Aquarium-Heizer·17 Min Lesezeit

Aquarium-Heizer: wie viel Watt ein Becken wirklich braucht

Rechnet man die Marktangaben zurück, unterstellen sie Temperaturunterschiede von 6 bis 25 Kelvin zum Raum. Genannt wird dieser Wert von keinem der fünfzehn Anbieter.

Daniel Weber, Fachredaktion AquarientechnikVon Daniel WeberFachredaktion Aquarientechnik
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Kurz gesagt

Ein Aquarienheizer wird über zwei Zahlen verkauft — Watt und die Beckengröße in Litern —, und die zweite ist die falsche Bezugsgröße. Ein Heizer hält kein Volumen warm, er gleicht einen Wärmeverlust aus, und dieser Verlust hängt an der Oberfläche des Beckens und an der Temperaturdifferenz zum Raum. Beide Größen nennt kein Angebot dieses Themenbereichs. Rechnet man die Marktangaben zurück, kommt Erstaunliches heraus: Die fünfzehn Geräte unterstellen implizit Temperaturunterschiede von 6,0 bis 25,5 Kelvin. Der schwächste Heizer ist für ein Becken in einem gut beheizten Wohnzimmer ausgelegt, der stärkste für einen Raum, der 25 Kelvin unter der Wassertemperatur liegt. Und die Unterschiede sind nicht zufällig verteilt: Sie steigen mit der Beckengröße, weil die Angabe in Litern die Geometrie ignoriert. Die Oberfläche eines Beckens wächst langsamer als sein Volumen, von 20 auf 450 Liter fällt die Fläche je Liter um den Faktor 2,8.

Ein Heizer hält kein Volumen warm. Auf jeder Verpackung eines Aquarienheizers stehen zwei Zahlen: eine Wattzahl und eine Beckengröße in Litern. Die zweite ist die falsche Bezugsgröße.

Ein Heizer erwärmt Wasser nicht dauerhaft, er hält eine Temperatur. Und dafür muss er genau so viel Wärme nachliefern, wie das Becken an die Umgebung verliert.

Der Verlust hängt an drei Dingen:

An der Fläche, über die Wärme abfließt — vier Glaswände und die Wasseroberfläche.

An der Beschaffenheit dieser Fläche — Glasstärke, Abdeckung, Luftbewegung im Raum.

An der Temperaturdifferenz zwischen Wasser und Raumluft.

Das Volumen kommt darin nicht vor. Es kommt indirekt vor, weil größere Becken größere Flächen haben — aber nicht proportional. Und genau daran scheitert die Auslegung nach Litern.

Die Fläche wächst langsamer als das Volumen. Ein Becken ist ein Quader, und für Quader gilt eine einfache Regel: Verdoppelt man alle Kantenlängen, verachtfacht sich das Volumen, aber die Oberfläche vervierfacht sich nur.

Was das für übliche Aquarienformate bedeutet:

Becken Maße wärmeabgebende Fläche Fläche je Liter
20 l 30 × 25 × 27 cm 0,37 m² 186 cm²/l
54 l 60 × 30 × 30 cm 0,72 m² 133 cm²/l
112 l 80 × 35 × 40 cm 1,20 m² 107 cm²/l
240 l 120 × 50 × 40 cm 1,96 m² 82 cm²/l
450 l 150 × 60 × 50 cm 3,00 m² 67 cm²/l

Von 20 auf 450 Liter fällt die Fläche je Liter um den Faktor 2,8.

Die Fläche umfasst vier Wände und die Wasseroberfläche; der Boden bleibt außen vor, weil er auf einem Möbel steht und dort kaum Wärme abgibt. Die Maße sind übliche Formate für die jeweiligen Volumina und keine Herstellerangaben.

Daraus folgt unmittelbar: Ein großes Becken braucht je Liter weniger Heizleistung als ein kleines. Die Auslegung nach Watt je Liter müsste also mit der Beckengröße fallen, und zwar deutlich.

Was der Markt stattdessen tut

Für diesen Themenbereich haben wir fünfzehn Heizer aufgenommen und ihre spezifische Leistung am oberen Ende der jeweils beworbenen Spanne gebildet.

Modell Leistung beworbene Beckengröße spezifische Leistung
JBL ProTemp s25 25 W 10 bis 50 l 0,50 W/l
JBL ProTemp s50 50 W 30 bis 80 l 0,63 W/l
AquaOne 100 100 W 50 bis 150 l 0,67 W/l
Tetra HT 300 300 W 300 bis 450 l 0,67 W/l
Fluval E300 300 W bis 380 l 0,79 W/l
FEDOUR 100 100 W 40 bis 120 l 0,83 W/l
Heizung 100W 120L 100 W 120 l 0,83 W/l
Dennerle Nano 75 75 W 55 bis 75 l 1,00 W/l
FEDOUR 50 50 W 15 bis 50 l 1,00 W/l
NICREW BH-300 300 W 200 bis 300 l 1,00 W/l
hygger Mini 50 50 W bis 45 l 1,11 W/l
NICREW BH-50 50 W 20 bis 40 l 1,25 W/l
FEDOUR 300 300 W 100 bis 240 l 1,25 W/l

Die Werte streuen von 0,50 bis 1,25 Watt je Liter, und sie zeigen keinen Trend mit der Beckengröße.

In der Klasse bis 80 Liter reichen sie von 0,50 bis 1,25. In der Klasse ab 200 Litern reichen sie von 0,67 bis 1,25. Dieselbe Spanne in beiden Klassen, obwohl die Physik einen Abfall um den Faktor 2,8 verlangt.

Zwei Geräte fehlen in dieser Aufstellung, weil ihre Angebote keine brauchbare Beckengröße nennen.

Die Rückrechnung

Aus dieser Beobachtung lässt sich mehr gewinnen als eine Kritik. Man kann die Angaben umdrehen und fragen: Für welche Temperaturdifferenz wäre jede dieser Angaben richtig?

Die Rechnung ist eine einfache Umstellung:

Temperaturdifferenz = Leistung ÷ (Wärmedurchgangskoeffizient × Fläche)

Für den Wärmedurchgangskoeffizienten rechnen wir mit 6 Watt je Quadratmeter und Kelvin. Das ist eine Annahme, keine Messung: Sie liegt im üblichen Bereich für eine Einfachglaswand mit natürlicher Konvektion auf beiden Seiten. Die Verdunstung an der Wasseroberfläche kommt hinzu und ist darin nicht enthalten — unsere Werte sind deshalb eher Unter- als Obergrenzen.

Modell Leistung Becken Fläche implizierte Differenz
JBL ProTemp s25 25 W 50 l 0,70 m² rund 6,0 K
JBL ProTemp s50 50 W 80 l 0,98 m² rund 8,5 K
AquaOne 100 100 W 150 l 1,52 m² rund 11,0 K
FEDOUR 50 50 W 50 l 0,70 m² rund 11,9 K
hygger Mini 50 50 W 45 l 0,66 m² rund 12,6 K
FEDOUR 100 100 W 120 l 1,32 m² rund 12,7 K
Heizung 100W 120L 100 W 120 l 1,32 m² rund 12,7 K
NICREW BH-50 50 W 40 l 0,63 m² rund 13,2 K
Dennerle Nano 75 75 W 75 l 0,92 m² rund 13,6 K
Tetra HT 300 300 W 450 l 3,00 m² rund 16,7 K
Fluval E300 300 W 380 l 2,75 m² rund 18,2 K
NICREW BH-300 300 W 300 l 2,38 m² rund 21,0 K
FEDOUR 300 300 W 240 l 1,96 m² rund 25,5 K

Die implizierte Temperaturdifferenz reicht von 6,0 bis 25,5 Kelvin.

Übersetzt: Der schwächste Heizer dieses Themenbereichs ist für ein Becken mit 25 °C in einem Raum mit 19 °C ausgelegt, also für ein beheiztes Wohnzimmer. Der stärkste für einen Raum, der auf unter 0 °C fällt.

Und die Werte steigen fast durchgehend mit der Beckengröße. Die vier Geräte am unteren Ende der Tabelle decken Becken bis 80 Liter ab, die vier am oberen Ende Becken ab 240. Genau das ist die Folge davon, dass in Litern gerechnet wird statt in Fläche.

Was daraus folgt

Die Rückrechnung sagt nicht, dass eines dieser Geräte falsch ausgelegt wäre. Sie sagt, dass die Angaben verschiedene Aufstellungsorte unterstellen, ohne das zu benennen.

Für die Auswahl folgt daraus eine brauchbare Regel:

Wer sein Becken in einem durchgehend beheizten Wohnraum betreibt, liegt mit den Geräten am unteren Ende der Tabelle richtig. Sechs bis zehn Kelvin Differenz sind dort der Normalfall.

Wer es in einem Zimmer betreibt, das im Winter auf 16 bis 18 °C fällt, braucht die Mitte der Tabelle — zehn bis vierzehn Kelvin.

Wer es in einem unbeheizten oder nur zeitweise beheizten Raum betreibt, greift zu den Geräten am oberen Ende.

Aufstellungsort typische Raumtemperatur im Winter Differenz zu 25 °C
beheiztes Wohnzimmer 21 bis 22 °C 3 bis 4 K
Schlafzimmer, Arbeitszimmer 18 bis 20 °C 5 bis 7 K
wenig beheiztes Zimmer 16 bis 18 °C 7 bis 9 K
Flur, Wintergarten 12 bis 16 °C 9 bis 13 K
unbeheizter Raum unter 12 °C über 13 K

Die Werte in der ersten Zeile zeigen, wie großzügig der ganze Markt rechnet. Kein einziges Gerät dieses Themenbereichs ist für weniger als sechs Kelvin ausgelegt, obwohl drei bis vier Kelvin der häufigste Fall sein dürften.

Das ist verständlich: Ein Hersteller, der zu knapp auslegt, bekommt Reklamationen, weil die Temperatur nicht erreicht wird. Wer zu großzügig auslegt, bekommt keine — der Fehler bleibt unbemerkt.

Die eigene Rechnung in vier Schritten

Alle vier Schritte lassen sich am Küchentisch durchführen.

Die Fläche bestimmen. Zweimal Länge mal Wasserhöhe, plus zweimal Breite mal Wasserhöhe, plus Länge mal Breite. Alles in Metern, das Ergebnis in Quadratmetern.

Die Temperaturdifferenz festlegen. Zieltemperatur minus der niedrigsten Raumtemperatur, die im Winter auftritt. Nicht der Durchschnitt: der kälteste Fall ist der, für den ausgelegt wird.

Multiplizieren. Fläche mal Differenz mal 6 ergibt die nötige Leistung in Watt.

Aufschlagen. Ein Zuschlag von rund dreißig Prozent deckt Verdunstung, Zugluft und die Aufheizung nach einem Wasserwechsel ab.

Ein Beispiel für ein Becken mit 112 Litern, also 80 mal 35 mal 40 Zentimetern, bei 33 Zentimetern Wasserstand:

Schritt Rechnung Ergebnis
Seitenflächen 2 × 0,80 × 0,33 0,53 m²
Stirnflächen 2 × 0,35 × 0,33 0,23 m²
Wasseroberfläche 0,80 × 0,35 0,28 m²
Summe 1,04 m²
bei 6 K Differenz 1,04 × 6 × 6 rund 37 W
mit 30 % Zuschlag rund 49 W
bei 10 K Differenz 1,04 × 10 × 6 rund 62 W
mit 30 % Zuschlag rund 81 W

Für dasselbe Becken ergeben sich damit 50 oder 80 Watt, je nach Aufstellungsort. Der Markt bietet für ein Becken dieser Größe Geräte mit 100 Watt an.

Der Faktor zwischen den beiden Rechnungen ist derselbe wie der zwischen den Temperaturdifferenzen: Er ist eine reine Verhältniszahl und gilt unabhängig davon, welchen Wärmedurchgangskoeffizienten man ansetzt. Auch wer statt mit 6 mit 5 oder 7 rechnet, erhält dasselbe Verhältnis zwischen kaltem und warmem Aufstellungsort.

Wie eine Baureihe es macht

Ein Anbieter dieses Themenbereichs liefert eine vollständige Übersicht über die eigene Produktreihe. Und sie ist der beste Beleg für das Problem.

Modell Leistung beworbene Beckengröße spezifische Leistung
E 50 50 W bis 60 l 0,83 W/l
E 100 100 W bis 120 l 0,83 W/l
E 200 200 W bis 250 l 0,80 W/l
E 300 300 W bis 375 l 0,80 W/l

Über den Faktor 6,25 im Volumen bleibt die spezifische Leistung praktisch konstant. Das ist eine bewusste Systematik und keine zufällige Reihe — sie ist die konsistenteste dieses Themenbereichs.

Rechnet man dieselbe Reihe auf die wärmeabgebende Fläche um, sieht das Bild anders aus:

Modell Leistung typisches Becken Fläche Leistung je Fläche implizierte Differenz
E 50 50 W 60 × 30 × 35 cm 0,81 m² rund 62 W/m² rund 10,3 K
E 100 100 W 80 × 35 × 45 cm 1,32 m² rund 76 W/m² rund 12,7 K
E 200 200 W 120 × 50 × 42 cm 2,03 m² rund 99 W/m² rund 16,4 K
E 300 300 W 150 × 55 × 45 cm 2,67 m² rund 112 W/m² rund 18,7 K

Zwischen dem kleinsten und dem größten Modell derselben Reihe liegt der Faktor 1,8. Das kleinste Gerät ist relativ zu dem, was es ausgleichen muss, deutlich knapper ausgelegt als das größte — nach den Zahlen des Herstellers selbst.

Die Beckenmaße sind übliche Formate für die genannten Volumina und keine Herstellerangaben. Die Richtung der Rechnung ist davon unabhängig, weil sie nur davon abhängt, dass die Fläche langsamer wächst als das Volumen.

Was daraus folgt, ist keine Kritik an dieser Reihe, sondern an der Größe, nach der sie ausgelegt ist. Wer in Litern rechnet, rechnet mit der falschen Zahl. Und der Fehler wächst, je weiter die Becken auseinanderliegen.

Warum die Beckenlänge die bessere Angabe wäre

Zwei Anbieter dieses Themenbereichs nennen neben dem Volumen eine zweite Größe: die Beckenlänge. Diese Angabe ist der Physik deutlich näher, als sie aussieht.

Die Länge ist die Kante, die zweimal in die größte Fläche eingeht. Bei einem üblichen Aquarienformat entfallen auf die beiden langen Seitenwände und die Wasseroberfläche zusammen rund drei Viertel der wärmeabgebenden Fläche, und alle drei skalieren mit der Länge.

Wie eng der Zusammenhang ist, zeigt eine Gegenüberstellung der handelsüblichen Formate:

Becken Länge Fläche Fläche je cm Länge
54 l 60 cm 0,72 m² 120 cm²/cm
112 l 80 cm 1,20 m² 150 cm²/cm
180 l 100 cm 1,52 m² 152 cm²/cm
240 l 120 cm 1,96 m² 163 cm²/cm
450 l 150 cm 3,00 m² 200 cm²/cm

Die letzte Spalte streut um den Faktor 1,7, die Fläche je Liter um den Faktor 2,2. Die Länge ist also die stabilere Bezugsgröße von beiden — nicht perfekt, aber deutlich näher an der Fläche als das Volumen.

Das erklärt, warum eine Angabe wie „30 - 80 l Inhalt (40 - 80 cm)“ mehr wert ist als eine Literzahl allein. Sie schließt Becken aus, die zwar das passende Volumen haben, aber eine ungünstige Form: ein hohes, schmales Becken mit 80 Litern hat weniger Fläche als ein flaches, langes mit derselben Menge.

Zwei von fünfzehn Angeboten machen diese Angabe. Beide gehören zu derselben Marke, und beide gehören zu den Geräten mit der niedrigsten implizierten Temperaturdifferenz dieses Themenbereichs.

Ob zwischen beidem ein Zusammenhang besteht, lässt sich aus zwei Fällen nicht ableiten. Was sich sagen lässt: Der Anbieter, der über die Auslegung am meisten mitteilt, legt zugleich am knappsten aus — und trägt als einziger ein Prüfzeichen.

Der Sonderfall Meerwasser und der Sonderfall Kaltwasser

Zwei Aufstellungsfälle folgen anderen Regeln, und beide kommen in den Angeboten nur am Rand vor.

Meerwasserbecken laufen meist wärmer. 25 bis 27 °C sind dort üblich, und jedes Kelvin mehr erhöht die Temperaturdifferenz zum Raum entsprechend. Bei einem Raum mit 20 °C bedeutet der Sprung von 25 auf 27 °C eine Erhöhung des Bedarfs um vierzig Prozent — von fünf auf sieben Kelvin Differenz.

Dazu kommt, dass Meerwasserbecken häufiger offen betrieben werden und stärker durchströmt sind. Beides erhöht die Verdunstung und damit den Wärmeverlust.

Vier der fünfzehn Geräte dieses Themenbereichs sind ausdrücklich für Süß- und Meerwasser ausgewiesen; die übrigen elf machen dazu keine Angabe.

Kaltwasserbecken laufen kühler als der Raum oder gleich warm. Ein Becken mit Goldfischen bei 18 bis 20 °C in einem Zimmer mit 21 °C braucht rechnerisch gar keine Heizung — es kann im Sommer sogar zu warm werden.

Wo dennoch geheizt wird, geht es um Untergrenzen: Ein Heizer, der auf 16 °C eingestellt ist, verhindert im Winter das Absinken darunter und läuft die übrige Zeit gar nicht.

Fall typische Wassertemperatur Differenz bei 20 °C Raum
Kaltwasser 16 bis 20 °C −4 bis 0 K
tropisches Süßwasser 24 bis 26 °C 4 bis 6 K
Meerwasser 25 bis 27 °C 5 bis 7 K
Diskusbecken 28 bis 30 °C 8 bis 10 K

Die letzte Zeile zeigt, dass die Temperaturdifferenz nicht nur vom Raum abhängt. Ein Becken, das auf 29 °C gehalten wird, verliert im selben Raum doppelt so viel Wärme wie eines mit 25 °C.

Kein Angebot dieses Themenbereichs unterscheidet in seiner Beckenangabe nach der Zieltemperatur. Die Literzahl gilt bei allen fünfzehn Geräten unterschiedslos für 22 wie für 30 °C, obwohl sich der Bedarf dazwischen verdoppelt.

Was das für die Auswahl bedeutet

Aus alldem lässt sich eine Reihenfolge ableiten, die kein Angebot mitliefert.

Die niedrigste Raumtemperatur des Jahres bestimmen. Nicht schätzen: an einem kalten Wochenende einmal messen. Das ist die einzige Zahl, die niemand sonst liefern kann.

Die Zieltemperatur festlegen. Sie folgt aus dem Besatz und liegt in aller Regel zwischen 22 und 28 °C.

Die Differenz bilden und die Fläche berechnen. Beides zusammen ergibt über die Multiplikation mit 6 den Bedarf in Watt.

Dreißig Prozent aufschlagen für Verdunstung, Zugluft und die Aufheizung nach einem Wasserwechsel.

Das nächstgrößere handelsübliche Gerät wählen. Die Stufen sind 25, 50, 75, 100, 150, 200 und 300 Watt; dazwischen gibt es nichts.

Becken Fläche 5 K 8 K 11 K
54 l 0,72 m² 28 W 45 W 62 W
112 l 1,20 m² 47 W 75 W 103 W
240 l 1,96 m² 76 W 122 W 168 W
450 l 3,00 m² 117 W 187 W 257 W

Die Werte enthalten den Zuschlag von dreißig Prozent bereits. Sie zeigen, warum ein Becken mit 240 Litern je nach Aufstellungsort mit 100 oder mit 200 Watt richtig bedient ist. Und warum der Markt für dieses Becken Geräte mit 300 Watt anbietet.

Was auffällt, wenn man diese Tabelle gegen die Marktangaben hält: Der Markt liegt bei kleinen Becken nah an der Spalte für acht Kelvin und bei großen deutlich darüber. Für ein Becken mit 450 Litern bietet er 300 Watt an, wo die Rechnung bei elf Kelvin 257 ergibt, und bei fünf Kelvin 117.

Was die Rechnung noch nicht enthält

Vier Effekte fehlen in dem bisher Gesagten. Zwei erhöhen den Bedarf, zwei senken ihn.

Die Verdunstung erhöht ihn, und zwar erheblich. Verdunstendes Wasser entzieht dem Becken Verdampfungswärme; ein Liter kostet rund 0,63 Kilowattstunden. Ein offenes Becken, das im Winter zwei Liter je Woche verliert, gibt darüber rund 7,5 Watt dauerhaft ab. Bei einem Becken mit 112 Litern und sechs Kelvin Differenz ist das ein Fünftel des gesamten Bedarfs.

Zugluft erhöht ihn. Ein Becken neben einer Terrassentür oder unter einem Fenster verliert deutlich mehr als eines an einer Innenwand. Der Wärmedurchgangskoeffizient steigt mit der Luftbewegung.

Eine Abdeckung senkt ihn. Sie begrenzt die Verdunstung und schließt die Wasseroberfläche gegen die Raumluft ab. Das ist der wirksamste Einzeleingriff überhaupt, und er kostet nichts an Strom.

Die übrige Technik senkt ihn ebenfalls. Filterpumpe und Beleuchtung geben ihre Verlustwärme zum Teil an das Wasser ab. Bei einer Filterpumpe mit 11 Watt und einer Leuchte mit 45 Watt über zwölf Stunden ist das kein vernachlässigbarer Beitrag; wie groß der Anteil ist, hängt an der Bauform und ist nicht ohne Messung zu beziffern.

Effekt Richtung Größenordnung
Verdunstung erhöht 5 bis 25 % je nach Abdeckung
Zugluft erhöht schwer zu beziffern
Abdeckung senkt betrifft 20 bis 30 % der Fläche
Abwärme von Filter und Licht senkt schwer zu beziffern

Diese vier Effekte sind der Grund für den Zuschlag von dreißig Prozent in unserer Beispielrechnung — und dafür, dass eine Auslegung ohne Reserve keine gute Idee ist.

Was zu viel und zu wenig kosten

Beide Fehler sind möglich, und sie sind nicht gleich schwer.

Zu wenig Leistung ist der ernste Fall. Ein Heizer, der die Zieltemperatur nicht erreicht, läuft dauerhaft und kommt trotzdem nicht an. Das lässt sich durch keine Regelung ausgleichen, und es fällt erst in der kältesten Woche des Jahres auf.

Zu viel Leistung ist der harmlose Fall — mit zwei Einschränkungen.

Die erste betrifft die Regelung. Ein starker Heizer erwärmt das Wasser schneller, und bei gleicher Trägheit des Fühlers läuft die Temperatur weiter über den Sollwert hinaus.

Gerät im Becken Aufheizrate Überschwingen bei 10 min Verzögerung
25 W in 50 l 0,43 K/h rund 0,07 K
100 W in 120 l 0,72 K/h rund 0,12 K
300 W in 240 l 1,07 K/h rund 0,18 K
300 W in 100 l 2,58 K/h rund 0,43 K
50 W in 15 l 2,87 K/h rund 0,48 K

Die Aufheizrate ergibt sich aus Leistung geteilt durch das Produkt aus 1,163 und der Literzahl; sie gilt ohne Wärmeverluste. Die Verzögerung von zehn Minuten ist eine Annahme, die das Verhältnis zwischen den Zeilen zeigt und keinen gemessenen Wert.

Die zweite Einschränkung betrifft den Fehlerfall. Ein Regler, der in geschlossener Stellung klemmt, heizt mit voller Leistung weiter. Und dann ist dieselbe Aufheizrate die Geschwindigkeit, mit der die Temperatur ansteigt. Bei 2,58 Kelvin je Stunde sind das über eine Nacht mehr als zwanzig Kelvin.

Was zu viel Leistung nicht kostet, ist Strom. Ein Regelheizer liefert die Wärmemenge, die verloren geht; ein stärkeres Gerät liefert sie in kürzeren Intervallen. Der Verbrauch hängt am Wärmeverlust des Beckens und damit am Aufstellungsort, nicht an der Wattzahl des Geräts.

Die Unterscheidung zwischen Regelabweichung, Einstellschritt und Schutzabschaltung steht im Ratgeber zur Regelgenauigkeit.

Die zweite falsche Bezugsgröße

Bis hierher ging es darum, dass Liter die falsche Größe sind. Es kommt hinzu, dass die genannte Literzahl selbst nicht das Wasser meint.

Ein Becken wird über das geometrische Volumen des leeren Kastens verkauft. Wasser wird davon nie die ganze Zahl: Zwei Zentimeter Freibord und fünf Zentimeter Bodengrund kosten sieben Zentimeter Bauhöhe.

Becken (beworben) Maße Wasserhöhe tatsächliches Wasser Anteil
54 l 60 × 30 × 30 cm 23 cm rund 41 l 77 %
112 l 80 × 35 × 40 cm 33 cm rund 92 l 82 %
240 l 120 × 50 × 40 cm 33 cm rund 198 l 82 %

Für die Heizleistung ist das eine gute Nachricht, denn weniger Wasser bedeutet auch weniger benetzte Fläche. Der Effekt geht in dieselbe Richtung wie die Reserve, die ohnehin in den Marktangaben steckt.

Für die Aufheizrate ist es eine schlechte. Sie ergibt sich aus der tatsächlichen Wassermenge, und die ist kleiner als die beworbene — die Rate liegt also höher, als unsere Tabellen mit der beworbenen Literzahl zeigen. Bei einem Becken mit 82 Prozent Wasseranteil um rund zwanzig Prozent.

Wie sich die beworbene Literzahl in tatsächliches Wasser umrechnen lässt, steht im Ratgeber zur Aquariengröße.

Was sich aus Angeboten nicht ablesen lässt

Er rechnet Flächen, Temperaturdifferenzen und Leistungen ineinander um. Darüber hinaus geht er nicht.

Der Wärmedurchgangskoeffizient von 6 W je Quadratmeter und Kelvin ist eine Annahme. Er liegt im üblichen Bereich für eine Einfachglaswand mit natürlicher Konvektion und enthält die Verdunstung nicht. Wer mit 5 oder 7 rechnet, erhält andere Absolutwerte: die Verhältnisse zwischen den Zeilen unserer Tabellen bleiben davon unberührt.

Die Beckenmaße sind übliche Formate und keine Herstellerangaben. Sie dienen dazu, aus einer Literangabe eine Fläche zu schätzen. Ein Becken desselben Volumens in anderer Form hat eine andere Fläche.

Keine dieser Zahlen ist gemessen. Weder Wärmeverluste noch Aufheizraten noch Verdunstungsmengen. Alle Zahlen sind Angebotsangaben oder Rechnungen daraus.

Die Rückrechnung auf eine Temperaturdifferenz ist eine Interpretation. Sie sagt, für welche Differenz eine Angabe rechnerisch passen würde — nicht, dass ein Hersteller so gerechnet hätte.

Wir sagen nicht, welche Temperatur ein Becken haben soll. Das hängt am Besatz und ist eine biologische Frage ohne Fachkunde in dieser Redaktion. Die 25 °C in unseren Beispielen sind ein Rechenwert.

Zur Zahl fünfzehn in diesem Text. Sie bezeichnet die fünfzehn lieferbaren Heizer, die wir für diesen Themenbereich aufgenommen haben — fünf für Becken bis 75 Liter, fünf für Becken bis 150 und fünf mit 300 Watt. Sie ist keine Marktübersicht und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; sie ist die Stichprobe, auf die sich alle Auszählungen und Rückrechnungen dieses Textes beziehen. Zwei der fünfzehn Angebote nennen keine brauchbare Beckengröße und fehlen deshalb in den Tabellen, die eine spezifische Leistung ausweisen.

Und es gibt keine Vorgabe. DIN EN 60335-2-55 erfasst elektrische Geräte für Aquarien und regelt ihre Sicherheit; das Gutachten des zuständigen Bundesministeriums arbeitet für die Beckengröße mit Kantenlängen und enthält zur Beheizung nichts. Was bleibt, sind eine Fläche, eine Differenz und eine Multiplikation.

Die fünfzehn Geräte dieses Themenbereichs stehen im Vergleich der Nanoheizer, im Vergleich der Regelheizer für Standardbecken und im Vergleich der 300-Watt-Heizer.

Häufige Fragen

Wie viel Watt braucht ein Aquarium je Liter?
Die Frage enthält bereits den Fehler. Der Wärmeverlust hängt an der Oberfläche und an der Temperaturdifferenz zum Raum, nicht am Volumen. Als Näherung: Bei acht Kelvin Differenz und einer üblichen Beckenform liegt der Bedarf zwischen 0,3 W/l bei großen und 0,9 W/l bei kleinen Becken.
Wie rechne ich die Heizleistung aus?
Leistung = Wärmedurchgangskoeffizient mal Fläche mal Temperaturdifferenz. Die Fläche sind vier Wände plus Wasseroberfläche in Quadratmetern, die Differenz ist Wassertemperatur minus Raumtemperatur. Für den Koeffizienten rechnen wir mit 6 W je Quadratmeter und Kelvin und weisen das als Annahme aus.
Warum ist die Literangabe im Angebot dann so verbreitet?
Weil sie einfach ist und weil der Hersteller die Raumtemperatur nicht kennt. Die Angabe unterstellt implizit einen Aufstellungsort — welchen, geht aus keinem Angebot dieses Themenbereichs hervor.
Ist ein zu starker Heizer gefährlich?
Für die Zieltemperatur nicht, weil die Regelung abschaltet. Was zunimmt, ist die Aufheizrate und damit die Geschwindigkeit, mit der die Temperatur bei einem Reglerdefekt steigt. Bei 300 Watt in 100 Litern sind das 2,58 Kelvin je Stunde.
Verbraucht ein stärkerer Heizer mehr Strom?
Nein. Ein Regelheizer liefert die Wärmemenge, die verloren geht — ein stärkeres Gerät liefert sie in kürzeren Intervallen. Was den Verbrauch bestimmt, ist der Wärmeverlust des Beckens und damit der Aufstellungsort.
Wie viel Wasser ist wirklich im Becken?
In aller Regel 65 bis 85 Prozent der beworbenen Literzahl. Zwei Zentimeter Freibord und fünf Zentimeter Bodengrund kosten sieben Zentimeter Bauhöhe, und je flacher das Becken, desto größer der Anteil.
Was ändert eine Abdeckung?
Sie verringert den Verlust über die Wasseroberfläche erheblich, weil sie die Verdunstung begrenzt. Wie viel, haben wir nicht gemessen; die Wasseroberfläche macht in unseren Rechnungen je nach Format 20 bis 30 Prozent der wärmeabgebenden Fläche aus.
Gibt es eine Vorschrift für die Heizleistung?
Nein. DIN EN 60335-2-55 erfasst elektrische Geräte für Aquarien und regelt ihre Sicherheit. Zur Heizleistung, zur Auslegung oder zur Regelgenauigkeit existiert kein Prüfverfahren.

Wer diesen Artikel verantwortet

Daniel Weber, Fachredaktion Aquarientechnik

Daniel Weber

Fachredaktion Aquarientechnik

Schreibt über Filter, Heizer und Beleuchtung im Aquarium.

6+ Jahre technische Redaktion im HLK-Bereich (Heizung, Lüftung, Klima)

Wie wir bewerten

Wir ordnen kriterienweise ein und vergeben keine Gesamtnote. Diese fünf Kriterien liegen jedem Vergleich zugrunde:

Eignung für den Zweck
Ob das Modell die Anforderung erfüllt, um die es im Artikel geht — Tragkraft, Beckengröße, Raumtiefe, Wurfgewicht. Der Wert, an dem eine Kaufentscheidung tatsächlich scheitert.
Belegte Spezifikationen
Wie viele der kaufentscheidenden Werte der Hersteller überhaupt beziffert — und ob sie sich mit unabhängigen Quellen decken. Ein Anbieter, der schweigt, wird nicht bessergestellt als einer, der offenlegt.
Verarbeitung und Haltbarkeit
Was Material, Konstruktion, Ersatzteilversorgung und dokumentierte Ausfallmuster über die zu erwartende Lebensdauer sagen.
Aufwand für Aufbau und Pflege
Was ein Produkt vor der ersten Nutzung verlangt und was danach regelmäßig anfällt — Montage, Anschluss, Reinigung, Wartungsintervalle.
Transparenz des Anbieters
Ob der Hersteller die Zahlen, an denen die Kaufentscheidung hängt, selbst veröffentlicht — und ob seine Angaben mit denen der Händlerdatenblätter übereinstimmen. Wer schweigt oder sich widerspricht, verliert hier.

Vollständige Methodik, inklusive dem, was wir nicht tun

Aktualisierung und Quellen
Veröffentlicht
29.08.2026
Aktualisiert
29.08.2026
Geprüft
29.08.2026
Quellen
6

Änderungsverlauf

  • 29.08.2026: Erstbestand. Alle Wärmeverlust- und Rückrechnungen beruhen auf einem angenommenen Wärmedurchgangskoeffizienten von 6 W je Quadratmeter und Kelvin und auf üblichen Beckenformaten; beides ist im Text als Annahme gekennzeichnet. Die Leistungs- und Literangaben stammen aus den Angeboten der fünfzehn Produkte.

Belege

  1. Händler- oder Marktdatenamazon.de
    Angebot Fluval E300 — Baureihentabelle über vier Leistungsstufen

    Nennt in der Beschreibung eine Übersicht der Baureihe: „E 50 Aquarienheizer, bis zu 60 Liter … E 100 … bis zu 120 Liter … E 200 … bis zu 250 Liter … E 300 … bis zu 375“. Daraus ergibt sich eine spezifische Leistung von 0,83, 0,83, 0,80 und 0,80 Watt je Liter — über den Faktor 6,25 im Volumen praktisch konstant. Grundlage des Abschnitts über die Skalierung.

  2. Händler- oder Marktdatenamazon.de
    Angebot JBL ProTemp s25 — Einsatzbereich in Litern und Beckenlänge

    Nennt „10 - 50 l“ und zusätzlich eine Beckenlänge von 30 bis 60 Zentimetern, dazu 25 Watt, einen Regelbereich von 20 bis 34 °C, eine Genauigkeit von +/-0,5 °C und ein TÜV-Zeichen. Eines von zwei Angeboten dieses Themenbereichs, die eine zweite Bezugsgröße neben dem Volumen nennen. Und damit dem Wärmeverlust näher kommen.

  3. Händler- oder Marktdatenamazon.de
    Angebot FEDOUR 300 W — 100 bis 240 Liter

    Nennt „FEDOUR 300W 100-240L“, einen Regelbereich von 20 bis 34 °C, eine Toleranz von ±2 und Quarzglas. 300 Watt auf 240 Liter sind 1,25 Watt je Liter: die höchste spezifische Leistung dieses Themenbereichs am oberen Ende einer Spanne und Grundlage der Rückrechnung auf 25,5 Kelvin Temperaturdifferenz.

  4. Händler- oder Marktdatenamazon.de
    Angebot Tetra HT 300 — 300 bis 450 Liter

    Nennt „Aquarienheizer für eine Aquariengröße von 300-450 Liter“ und einen Regelbereich von 20 bis 32 °C in Schritten von einem Kelvin; die Datentabelle führt 300 Watt. 0,67 Watt je Liter sind die niedrigste spezifische Leistung dieses Themenbereichs am oberen Ende einer Spanne.

  5. Herstellerangabedinmedia.de
    DIN EN 60335-2-55:2019-05 — Elektrische Geräte für Aquarien und Gartenteiche

    Vollständiger deutscher Titel „Sicherheit elektrischer Geräte für den Hausgebrauch und ähnliche Zwecke — Teil 2-55: Besondere Anforderungen für elektrische Geräte zum Gebrauch mit Aquarien und Gartenteichen“, Ausgabe Mai 2019. Produktspezifische Norm für diese Gerätegattung. Sie regelt die Sicherheit; zu Heizleistung, Auslegung oder Regelgenauigkeit enthält sie nichts, und ein Prüfverfahren dafür existiert nicht.

  6. Institution oder Normbmleh.de
    Gutachten über die tierschutzgerechte Haltung von Zierfischen (Süßwasser)

    Gutachten einer Sachverständigengruppe beim zuständigen Bundesministerium. Es arbeitet für die Beckengröße mit Kantenlängen und führt die handelsüblichen Stufen von 60 bis 150 Zentimetern. Zur Beheizung, zur Wassertemperatur als Vorgabe oder zur zulässigen Schwankung enthält es keine Regelung. Herangezogen als Beleg dafür, dass es für die Auslegung eines Heizers keine amtliche Bezugsgröße gibt.