sagt das Siegel nicht. FSC und PEFC stehen nach dem Umweltbundesamt für Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung; für geringe Ausgasung nennt die Behörde den Blauen Engel und natureplus. Sieben der 58 Angebote nennen FSC, keines eines der beiden Emissionslabel.
- Gilt der EU-Grenzwert auch für gebrauchte Kratzbäume?
- Nein. Die Verordnung (EU) 2023/1464 nimmt gebrauchte Erzeugnisse ausdrücklich aus, unter anderem weil die Emissionen im Laufe der Zeit zurückgehen sollen und die Durchsetzung schwierig wäre. Der Verkäufer eines gebrauchten Kratzbaums muss zur Formaldehydabgabe nichts nachweisen.
- Was tun, wenn der neue Kratzbaum chemisch riecht?
- Regelmäßig lüften und Oberflächen feucht wischen, wie es das Umweltbundesamt allgemein empfiehlt, und den Baum nicht an die Heizung stellen. Bleibt der Geruch, kann man beim Hersteller Belege und Prüfnachweise einfordern. Ein Geruch ist allerdings kein Maß für Formaldehyd: Nach der WHO nimmt erst die Hälfte der Menschen den Stoff bei 180 µg/m³ wahr.
- Ist ein Kratzbaum aus Massivholz formaldehydfrei?
- Nicht ganz. Holz kann auch von sich aus geringe Mengen Formaldehyd freisetzen, etwa durch die Zersetzung von Lignin; die EU-Verordnung nimmt solches natürliches Vorkommen ausdrücklich aus. Der Unterschied liegt im Leim: Massivholz braucht keinen Bindeleim, Spanplatte schon.
- Was ist der Unterschied zwischen ppm und Mikrogramm je Kubikmeter?
- ppm ist ein Volumenanteil, µg/m³ eine Masse je Raumvolumen. Für Formaldehyd entsprechen 0,1 ppm rund 125 µg/m³ und 0,05 ppm rund 62 µg/m³, also gut das 1,25-Fache. Ältere Grenzen stehen meist in ppm, die EU-Verordnung von 2023 in mg/m³.
- Was bedeutet CARB im Angebot?
- CARB ist die Luftreinhaltebehörde Kaliforniens. Sie hat 2007 eine Regelung zu Formaldehyd aus Sperrholz, Spanplatte und MDF beschlossen. Für den europäischen Markt ist CARB keine Auskunft über die EU-Grenze, und das einzige der 58 Angebote, das CARB nennt, bezieht es auf „Pappe“.
- Woran erkennt man einen emissionsarmen Kratzbaum?
- Am ehesten am Blauen Engel oder an natureplus, die das Umweltbundesamt für geringe Ausgasung nennt. Keines der 58 Angebote führt eines davon. Bleibt die Frage offen, rät die Behörde, beim Hersteller Belege für die Unbedenklichkeit einzufordern.
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Fachredaktion Haustier
Schreibt über Ausstattung für Katze und Hund.
Fachredaktion Familie und Haustiere, Schwerpunkt Sicherheit und Alltagstauglichkeit
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- Belegte Spezifikationen
- Wie viele der kaufentscheidenden Werte der Hersteller überhaupt beziffert — und ob sie sich mit unabhängigen Quellen decken. Ein Anbieter, der schweigt, wird nicht bessergestellt als einer, der offenlegt.
- Verarbeitung und Haltbarkeit
- Was Material, Konstruktion, Ersatzteilversorgung und dokumentierte Ausfallmuster über die zu erwartende Lebensdauer sagen.
- Aufwand für Aufbau und Pflege
- Was ein Produkt vor der ersten Nutzung verlangt und was danach regelmäßig anfällt — Montage, Anschluss, Reinigung, Wartungsintervalle.
- Transparenz des Anbieters
- Ob der Hersteller die Zahlen, an denen die Kaufentscheidung hängt, selbst veröffentlicht — und ob seine Angaben mit denen der Händlerdatenblätter übereinstimmen. Wer schweigt oder sich widerspricht, verliert hier.
Aktualisierung und Quellen
- Veröffentlicht
- 13.10.2026
- Aktualisiert
- 13.10.2026
- Geprüft
- 13.10.2026
- Quellen
- 7
Änderungsverlauf
- 13.10.2026: Angelegt in der Vertiefung KW 42 als Ratgeber zu Formaldehyd im Kratzbaum. Grundlage sind 58 am selben Tag ausgewertete Angebote, die Verordnung (EU) 2023/1464 im Wortlaut samt Erwägungsgründen, vier Seiten des Umweltbundesamts und die Chronologie des Baustoff-Informationssystems WECOBIS.
Belege
- Institution oder Normeur-lex.europa.euVerordnung (EU) 2023/1464 zu Formaldehyd und Formaldehydabspaltern, EUR-Lex
Belegt Eintrag 77 im Anhang XVII der REACH-Verordnung: nach dem 6. August 2026 höchstens 0,062 mg/m³ für Möbel und Erzeugnisse auf Holzwerkstoffbasis und 0,080 mg/m³ für andere, zehn Ausnahmen unter anderem für natürliches Vorkommen und gebrauchte Erzeugnisse, Fahrzeuginnenräume nach dem 6. August 2027; Anlage 14 mit (23 ± 0,5) °C, (45 ± 3) %, (1 ± 0,02) m²/m³, (1 ± 0,05) h⁻¹ und höchstens 28 Tagen; Erwägungsgründe 6, 15, 22 bis 27 und 33 zur WHO-Ableitung, zu Lignin, zu 0,124 und 0,05 mg/m³, zu den Kosten und zur Ausnahme gebrauchter Erzeugnisse.
- Institution oder Normumweltbundesamt.deUmweltbundesamt, Formaldehyd (Stand 22.07.2026)
Belegt die Einstufung als „kann Krebs erzeugen“ (Kategorie 1B) seit Juni 2014, die Tumoren nur oberhalb schleimhautschädigender Konzentrationen, den Richtwert von 100 µg/m³ seit 2016, die Hauptquellen im Innenraum und die Empfehlungen Blauer Engel, Belege beim Hersteller, Lüften und feuchtes Wischen.
- Institution oder Normumweltbundesamt.deUmweltbundesamt, Formaldehyd — Bewertung und Prüfbedingungen für Holzwerkstoffe (Stand 23.07.2026)
Belegt die kaum abklingenden Emissionen von Holzwerkstoffen mit Harnstoff-Formaldehyd-Leim, den anzustrebenden Luftwechsel von 0,5 pro Stunde gegenüber 0,1 bis 0,2 in modernen Häusern, den AgBB-Wert seit Februar 2015, die europäische Prüfanleitung, das etwa gleichwertige Schutzniveau und den Forschungsbericht von Anfang 2026 zu holzbasierten Bodenbelägen.
- Institution oder Normumweltbundesamt.deUmweltbundesamt, FAQ zu Regelungen von Formaldehyd in Holzwerkstoffen und Möbeln (Stand 23.07.2026)
Belegt den Beschränkungsvorschlag der ECHA vom Januar 2019, die Verordnung vom 14. Juli 2023 mit Veröffentlichung am 17. Juli 2023 und dass die Formaldehyd-Regeln der Chemikalien-Verbotsverordnung seit dem 6. August 2026 obsolet sind.
- Institution oder Normumweltbundesamt.deUmweltbundesamt, Bei Spanplatten und Holzwerkstoffen auf Label achten
Belegt die bisherige deutsche Grenze von 0,05 ppm (62 µg/m³) in der Prüfkammer, die Empfehlung von höchstens 100 µg/m³ bei großflächigem Einsatz, Lösemittel und Oberflächenbehandlung als weitere Quellen und die Zuordnung der Label: Blauer Engel und natureplus für begrenzte Ausgasung, FSC und PEFC für nachhaltige Waldbewirtschaftung.
- Herstellerangabewecobis.deWECOBIS (Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen), Formaldehyd — Gesamttext
Belegt die Chronologie: Kölner Schulen 1976 mit über 1 ppm, BGA-Richtwert 1977 von 0,1 ppm (125 µg/m³) als Zehntel des MAK-Werts, Bestätigungen 1984, 1988 und 2006, ETB-Richtlinie April 1980, WHO 1983, BGA-Prüfverfahren 1991, DIBt-Richtlinie 100 (Juni 1994) mit E1, IARC 1995 und 2004, DIN EN 717-1 (2005), BGA 1993 zur Temperatur, die Kritik am Luftwechsel von 1 pro Stunde und die Geruchsschwellen der WHO (30, 180 und 600 µg/m³).
- Institution oder Normww2.arb.ca.govCalifornia Air Resources Board, Composite Wood Products Program
Belegt die kalifornische Regelung vom 26. April 2007 zur Verringerung der Formaldehydemissionen aus Sperrholz, Spanplatte und MDF und daraus gefertigten Möbeln.